Hamburg - Ein Sprecher der Taliban wandte sich an mehrere westliche Nachrichtenagenturen und teilte mit, einer der beiden entführten Deutschen sei hingerichtet worden. "Ich habe die Information bekommen, dass sie um 12.05 Uhr eine der Geiseln erschossen haben und die zweite um ein Uhr getötet werden soll", sagte Taliban-Sprecher Kari Jussuf Ahmadi. Auf deutsche Zeit übertragen wäre die erste Geisel demnach um 9.35 Uhr hingerichtet worden, das Ultimatum für die zweite lief um 10.30 Uhr aus - zunächst ohne neue Mitteilung der Taliban.
"Die Deutschen haben nicht gesagt, dass sie ihre Truppen aus Afghanistan abziehen wollen. Darum haben die hohen Kommandeure der Taliban beschlossen, den Deutschen zu töten", sagte Kari Jussuf Ahmadi. Die Taliban hatten der Bundesregierung eine Frist gesetzt, um die Bundeswehr aus dem Land abzuziehen. Außerdem müssten alle gefangenen Taliban freigelassen werden. Die deutsche Regierung lehnte das ab.
Weder das Außenministerium noch das Bundespresseamt wollten sich zu der Hinrichtungs-Meldung zunächst äußern. Man könne die Erschießung nicht bestätigen.
Die beiden verschleppten Deutschen waren am Mittwoch in der Provinz Ghasni verschleppt worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes handelt es sich um Mitarbeiter eines in Kabul ansässigen Unternehmens. Sie waren möglicherweise zufällig gefangen genommen worden: Bei der Entführung war Sicherheitskreisen zufolge auch der Bruder des afghanischen Vize-Parlamentspräsidenten in die Gewalt der Entführer geraten. Möglich sei, dass die Tat eigentlich dem prominenten Afghanen galt.
Merkel: Afghanistan nicht im Stich lassen
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte kurz vor Ablauf des Ultimatums die Forderungen nach einem Abzug der Bundeswehr zurückgewiesen. "Wir dürfen jetzt nicht mit unseren Anstrengungen nachlassen. Das afghanische Volk darf nicht im Stich gelassen werden", sagte sie und sprach sich für die Fortsetzung der deutschen Beteiligung an den militärischen Optionen am Hindukusch aus. "Ich werde für die Verlängerung der Mandate werben." Im Herbst muss der Bundestag über die Verlängerung der Afghanistan-Mandate entscheiden.
Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes arbeite weiter auf Hochtouren an der Freilassung der beiden Deutschen, sagte Merkel vor der Meldung über die Hinrichtung. "Mehr kann ich auch im Interesse der Betroffenen dazu nicht sagen." Die Bundesregierung bezweifelte nach eigenen Angaben bis zuletzt, dass tatsächlich die Taliban hinter der Entführung stecken. "Wir haben die jüngsten Äußerungen des sogenannten Sprechers der Taliban zur Kenntnis genommen", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes noch vor Stunden. "Ich halte fest: Bislang haben wir keine belastbaren Hinweise, dass die beiden entführten Deutschen in der Gewalt der Taliban sind."
Der Afghanistan-Beauftragte der Uno, der Deutsche Tom Koenigs, hatte am Morgen in Kabul an die Bundesregierung appelliert, den Bundeswehreinsatz im Land ungeachtet der Entführung der beiden Deutschen fortzusetzen. "Wir sollten diesen Kurs fortsetzen, auch wenn es Gegenwind gibt, auch wenn wir mal schlechte Zeiten haben", sagte er der ARD. Koenigs lobte sowohl das militärische Engagement im Rahmen der Isaf-Schutztruppe als auch die Hilfe der Bundeswehrsoldaten beim Wiederaufbau des Landes. Die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung befürworte den internationalen Militäreinsatz und die ausländische Hilfe.
Die Taliban hatten heute auch erneut damit gedroht, binnen Stunden 18 entführte südkoreanische Christen zu töten. Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun rief die Entführer auf, ihre Geiseln freizulassen. Das Land zeigte sich zu Verhandlungen bereit. Südkorea hat bereits vor einiger Zeit beschlossen, seine 200 Soldaten zum Ende des Jahres aus Afghanistan abzuziehen.
plö/itz/dpa/Reuters/AP/AFP
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