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08.07.2007
 

Terror im Irak

Blutiger Anschlag fordert immer mehr Opfer

Die Zahl der Todesopfer steigt und steigt: Bei dem gestrigen Anschlag auf dem Markt von Emerli sind vermutlich sehr viel mehr Menschen getötet worden, als bislang angenommen. Und die Anschlagsserie im Irak geht weiter.

Kirkuk/Bagdad - Die örtlichen Behörden befürchten, dass bei dem gestrigen Bombenanschlag in dem Dorf Emerli bis zu 150 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Die Zahl 130 könne bereits bestätigt werden, erklärten die Polizei und der Bürgermeister des Ortes. 20 weitere Menschen würden aber noch vermisst - und es sei davon auszugehen, dass auch sie umgekommen seien, fügte die Polizei hinzu.

Elfjähriges Mädchen im Krankenhaus: Opfer eines der schwersten Anschläge im Irak
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AP

Elfjähriges Mädchen im Krankenhaus: Opfer eines der schwersten Anschläge im Irak

Zudem seien 50 kleinere Geschäfte und ebenso viele Häuser durch die Explosion zerstört worden. Zuletzt waren die Behörden von etwas mehr als 100 Toten ausgegangen. Sollte sich die Zahl 150 bestätigen, wäre der Anschlag von Tus Churmatu einer der folgenschwersten seit Einmarsch der US-geführten Truppen im Irak im Jahr 2003.

Bei dem gestrigen Anschlag hatte sich ein Selbstmordattentäter in einem Lastwagen auf einem belebten Markt des 130 Kilometer südlich der nordirakischen Stadt Kirkuk gelegenen Orts in die Luft gejagt. Die Explosion habe das Zentrum von Emerli zerstört, sagte der Vize-Polizeichef des Nachbarorts Tus Churmatu, Hussein Ali Raschid. Nach der Detonation sei ein Feuer ausgebrochen, das sich schnell auf zahlreiche Geschäfte ausgebreitet habe. Die Rettungskräfte zogen unter anderem auch drei Kinder aus den Trümmern der zerstörten Häuser. Sie erlagen kurz darauf ihren Verletzungen. Unter dem Schutt werden weitere Opfer vermutet. In Emerli leben vornehmlich schiitische Turkmenen, die im Irak eine Minderheit darstellen.

Die Anschlagsserie im Irak riss auch heute nicht ab. Bei der Explosion einer Autobombe in einer belebten Einkaufsstraße im Zentrum Bagdads wurden mindestens sechs Menschen getötet. Sieben weitere wurden verwundet, wie die Polizei mitteilte. Der Anschlag wurde in dem überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Karrada verübt.

Anschläge tragen Handschrift sunnitischer Extremisten

Das Attentat ist das bislang letzte in einer Serie von blutigen Anschlägen am Wochenende. Im Osten des Landes an der Grenze zum Iran raste am späten Freitagabend in Garghusch ein Attentäter mit seinem Wagen in eine Gruppe schiitischer Kurden, die gerade von einer Beerdigung zurückkehrten. Er sprengte den Wagen in die Luft und riss nach Behördenangaben 22 Menschen mit in den Tod, 17 wurden verletzt.

In Bagdad wurden außerdem in der Nacht zum Samstag bei einem Granatenangriff sieben Mitglieder einer Familie im Schlaf getötet, darunter vier Kinder im Alter von 9 bis 17 Jahren. Die Familie schlief nach Angaben des Innenministeriums auf dem Dach ihres Hauses in dem mehrheitlich sunnitischen Viertel Fadhil im Zentrum der irakischen Hauptstadt. In der unmittelbaren Nachbarschaft des Stadtteils liegen mehrere vor allem von Schiiten bewohnte Bezirke. Wegen Temperaturen von häufig mehr als 40 Grad Celsius auch in der Nacht schlafen viele Menschen in Bagdad unter freiem Himmel. Klimaanlagen funktionieren wegen der häufigen Stromausfälle nur unzuverlässig.

Autobombenanschläge wie die von Emerli tragen häufig die Handschrift von sunnitischen Extremisten, die dem al-Qaida-Netzwerk von Osama Bin Laden nahe stehen. Bislang bekannte sich jedoch niemand zu den Attentaten. Zugleich gingen britische Soldaten am Samstag im Süden des Landes massiv gegen Aufständische vor. Militärvertreter sprachen vom größten Einsatz der Truppen in diesem Jahr. Bei den heftigen Kämpfen mit den Muslimextremisten in Basra kam ein britischer Soldat ums Leben.

sam/Reuters

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