Aus Ames, Iowa, berichtet Marc Pitzke
Das größte Festzelt hat natürlich der reichste Kandidat hier: Mitt Romney, der schöne Ex-Gouverneur von Massachusetts. In bester Lage, direkt neben dem Auditorium, wofür Romney auch 25.000 Dollar Platzmiete zahlt. Die anderen Kandidaten zahlen 20.000 oder 15.000 Dollar. Es gibt lange Biertische, eine Kletterwand und Rutschbahnen für die Kleinen. Bei so viel Spaß vergisst man schnell, dass Alan Fabian, Romneys Co-Finanzchef, gerade erst wegen Geldwäsche und Konkursbetrug angeklagt wurde und zurückgetreten ist.
Auch die anderen Kandidaten lassen sich nicht lumpen. Duncan Hunter, der aussichtslose Ex-Abgeordnete aus San Diego, lädt zum Country-Picknick, mit Strohballen, Luftballons und einer echten Eismaschine von 1915. "Wir wollen die Erwartungen nicht zu hoch stecken", sagt er. "Für uns ist das der Beginn eines Marathons." Seine Frau Lynne, im feschen Cowboy-Hut, sieht's pragmatischer. "Ich glaube nicht, dass das hier so wichtig ist, wie die Leute denken", sagt sie. "Aber wir vergnügen uns prächtig."
Mike Huckabee, Arkansas samtzüngiger Ex-Gouverneur, hat einen Sattelschlepper mit Huckabee-Schildern tapeziert und greift in die E-Gitarre, flankiert von einem Elvis-Imitator. Senator Sam Brownback lockt mit dem einzigen klimatisierten Zelt und einem Überraschungsgast, dem Schauspieler Stephen Baldwin ("seine Überzeugungen ruhen im Glauben"). John Cox verlost einen Urlaub im kalifornischen Resort Rancho Valencia Villas.
Dazwischen tummeln sich Nicht-Kandidaten mit diversen Agendas. Newt Gingrich signiert seinen Bürgerkriegs-Roman "Gettysburg" und disqualifiziert, wenn immer er ein Mikrofon sieht, alle Kandidaten pauschal: "Wir brauchen neue Ideen." Der Mormone Stephen Stone ist mit seinen drei Söhnen Ethan, 26, Ellery, 23, und Callan, 16, aus Salt Lake City angereist, um für eine Kandidatur des schwarzen Radio-Talkers Alan Keyes zu trommeln, der sich 2000 gut gegen Bush und McCain behauptet hatte: "Alan ist die großartigste öffentliche Figur dieser Generation", sagt Stone. Und der Psychiater Hugh Cort aus Alabama informiert alle, die sich interessieren, dass auch er kandidiere, und zwar, um die USA vor dem nuklearen Holocaust zu bewahren: "Ich bin ein international anerkannter Anti-Terror-Experte."
Eine Mauer zu Mexiko
Zum Schluss schwingen die offiziellen Kandidaten im Auditorium noch mal Reden, die irgendwie alle gleich klingen. Gott, Waffen, Abtreibung, Schwulen-Ehe, Immigranten - alle Ur-Instinkte der Basis werden bedient. Romney verteufelt "Porno-Schmutz", der ultrarechte Abgeordnete Tom Tancredo will eine Mauer zu Mexiko bauen, Cox empfiehlt sich als "Anti-Hillary", Ex-Gouverneur Tommy Thompson erneuert sein beliebtes Wahlversprechen, bis 2015 den Brustkrebs abzuschaffen. Und Ron Paul lässt sich nichts davon anmerken, dass seine Frau Carol mit einer Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Ach ja, das Stimmergebnis. Romney gewinnt erwartungsgemäß, mit 4516 Stimmen (32 Prozent). Huckabee ergattert sich einen überraschenden zweiten Platz, gefolgt von Brownback, Tancredo und, ja, Dr. Ron Paul. John Cox, der Geschäftsmann, ist mit 41 Stimmen weit abgeschlagenes Schlusslicht.
Das Resultat verzögert sich um eineinhalb Stunden. Ein Wahlautomat streikt, weshalb 1500 Stimmen per Hand ausgezählt werden müssen. Insofern ist die Iowa Straw Poll am Ende dann doch einigermaßen repräsentativ.
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