Von Andreas Lorenz, Peking
Schikanen, Einschüchterungen, Drohungen, Verwarnungen und in manchen Fällen sogar Gewalt: Das erleben viele ausländische Journalisten, ihre Mitarbeiter und Gesprächspartner in China ein Jahr vor den Olympischen Spielen. Nach einer heute veröffentlichten Umfrage des Klubs der Ausländischen Korrespondenten (FCCC) unter seinen Mitgliedern wurden seit Januar rund 40 Prozent der Befragten ein Mal oder mehrere Male bei ihrer Arbeit behindert.
Das Außenministerium verwarnte im ersten Halbjahr 2007 insgesamt elf Journalisten, unter anderem wegen eines Interviews mit dem taiwanischen Präsidenten Chen Shui-bian.
Die Bedingungen für Journalisten in China entsprächen nicht "internationalen Standards", befanden fast alle Teilnehmer der Umfrage. Das Resultat ist beunruhigend, weil die chinesische Regierung vor der Vergabe der Olympischen Spiele nach Peking "völlige Freiheit der Berichterstattung" zugesagt hatte. Die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer ist der Meinung, dass Peking dieses Versprechen bislang nicht einhält.
"Wir sind besonders über die vielen Berichte von Einschüchterungsversuchen gegen Informanten besorgt", erklärte FCCC-Präsidentin Melinda Liu, Korrespondentin des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek". "Eine Nation, in der Bürger, die mit ausländischen Korrespondenten reden, Drohungen, Repressalien und sogar körperlichen Schaden riskieren, erfüllt nicht die Erwartungen der Welt an einen olympischen Gastgeber."
Anfang des Jahres hatte die chinesische Regierung die Regeln für ausländische Korrespondenten und Gast-Journalisten im Hinblick auf die Olympischen Spiele gelockert: Sie müssen ihre Recherchen nicht mehr von den Behörden genehmigen lassen. Dies gilt jedoch nicht für das autonome Gebiet Tibet.
Vor allem Provinzfunktionäre kennen die gelockerten Vorschriften nicht oder ignorieren sie, wie die FCCC-Umfrage zeigt. 43 Prozent der befragten Journalisten schätzten ihre Arbeitsbedingungen allerdings besser ein als früher. "Wir begrüßen die Fortschritte", erklärte Liu. Die chinesische Regierung sollte sich aber stärker bemühen, die Behinderungen der Medien und die Einschüchterung von Informanten zu unterbinden.
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