Kabul - "Die Mitglieder der Islamischen Partei haben die Tötung ihrer Brüder und die Zerstörung des Landes beendet und die politische Arbeit aufgenommen", heißt es in einer in Kabul kursierenden Erklärung Gulbuddins Hekmatjars. Auch das private Fernsehen berichtete über die Erklärung des Chefs der von den Taliban unabhängigen "Islamischen Partei" (Hesb-i-Islami), in der die Gruppe eine Waffenruhe erklärt.
Gulbuddin Hekmatjar entstammt einer paschtunischen Bauernfamilie aus der Provinz Kunduz. In den 60er Jahren begann er in Kabul ein Ingenieursstudium und profilierte sich als radikaler islamischer Studentenführer gegen das afghanische Königshaus. Er wurde der Hochschule verwiesen, nachdem er modern gekleidete Studentinnen mit Säure angegriffen hatte. 1972 wurde er als Vorkämpfer einer Islamischen Republik für neun Monate inhaftiert. Nach der Haft setzte er sich nach Pakistan ab.
Nach der Machtübernahme der Kommunisten in Afghanistan und der Besetzung durch die Sowjets führte Hekmatjar eine Mudschaheddin-Gruppe an, die von Pakistan aus agierte und massive Waffenhilfe von den USA erhielt. Nach dem Sturz des kommunistischen Nadschibullah-Regimes und dem Abzug der Sowjets 1989 rückten verschiedene Mudschaheddin-Verbände im ganzen Land vor. Hekmatjar legte in einer Offensive 1993 Kabul mit Raketen- und Granatenangriffen in Schutt und Asche.
1996 wurde Hekmatjar als Regierungschef vereidigt, doch schon kurze Zeit später zogen die Taliban in Kabul ein und übernahmen die Macht. Hekmatjar setzte sich nach Iran ab. Nach dem Sturz der Taliban kritisierte Hekmatjar die USA, diese besetzten Afghanistan, um Iran einzukreisen. Die Regierung Karzai lehnte er als Marionetten-Regime des Westens ab. Hekmatjar rief, teilweise in Kooperation mit seinen ehemaligen Rivalen, den Taliban, zum Heiligen Krieg gegen die USA auf.
Washington bezeichnet den Paschtunen als einen der meistgesuchten Extremisten.
asc/Reuters
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