Hiroshima - "Ich erneuere mein Versprechen, die wesentlichen Prinzipien gegen Atomwaffen einzuhalten", sagte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. Dazu gehören der Verzicht auf die Herstellung, den Besitz und die Stationierung von Atomwaffen.
Konservative Berater des Regierungschefs hatten im vergangenen Jahr angeregt, diese Politik zu überdenken. Damit reagierten sie auf einen erfolgreichen Atombombentest Nordkoreas. Abe war im September mit der erklärten Absicht angetreten, die pazifistische Verfassung Japans neu zu schreiben. Die Umfragewerte des Regierungschefs sind allerdings nach einer Reihe von Skandalen im Keller und erreichten am heutigen Montag ein historisches Tief.
Die Vorstellung, auf die Anti-Atomwaffenpolitik zu verzichten, ist nicht nur für die Bewohner von Hiroshima undenkbar, sondern auch für die Einwohner von Nagasaki, der zweiten mit Atombomben angegriffenen Stadt. Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba kritisierte heute die Atommächte und vor allem die USA wegen ihrer Aufrüstung mit Atomwaffen. "Die Menschheit muss immer noch ihre Zerstörung fürchten, weil überholte Politiker der Realität der Atombombe und der Botschaft der Überlebenden den Rücken kehren", sagte Akiba. Die japanische Regierung solle an ihrer pazifistischen Verfassung festhalten und nicht der falschen US-Politik nacheifern, sagte Akiba. Die Regierung müsse "Nein sagen zur Politik der USA, die überholt und ein Fehler ist".
Zehntausende Menschen haben heute im japanischen Hiroshima der Opfer des Atombombenabwurfs vor 62 Jahren gedacht. Rund 45.000 Menschen versammelten sich in der Stadt im Westen Japans. Um 8.15 Uhr - der Uhrzeit des Bombenabwurfs - legten die Trauernden eine Schweigeminute ein, die Friedensglocke läutete. Bei der Tragödie wurden 140.000 Menschen getötet. An den Folgen des Abwurfs der Atombombe durch die USA am 6. August 1945 auf Hiroshima starben bis heute mehr als 250.000 Menschen.
Am 9. August warfen die USA eine zweite Atombombe ab, diesmal auf die japanische Stadt Nagasaki. Sechs Tage nach diesem Abwurf kapitulierte Japan im Zweiten Weltkrieg. Seitdem ist das Land einer der treuesten Verbündeten der USA. 40.000 US-Soldaten sind auf japanischem Gebiet stationiert. Einsätze japanischer Soldaten bei internationalen Missionen sind aber durch die pazifistische Verfassung des Landes fast nicht möglich.
Bereits gestern hatte sich Abe für die umstrittenen Äußerungen seines früheren Verteidigungsministers entschuldigt. Fumio Kyuma hatte erklärt, die Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki durch die USA sei "unvermeidbar" gewesen, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Er musste nach massiver Kritik an seinen Bemerkungen zurücktreten.
fba/AFP/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH