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US-Präsidentschaftsdebatte Clinton und die sieben Zwerge

2. Teil: Obama als Clintons Vize?

Seine Strategen haben ihm die Rolle des "Rainmakers" zugedacht, des Regenmachers, ohne das freilich laut zu sagen. Der Regenmacher galt den amerikanischen Ureinwohner als eine mystische Figur, die sich auf Geisterbeschwörung zum Zwecke des Wetterwechsels verstand.

Im politischen Geschäft versucht der Regenmacher, die traditionellen Parteilager zu sprengen, bietet politische Mystik an, die sich gerade in schwierigen Zeiten großer Beliebtheit beim Publikum erfreut. Zur Sachpolitik soll er lieber schweigen.

Obama beschwört den politischen Wetterwechsel so stimmungsvoll wie kein anderer Demokrat. Es gebe eine "Sehnsucht nach Wechsel im Land, überall", ruft er in die Kameras von CNN. Alle wüsste doch: "Washington muss sich verändern. Lasst uns gemeinsam das Land verändern." Es gehe um einen "Wechsel des Politikstils", nationale Interessen müssten endlich den Vorrang haben.

Einen Regenmacher könnte "Pussyfooter" Clinton womöglich schon bald gut gebrauchen - zum Beispiel als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. Im Frühjahr 2008 wird in parteiinternen Wahlen, den sogenannten Primaries, über das Personalangebot für die Planstellen von George W. Bush und Dick Cheney entschieden.

Edwards, die Dampfwalze

Das Amt des Vizes würde auch John Edwards reizen. Dafür allerdings muss er noch an Kampfgewicht zulegen. In den Umfragen liegt der ehemalige Senator von North Carolina, der zuvor als Anwalt ein Millionenvermögen verdiente, deutlich hinter Obama. Die jüngste Erhebung von "Washington Post" und ABC sieht Edwards nur bei zwölf Prozent, Obama käme auf 30, weit vorn liegt Clinton mit 45 Prozent.

Edwards Kampagnenmanager wollen daher im Endspurt noch mal aufdrehen. Sie haben für ihn die Rolle als "Steamroller", als Dampfwalze, vorgesehen. Der "Steamroller" ist der Mann fürs Grobe, einer, der klare Kanten zeigt.

Edwards plädiert unermüdlich für einen aufgepolsterten Mindestlohn, fordert eine staatliche Gesundheitsversicherung, lehnt die Kernenergie rundweg ab. Die Interessengruppen müsse man "schlagen, schlagen, schlagen", anstatt mit ihnen den Kompromiss zu suchen. Das Gesundheitssystem will er nicht reparieren, sondern revolutionieren: "Warum stehen wir nicht auf? Wir müssen endlich aufstehen gegen diese Ungerechtigkeit." In Amerika leben fast 50 Millionen Menschen ohne Gesundheitsversicherung.

Den Wechselwillen von Obama versucht Edwards zu übertrumpfen, wo er nur kann. Das Land brauche nicht irgendeinen Wechsel, sondern den "Big Change", den "Real Change", den großen, den wirklichen Wechsel.

Da, wo Edwards, mit Rücksicht auf seine prüde Partei, klare Antworten verweigern muss, schiebt er seine Frau Elisabeth vor. Von einem lesbischen Paar wird der Familienvater per Videobotschaft gefragt: "Dürfen wir heiraten, wenn Sie Präsident werden?" John Edwards sagt, das sei ein kompliziertes und sehr persönliches Thema. Er sei dagegen, aber: "Meine Frau ist dafür."

Der Traum vom Hillaryland

Vor und nach dem TV-Ereignis haben die Berater das Sagen. Im eigens für sie eingerichteten Raum - dem "Spinroom" - tauchen die Masterminds auf, um den anwesenden Journalisten zu erklären, was der Kandidat wirklich gemeint hat.

Die ehemalige Bildungsministerin von South Carolina steht da, Inez Tenenbaum ihr Name, und erklärt mit treuem Augenaufschlag, wer den Titel als Sieger des Abends verdient: Obama natürlich. "Er war der Star der Debatte." Er sei das einzig wirklich frische Gesicht, ein Außenseiter, der sich als "neuer Führer" gerade aufdränge. "Oder etwa nicht?"

Zwei Meter weiter wirbt Elisabeth Edwards für ihren Mann. Ihr Gesicht ist gerötet, ihre gepunktete Bluse hebt und senkt sich, so sehr hat sich die Frau in Rage geredet. Ihr Gatte sei der einzige, der wirklich gegen diese verdammten Lobbyisten vorgehe. Man brauche doch nur zu schauen, sagt sie listig, wo die anderen Kandidaten ihr Wahlkampfgeld her bekämen.

Joe Trippi, der oberste Strategieberater von Edwards, steht daneben und nickt heftigst. Die Interessengruppen dürften nicht - wie Obama es fordert - "einen Stuhl am großen Tisch" haben. "Sie sollen gar keinen Sitz haben, sie hatten zu lange zu viele." Es gehe nicht um links oder rechts, sondern um richtig. Sein Kandidat werde bald schon an Obama vorbeiziehen, ganz bestimmt.

Katzenpfötchen Clinton hält sich vornehm zurück. Sie hat nur ihren Internetberater geschickt, der artig die "aufregenden und sehr direkten Fragen der jungen Leute" lobt, bevor er sich in ein Elektromobil setzt und das Gelände der Zitadelle verlässt. Ein Aufkleber schmückt das Fahrzeug, der verrät, wovon sein Inhaber die nächsten Monate träumen wird: "Hillaryland".

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insgesamt 18 Beiträge
Hador 24.07.2007
Netter Artikel. Leider vergisst der Autor daraufhinzuweisen, dass die NATIONALEN Umfragewerte bei denen Clinton weit vorne liegt nicht wirklich viel zu bedeuten haben. Denn die Vorwahlen finden, wie später auch die [...]
Netter Artikel. Leider vergisst der Autor daraufhinzuweisen, dass die NATIONALEN Umfragewerte bei denen Clinton weit vorne liegt nicht wirklich viel zu bedeuten haben. Denn die Vorwahlen finden, wie später auch die Präsidentschaftswahlen, in den einzelnen Staaten statt. Und hier hat Clinton eben das Problem, dass sie in einzelnen Staaten klar führt, aber in anderen, und zwar auch teilweise sehr wichtigen Staaten,nur knapp vor oder sogar gleichauf mit Obama und Edwards liegt. Favoritin ist sie sicherlich, aber so klar wie es in den deutschen Medien dargestellt wird ist ihr Vorsprung vor den beiden anderen nicht wirklich. Dazu kommt noch, dass Obama inzwischen die größere Wahlkampfkasse hat was in den USA ebenfalls sehr wichtig ist.
AlexZ 24.07.2007
Diese ganzen Sonderbezeichnungen(Pussyfooter,Rainmaker, Steamroller) zeugen von einer maximalen Unehrlichkeit. Die unschmeichelhafte Übersetzung: geleckter Aal, Wunderheiler und Hansdampf. Es ist erbärmlich, dass bereits 1 Jahr [...]
Diese ganzen Sonderbezeichnungen(Pussyfooter,Rainmaker, Steamroller) zeugen von einer maximalen Unehrlichkeit. Die unschmeichelhafte Übersetzung: geleckter Aal, Wunderheiler und Hansdampf. Es ist erbärmlich, dass bereits 1 Jahr vor der Wahl nur noch auf die Mitte geschielt wird. links und rechts werden mit einem sowohl als auch abgespeist. Die Frage in den Umfragen lautet selten "Wen würden Sie wählen?", sondern "Wer glauben Sie gewinnt?". Der Bürger wird früh darauf getrimmt politisch zu denken(Angriff, Intrige, Strategie) statt seine eigene Meinung zu vertreten. Eigentlich braucht man dann keine Meinungen mehr befragen, sondern nur noch die Spendenstatistiken zu veröfflichen.
fritzyoski 24.07.2007
Erstmal sollte klar gestellt werden das Hillary Clinton damals fuer den Irak Krieg gestimmt hat. Warum? Weil es damals als patriotisch galt fuer den Krieg zu sein. Jetzt hat sich die Meinung im Lande geaendert und somit auch die [...]
Erstmal sollte klar gestellt werden das Hillary Clinton damals fuer den Irak Krieg gestimmt hat. Warum? Weil es damals als patriotisch galt fuer den Krieg zu sein. Jetzt hat sich die Meinung im Lande geaendert und somit auch die Meinung der Hillary Clinton. Insgesamt gesehen ist sie nicht besonders beliebt, besonders nicht bei neutralen Waehlern der Mitte. Sieht mal wieder so aus als ob die Republikaner das Rennen machen werden. Keine Angst, da gibt es auch qualifizierte Leute. Das sind nicht alles Clonen von George Bush.
mutzursache 24.07.2007
Ich halte Hillary Clinton für zu demokratisch als, dass sie in den USA tatsächlich ins Weiße Haus ziehen könnte. Sollte Sie es dennoch, wird sie hoffentlich nicht lange bleiben, denn sie äußert sich konsequent zu nichts wirklich [...]
Ich halte Hillary Clinton für zu demokratisch als, dass sie in den USA tatsächlich ins Weiße Haus ziehen könnte. Sollte Sie es dennoch, wird sie hoffentlich nicht lange bleiben, denn sie äußert sich konsequent zu nichts wirklich konkret. Das lässt den Schluss zu, dass sie von allen Kandidaten diejenige ist, die aber auch gar keinen Blick in die Zukunft zulässt. Aber als Wähler, zumindest hier in Deutschland, will man doch gerade so genau wie möglich wissen worauf man sich einlässt? Farbloses Gewäsch, bietet den USA keine Perspektive. Edwards hingegen scheint mir zu krass, vielleicht spekuliert er längst nicht mehr auf den Thron, sondern auf einen anderen Platz, der ihm ein gutes Einkommen verspricht - vielleicht als Verteidigungsminister. Obama, dagegen, scheint mir viel eher ein akzeptables Mittelmaß zu bieten. Doch seine Umfragewerte können das nicht bestätigen. Seine pathetischen und heroischen Formulierungen passen eher zum theatralischen und symbolvernarrten Durchschnittsamerikaner. Vielen Dank der Nachfrage..... sapere aude!
cyrano 24.07.2007
Genau, feiern wir eine weitere Politikerin, die keine Meinung vertritt, sondern Richtungen folgt und sich nach dem Windchen dreht. Die Frage ist aber, wie lange man dieses Spiel denn spielen kann. Bis zur Wahl viel sagen und [...]
Zitat von sysopHillary Clinton auf dem Weg ins Weiße Haus: Den ersten großen Schlagabtausch mit ihren sieben männlichen Konkurrenten hat die demokratische Präsidentschaftskandidatin klar für sich entschieden. Ihr Auftreten bei der Youtube-Fragerunde war vor allem auch ein Sieg ihrer Kampagnenmanager. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,496131,00.html
Genau, feiern wir eine weitere Politikerin, die keine Meinung vertritt, sondern Richtungen folgt und sich nach dem Windchen dreht. Die Frage ist aber, wie lange man dieses Spiel denn spielen kann. Bis zur Wahl viel sagen und gleichzeitig nichts meinen. Irgendwann bemerkt ja der dümmste noch dieses Spiel. Bevor jemand sagt, typisch USA, erinnere ich an unsere Bundeskanzlerin. Die wird auch gefeiert für alles und ehrlich gesagt weiß niemand genau wofür. Ein G8-Gipfel, welches überhaupt keine Ergebnisse bringt. Und was sieht/liest man. Sie war efolgreich. Der EU-Gipfel, bei dem man bereits beschlossene Sachen noch runterhandeln lässt und was sieht man. Sie war erfolgreich. Auch der Spiegel feiert dies ohne aber wirklich zu wissen was da errungen wurde. So gesehen ist dieser Kudos vor Hillary Clinton und ihren "Manchurian"-Leuten nur folgerichtig.
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