Von Barbara Hans
Die Zeichnungen sind aus Sicht der Organisation von besonderer Bedeutung, weil sie authentisch und somit glaubwürdig seien. Die Gefahr, dass die Kinder durch Geschichten von Erwachsenen, Hörensagen oder Hirngespinste beeinflusst sein könnten, sieht Tinsley nicht: "Die Kinder sind so unschuldig. Sie haben gemalt, was sie am meisten beschäftigt." Und dass man der Organisation unterstellen könnte, die Kinder manipuliert zu haben - auch das weist sie zurück. "Die Jungen und Mädchen haben kein Fernsehen und auch kein Radio", sagt die Journalistin, die selbst viele Male nach Afrika gereist ist. Die Eindrücke der Kinder seien "unverfälscht". Niemand sei daran interessiert, ihre Situation noch schlimmer zu machen, als sie ohnehin ist. Die Menschen in Darfur seien schwer traumatisiert. Achtjährige hätten ihr ebenso wie 50-Jährige von Vergewaltigungen und Verstümmlungen berichtet, sagt Tinsley.
Skepsis über den Uno-Einsatz
In Darfur im Westen des Sudan kämpfen seit mehr als vier Jahren Rebellengruppen gegen die Dschandschawid, arabische Milizen, die der islamistischen Regierung des Sudan nahestehen. Die Dschandschawid werden beschuldigt, schwere Menschenrechtsverletzungen an der nichtarabischen Bevölkerung begangen zu haben. Bei den Unruhen in der Region sind bisher schätzungsweise 200.000 Menschen getötet worden, rund 2,1 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Zwar hat der Uno-Sicherheitsrat jetzt nach zähen Verhandlungen den Einsatz von 26.000 Soldaten und Polizisten in Darfur beschlossen - allerdings umfasst das Mandat nicht die Entwaffnung der Milizen. Außerdem können China und Russland weiter Waffen an den Sudan liefern. Viele Experten sind skeptisch, wie erfolgreich eine solche Mission sein kann.
"Khartum spielt auf Zeit und taktiert", sagt Tinsley. Die Regierung wisse, dass die Forderung unrealistisch ist, vorwiegend Soldaten der Afrikanischen Union (AU) einzusetzen - was den gesamten Einsatz verzögert. "Seit 20 Jahren agiert die Regierung auf diese Weise. Sie führt die internationale Gemeinschaft an der Nase herum." Mit immer neuen Schikanen würden internationale Experten, Hilfsorganisationen und Journalisten aus dem Land gehalten: "Eines lehrt die Geschichte - wenn Sie einen Völkermord planen, müssen sie erst die Presse aus dem Land schaffen." Tinsley fordert ein Flugverbot über der Krisenregion, um den Abwurf von Bomben zu verhindern, außerdem das Einfrieren von Geldern und Einreiseverbote in westliche Länder. Das treffe die Regierung "da, wo es weh tut": bei ihrem luxuriösen Lebensstil, bei ihren Einkaufsreisen nach Paris.
Das derzeitige Verhalten der Weltgemeinschaft findet Tinsley "bizarr": "In der sudanesischen Regierung sitzen die Architekten des Völkermords. Wie kann man da glauben, dass sie zu Partnern in Friedenszeiten werden?" Eine Frau in Darfur habe zu ihr gesagt: "Es ist nett, dass Ihr uns all das Essen schickt. Aber wir sind Afrikaner, wir sind das Hungern gewohnt. Was wir wirklich wollen, ist, dass ihr die Milizen entwaffnet."
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