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24.07.2007
 

US-Präsidentschaftsdebatte

Clinton und die sieben Zwerge

Aus Charleston berichtet Gabor Steingart

Hillary Clinton auf dem Weg ins Weiße Haus: Den jüngsten großen Schlagabtausch mit ihren sieben männlichen Konkurrenten hat die demokratische Präsidentschaftskandidatin klar für sich entschieden. Ihr Auftreten bei der YouTube-Fragerunde war vor allem auch ein Sieg ihrer Kampagnenmanager.

Charleston - "Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", sagt der Militärstratege Clausewitz. Für Hillary Clintons Berater Sidney Blumenthal gilt der Satz auch umgekehrt: "Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln."

Hätte es für die Richtigkeit dieser Aussage noch eines Beweises bedurft, gestern Nacht wurde er geliefert: Die Befragung aller demokratischen Präsidentschaftsanwärter fand statt, in der historischen Zitadelle von Charleston, South Carolina. Im Innern der Zitadelle, ein Relikt des Bürgerkrieges, war Politik an der Grenze zur psychologischen Kriegsführung zu besichtigen. Die Fragen an die Kandidaten schickten YouTube-Nutzer per Videobotschaft.

Clinton faucht - beißt aber nicht

Die erste Frage von der Videoleinwand dreht sich um die Glaubwürdigkeit von Wahlversprechen: Was steckt hinter all den politischen Plattitüden, will ein Jugendlicher aus dem Bundesstaat Utah wissen: Seid ehrlich zu uns, mahnt er - offenbar in Unkenntnis der Tatsache, dass Ehrlichkeit im politischen Nahkampf sich nicht auszahlt und daher streng verboten ist.

Hillary Clinton ist immun gegen solche Appelle. Die Demokraten seien vereint, behauptet die Anwärterin wahrheitswidrig. Ihre große schauspielerische Leistung liegt darin, nicht eine Sekunde lang die Miene zu verziehen. Die einzig relevante Frage, die Machtfrage, stellt sie selbst: "Wer von uns ist aus dem Stand heraus in der Lage zu regieren, vom Tag eins an?"

Die Antwort gesellt sich im Kopf der Zuhörer wie von allein dazu: Clinton selbst. Wer sonst? Ob als Aktivistin der Demokraten, als First Lady oder heute als Senatorin, immer habe sie Menschen zusammengebracht, Kompromisse gesucht und gefunden, und wenn nicht - "dann bin ich standhaft geblieben", sagt sie. Clintons größte Konkurrenten, Barack Obama und John Edwards, schauen ins Leere - Hillarys Kampagnenmanager schaut beglückt: Das war gefaucht, nicht gebissen.

Die Umfragen der vergangenen Tage haben ergeben, dass Hillary Clinton einen Vorteil vor ihren Wettbewerbern besitzt, der bislang als ihr Nachteil galt: ihr Alter, ihre Erfahrung, ihre oft männliche Härte.

Leistungsschau der Wahlkampfmanager

Was die Modemesse in Mailand für die Designer, die Automesse in Detroit für die Fahrzeugentwickler, das ist die Debatte der Präsidentschaftskandidaten für die Kampagnenmanager: eine Leistungsschau ihres Könnens - unübersehbar auch eine Demonstration ihrer Macht. Sie bezeichnen sich selbst als Männer hinter den Kandidaten, als Helfer im Hintergrund. Aber das ist reine Koketterie. In Wahrheit sind sie die Designer der Kandidaten. Früher polierten sie Images, heute modellieren sie, wenn man sie gewähren lässt, den Bewerber.

Sagten die Parteiführer ihren Spitzenkandidaten einst, was sie tun sollten, sagen heute die Berater den Kandidaten, wer sie sein sollen. Clinton-Berater Blumenthal fasst das so zusammen: "Die Aufgabe ist es, die Erwartungen der Wähler an den Kandidaten durch die Manipulation von Symbolen und Images zu erfüllen." Alles werde der Aufgabe untergeordnet, die Persönlichkeit des Kandidaten - und später das Regieren selbst: "Die permanente Kampagne ist die Ideologie unserer Zeit", schreibt er in einem Buch über die Washingtoner Eliten. Das meint er keineswegs vorwurfsvoll.

"Pussyfooter", "Rainmaker" und "Steamroller"

Die sieben Männer und eine Frau - außer Clinton, Obama und Edwards stellten sich noch der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, Senator Chris Dodd, Senator Joseph Biden, die ehemaligen Senatoren Mike Gravel und Dennis Kucinich, Mitglied des Repräsentantenhauses - hatten in Charleston als lebende Prototypen der jeweiligen Denkschule ihren Auftritt. In klinischer Reinheit waren jene Archetypen zu besichtigen, die in der Sprache der Berater als "Pussyfooter", "Rainmaker" und "Steamroller" bezeichnet werden.

Hillary Clinton fällt die Rolle des "Pussyfooters" zu - ein Politikertypus, der frühzeitige Festlegungen meidet, der geschmeidig Positionen zu verwechseln vermag, der sich dem Wähler als Projektionsfläche andient und nicht durch allzu schroffe Positionen am Träumen hindert.

"Sind Sie eine Linke?", wird Clinton in South Carolina gefragt. Das Wort Linke, sagt sie, gefalle ihr nicht, es werde oft missverstanden. Sie würde sich lieber als modern und progressiv bezeichnen. So geht das in einem fort: Sie sagt ja und sie sagt nein. Sie bestätigt und widerruft. Katzenhaft geht sie durch den gesamten politischen Laden, ohne auch nur ein Glas zu zerdeppern. Kernenergie lehnt sie ab, aber nicht grundsätzlich. Der Krieg im Irak soll beendet werden, aber nicht abrupt. In der Außenpolitik müsse man reden, aber nicht mit jedem.

Dieses Abwägende und vorsichtig Tastende verleiht Clinton etwas Präsidiales - wie es ihr Manager geplant hat. Die Kandidatin soll reden wie eine Frau, die bereits heute Verantwortung fürs ganze Land trägt - nicht nur für den Bundesstaat New York. Hier soll die künftige Präsidentin sichtbar werden.

Als Präsidentin in spe werde sie sich nicht mit den Scharlatanen dieser Welt - den Regierungschef in Kuba, Venezuela, Nordkorea und Iran - an einen Tisch setzen, sagt Clinton. Sie lasse sich nicht für Propaganda missbrauchen. In der internationalen Politik sei mit den Mitteln der Diplomatie zu arbeiten. Andere, nicht der Präsident, müssten das Wasser testen, belehrt sie Obama - der sich kurz zuvor blamiert hat.

Der politische Neuling, erst seit zwei Jahren als Senator in der Bundespolitik, hatte sich zu der Antwort hinreißen lassen, er werde als Präsident unverzüglich auch mit Fidel Castro, Hugo Chávez und Irans Mahmud Ahmadineschad reden. Schließlich habe auch John F. Kennedy mit den Sowjets gesprochen. Da wirkt der große Obama plötzlich sehr klein.

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insgesamt 18 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.07.2007 von IrresistibleB1tch:

Werde mir wohl die Zeit und das Geld sparen... Traurig aber wahr. Hoffentlich ist das Buch von Herrn Steingart, für das neben diesem Artikel geworben wurde, besser recherchiert. mehr...

25.07.2007 von fauxpas: liberal=links?!

Man könnte ja meinen da ist jemandem die Übersetzung nicht gelungen man könnte jedoch auch meinen jemand versteht nichts von amerikanischer Politik. Jedenfalls konnte meiner Meinung nach nicht H. Clinton überragend überzeugen [...] mehr...

25.07.2007 von coloradosp: atlien

Hillary war sicher korrekt in der kleinen Geschichtstunde. Der Ausdruck "liberal" bedeuted im heutigen amerikanischen Politik Speak so ungefaehr das Umgekehrte wie im europaeischen Politikspeak. Was Die [...] mehr...

24.07.2007 von Bettelmönch: Obama

Oder zum Prediger, Hofprediger im Weissen Haus...;-) Er könnte auch einen demokratischen "Think-Tank" leiten. Ich finde übrigens, er ist vom Typ her eine Mischung aus Günther Jauch, Harald Schmidt, Will Smith und [...] mehr...

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