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28.07.2007
 

Foltervorwürfe gegen Libyen

"Manchmal dachte ich, es wäre besser zu sterben"

An Seilen aufgehängt, mit Stromschlägen traktiert, immer wieder gequält: Die bulgarischen Krankenschwestern und der Arzt berichten jetzt im Detail von schwerer Folter während ihrer Haft in Libyen. Manchmal habe sie sich den Tod gewünscht, sagt Sneschana Dimitrowa.

Berlin/Amsterdam - Nach dem palästinensisch-bulgarischen Arzt hat am Samstag auch eine der fünf freigekommenen bulgarischen Krankenschwestern schwere Foltervorwürfe gegen Libyen erhoben. "Am schwersten waren die ersten drei Monate. Wir sind gefoltert worden", sagte Sneschana Dimitrowa der "Berliner Zeitung". "Wenn du an Füßen und Händen an einem Seil hängst, sie dir den Körper auseinanderreißen, dann (...) manchmal dachte ich, dass es besser wäre, zu sterben. Damit das ein Ende hat."

Mehrmals hätten ihre Peiniger versucht, Hunde der Polizeischule auf sie zu hetzen. Am stärksten sei der Arzt Aschraf Dschuma Hadschudsch gefoltert worden: "Aschraf war am schlimmsten dran", sagte Dimitrowa, "den haben sie neun Monate gefoltert, auch mit Strom."

Erst nach drei Monaten seien alle Beschuldigten aus der Isolationshaft in Tripolis in ein Gefängnis in Benghasi überstellt worden. Dort habe sie die anderen wiedergetroffen. Miteinander sprechen durften sie im ersten Jahr nach ihrer Festnahme 1999 allerdings ebenso wenig wie mit den Diplomaten, die sie besuchten. "Immer die Zähne zusammenbeißen, schweigen, alles hinnehmen", sagte Dimitrowa. Anders als ihre Leidensgefährten legte sie unter der Folter kein Geständnis ab: "Lieber sterbe ich mit reinem Gewissen und Ehre vor meinen Kindern, als etwas zu gestehen, was ich nicht getan habe. Das bricht einem doch das Rückgrat." Zugleich äußerte sie Verständnis für die anderen.

Zuvor hatte schon der Arzt Hadschudsch von Folter durch Elektroschocks, Schläge und Schlafentzug in libyscher Haft berichtet. Er sei gezwungen worden, eine Erklärung zu unterschreiben, wonach er in der Gefangenschaft gut behandelt worden sei, sagte der 39-Jährige im niederländischen Fernsehen.

Er und die fünf Krankenschwestern waren 2004 zum Tode verurteilt worden, weil die libysche Justiz es als erwiesen ansah, dass sie mehr als 400 Kinder in einem Krankenhaus in Benghasi vorsätzlich mit dem HI-Virus infiziert hatten. Nach langen Verhandlungen wurde die Todesstrafe in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt, so dass die sechs aus Libyen ausreisen durften. Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Bulgarien wurden sie begnadigt.

Tschechien, Katar und Bulgarien zahlten an Libyens Fonds

Die Begnadigung sorgt in Tripolis für Ärger: Libyens Außenminister Abd al-Rahman Schalgam warf der bulgarischen Regierung "Verrat" und Vertragsbruch vor.

Libyen hatte zuvor Einzelheiten zu den Verhandlungen um die Freilassung der Krankenschwestern und des Arztes bekanntgeben. Ministerpräsident Baghdadi Ali Mahmudi teilte mit, dass unter anderem Tschechien, Katar und Bulgarien in den Fonds einzahlten, aus dem die Familien der HIV-infizierten Kinder eine finanzielle Unterstützung erhalten. Frankreich habe außerdem zugesagt, dem Krankenhaus in Benghasi mit Ausrüstung zu helfen und etwa 50 libysche Ärzte auszubilden, sagte al-Mahmudi weiter.

Der Fonds Benghasi International hat an die Familien betroffener Kinder insgesamt 460 Millionen Dollar Entschädigung gezahlt. Nach Angaben des Fonds wurde die Zahlung wiederum durch ein Darlehen finanziert. Dieses solle zurückgezahlt werden, sobald Geldgeber auf freiwilliger Basis ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt hätten. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge Zusagen über 477 Millionen Dollar. Die Mittel würden aus 31 verschiedenen Quellen stammen, darunter Libyen.

Die EU hat erklärt, Zahlungen ihrer Mitgliedsländer an den Fonds für die libyschen Kinder seien rein freiwillige Spenden. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zufolge hat die EU keinerlei Geld für die Freilassung der Krankenhausmitarbeiter gezahlt. Die EU vereinbarte jedoch im Gegenzug für die Freilassung engere Beziehungen zu Libyen.

hen/AFP/dpa/Reuters

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