Bagdad - Ein Selbstmordattentäter hat vor dem Büro einer kurdischen Partei im Nordirak zahlreiche Menschen mit in den Tod gerissen. Der Nachrichtensender al-Arabija berichtete, der Attentäter habe sich in einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen vor dem Sitz der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) von Staatspräsident Dschalal Talabani in Kirkuk in die Luft gesprengt. Ein Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, zahlreiche Menschen seien durch die Wucht der Explosion über den Markt geschleudert worden. Ein Bus fing Feuer, die eingeschlossenen Passagiere verbrannten. Dutzende Autos standen in Flammen. Die heftige Explosion habe mehrere Geschäfte zerstört.
Fast gleichzeitig sei in der Stadt noch ein zweites Sprengstoffauto explodiert. Auch bei dieser Attacke seien zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, die beiden Fahrzeuge seien in der Nähe der Polizeidirektion und in der Nähe der Passbehörde detoniert.
Zwischen beiden Anschlägen lagen nur knappe 20 Minuten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von insgesamt mindestens 80 Toten und 136 Verletzten. Die Polizei in Kirkuk gehe davon aus, dass die Zahlen noch steigen werden.
Die meisten Verletzten, unter ihnen Frauen und Kinder, schwebten in Lebensgefahr, da sie schwere Verbrennungen erlitten hätten, sagte der Polizeichef von Kirkuk, Barhan Habib Tajjib. Die Bevölkerung wird mit Lautsprechern zu Blutspenden aufgerufen.
Militär startet Offensive gegen al-Qaida
Südlich von Bagdad haben heute Tausende US- und irakische Soldaten einen Großangriff auf Stellungen des Terrornetzwerks al-Qaida unternommen. Die Aktion unter dem Namen "Marne Avalanche" ziele auf die vorrangig von Sunniten bewohnte Stadt Dschurf al-Sachr, sagte US-Militärsprecherin Alayne Conway. Die Region im Tal des Euphrat sei ein "Unterschlupf des Feindes". Bereits am Sonntag hatte der für das Gebiet zuständige Kommandeur Rick Lynch angekündigt, eine Reihe von Militäraktionen solle die Waffenlieferungen von dort in Richtung Bagdad eindämmen.
Im Süden des Landes flohen nach Polizeiangaben am Sonntagabend 24 iranische Häftlinge, die wegen illegalen Grenzübertritts inhaftiert waren. Vier seien wieder eingefangen worden. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, sagte ein Polizist, der anonym bleiben wollte. Es besteht der Verdacht, dass die Geflohenen irakische Komplizen hatten. Die irakischen Sicherheitskräfte im Süden des Landes gelten als von pro-iranischen schiitischen Milizen unterwandert.
ler/dpa/Reuters/AFP
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