Paris/Brüssel - Die von Libyen ausgelieferten Krankenschwestern und ein Arzt palästinensischer Abstammung sind am Morgen in Sofia eingetroffen. Sie landeten an Bord eines französischen Flugzeugs in der bulgarischen Hauptstadt. Dort warteten Angehörige bereits seit der Nacht auf die Rückkehr der Krankenschwestern.
Bei ihrer Ankunft wurden die Krankenschwestern von Staatspräsident Georgi Parwanow per Dekret begnadigt.
An Bord des Flugzeuges waren auch Cecilia Sarkozy, die Frau des französischen Staatspräsidenten, und EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Die beiden Frauen hatten sich in den vergangenen Tagen bei der libyschen Führung um eine Ausreise der fünf Bulgarinnen und des palästinensischen Arztes bemüht, der inzwischen auch einen bulgarischen Pass besitzt.
"Der dramatische Fall mit den verurteilten Krankenschwestern nähert sich seinem Ende", hieß es in einer Mitteilung des bulgarischen Präsidialamtes. Der Sprecher des bulgarischen Außenministeriums, Dimitar Zantschew, erklärte zum Abflug des französischen Regierungsflugzeuges aus Tripolis: "Das ist eine gute Nachricht, die Bulgarien seit acht Jahren erwartet."
Die Sechs waren 1999 verhaftet und im Mai 2004 zum Tode durch Erschießen verurteilt worden. Sie waren für schuldig befunden worden, mehr als 400 libysche Kinder in einem Krankenhaus in der Hafenstadt Bengasi absichtlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Experten hatten dagegen die schlechte Hygiene in der Klinik für die Infektionen verantwortlich gemacht. Nach langwierigen Verhandlungen unter Federführung der EU waren die Todesstrafen vor einer Woche in lebenslange Haft umgewandelt worden. Die Mediziner haben stets ihre Unschuld beteuert.
EU-Chef Barroso zeigt sich erleichtert
Nicolas Sarkozy und Jose Manuel Durao Barroso zeigten sich erleichtert über die Rückkehr der Krankenschwestern und des Arztes. "Der Präsident der französischen Republik und der Präsident der Europäischen Kommission begrüßen die Geste der Humanität Libyens und seines höchsten Führers und versprechen, alles zu tun, um den von Aids betroffenen Kindern zu helfen", hieß es in einer Mitteilung. Zugleich lobten sie die Einrichtung einer verbesserten medizinischen Versorgung für die aidskranken Kinder in Libyen.
Sie äußerten "tiefe Dankbarkeit" für die Vermittlung des Emirs und des Staates von Katar, die den glücklichen Ausgang erlaubt hätten. Dieser Ausgang wäre nicht ohne den Einsatz und die Entschlossenheit der Kommission und vor allem der Außenbeauftragten Ferrero-Waldner und das persönliche Engagement der Frau des französischen Präsidenten, Cecilia Sarkozy, möglich gewesen, hieß es.
Auch Barroso habe noch am Montag mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi gesprochen, ergänzte ein Kommissionssprecher.
flo/dpa/AP/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH