Bagdad/Washington/New York - Das politische Amerika dreht sich in der Debatte um einen Truppenrückzug aus dem Irak im Kreis - nicht so Präsident Bushs Oberkommando am Golf. Es hat der "New York Times" zufolge einen detaillierten Strategieplan für die kommenden zwei Jahre im Krisengebiet ausgearbeitet. Mit dem vertraulichen Papier setzt sich die Militärführung demnach das Ziel, bis zum Sommer 2008 die Sicherheit an Brennpunkten wie der Hauptstadt Bagdad wiederherzustellen. Im Laufe eines weiteren Jahres soll das gesamte Land stabilisiert werden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungsvertreter, die mit dem Plan vertraut sind.
Sicherheit für Bagdad, dann für den ganzen Irak: US-Soldaten stellen in der Hauptstadt einen Mann
Bush hatte im Januar entschieden, Tausende zusätzliche Soldaten in den Irak zu schicken. Die Truppenverstärkung korrigierte die bis dahin geltende Strategie, die Verantwortung für die Sicherheit in zunehmendem Maße an irakische Kräfte zu übertragen. Stattdessen wollten die USA die eigenen Bemühungen für mehr Stabilität intensivieren, um der irakischen Regierung mehr Spielraum für den politischen Versöhnungsprozess zu verschaffen.
Das jüngste Planspiel für die kommenden zwei Jahre nennt keine expliziten Zahlen zur Truppenstärke oder mögliche Abzugstermine. Stattdessen geht das US-Militär in dem Papier von einer Reduzierung der Streitkräfte aus, sobald die vorübergehende Verstärkung der Truppen zum Jahresende oder im Frühjahr 2008 Wirkung gezeigt habe. Erwartet wird aber weiter, dass US-Soldaten auf längere Sicht irakische Sicherheitskräfte ausbilden und diese im Kampf gegen Terroristen unterstützen, sagten Regierungsvertreter der "New York Times".
Ehrgeizige Ziele
Angesichts des jüngst veröffentlichten Zwischenberichts der US-Regierung zum Irak erscheinen die im Geheimpapier genannten Ziele durchaus ehrgeizig. Vor zehn Tagen hatte das Weiße Haus dem Kongress eine durchwachsene Lageeinschätzung vorgelegt. Danach gab es nur bei acht von insgesamt 18 militärischen und politischen Zielen zur Stabilisierung des Landes Fortschritte. Besonders der irakischen Führung stellte Washington schlechte Noten aus. Im September will die US-Regierung erneut Bericht erstatten. Präsident Bush hatte wegen immer stärkeren Forderungen nach einem raschen Truppenabzug auch aus den eigenen Reihen zuletzt mehr Geduld eingefordert.
In einer ersten Phase will das US-Militär laut dem nun bekannt gewordenen Plan in Bagdad und anderen Regionen "ortsgebundene Sicherheit" schaffen - und zwar bis spätestens Juni 2008. Dafür will man auf lokaler Ebene verschiedene Gruppen, darunter auch ehemalige Aufständische, politisch einander annähern, während die irakische Regierung den nationalen Versöhnungsprozess vorantreibt. Im weiteren Verlauf sollen die kommunalpolitischen Gliederungen zunehmend miteinander verknüpft werden, um den Irak bis zum Juni 2009 auch landesweit zu stabilisieren.
Dass der Plan funktioniert, darüber ist man sich auch diesmal nicht sicher: Militärvertreter wiesen in der "New York Times" darauf hin, dass die Strategie gegebenenfalls überarbeitet werden muss. "Ziel der Truppenverstärkung war es, dem irakischen Volk Stabilität und Sicherheit zu bringen, vor allem in Bagdad, weil hier das politische Herz des Landes schlägt", sagte Colonel Peter Mansoor, ausführender Stabsoffizier von General Petraeus. So sollten die Iraker ausreichend Zeit haben, sich auszusöhnen.
Falls sich die irakische Regierung und die verschiedenen religiösen Gruppen jedoch nicht auf eine Verteilung von Macht und Ressourcen einigen und die Gewalt beenden können, "dann ist die Grundannahme, auf der die Truppenverstärkung basierte, nicht länger gültig - und wir müssen die Strategie überprüfen", sagte Mansoor.
phw
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