Kabul/Berlin - Taliban-Kämpfer haben offenbar eine ihrer Geiseln brutal hingerichtet: Die afghanische Polizei barg heute die von Kugeln durchsiebte Leiche eines entführten Südkoreaners. Der Leichnam weist laut Polizei zehn Einschüsse in Kopf, Brust und Bauch auf. Ein mutmaßlicher Taliban-Sprecher hatte vor dem Leichenfund in der Provinz Ghasni im Bezirk Karabach erklärt, eine der 23 Geiseln sei getötet worden, weil die Forderung nach Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen nicht erfüllt worden sei.
"Da die Regierung in Kabul unsere Forderung ignorierte und unsere Gefangenen nicht freiließ, haben die Taliban eine männliche koreanische Geisel erschossen", sagte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jussuf Ahmadi der Nachrichtenagentur Reuters. Sollte die Forderung bis um 1 Uhr am Donnerstag (Ortszeit) nicht erfüllt werden, würden die restlichen Koreaner getötet. "Das ist die letzte Frist", sagte Ahmadi.
Taliban-Erklärungen gelten als nicht zuverlässig. Zwar bestätigten Regierungs- und Polizeivertreter den Leichenfund. Ein Polizeisprecher berichtete aber auch, die geschwächte Geisel sei möglicherweise getötet worden, weil sie nicht mehr habe laufen können.
Im Kontrast zu der Ermordung stand eine Meldung der südkoranischen Nachrichtenagentur Yonhap. Diese berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, acht der Verschleppten seien auf freien Fuß gesetzt worden und würden zu einem US-Militärstützpunkt in Ghasni gebracht. Westliche Kreise bestätigten, dass einige der Geiseln freigelassen wurden. Eine genaue Zahl nannten sie nicht. Aus afghanischen Kreisen hatte es zuvor geheißen, für die Freilassung von acht der Geiseln würde eine hohe Geldsumme gezahlt.
Ein afghanischer Provinzgouverneur widersprach den Berichten über die Freilassung. Keine der Geiseln sei frei, sagte Mehrajuddin Patan, Gouverneur der südlichen Provinz Ghasni, in der die Koreaner vor einer Woche entführt wurden. Nach Angaben örtlicher Behörden forderten die Kidnapper zuletzt Geld für die Freilassung. Zunächst hatten sie verlangt, dass im Austausch gegen die 23 Südkoreaner 23 inhaftierte Taliban auf freien Fuß gesetzt werden sollten.
phw/AP/Reuters/dpa
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