Von Philipp Wittrock
Und so melden sich auch in den USA selbst führende Abgeordnete zu Wort, denen die Sanktionen gegen Iran normalerweise nicht scharf genug sein können. Der Demokrat Tom Lantos, Chef des Außenausschusses im Repräsentantenhaus begrüßte in der "Washington Post" zwar das Vorhaben der Regierung, weil sich ausländische Banken nun zweimal überlegen würden, ob sie mit Unternehmen Geschäfte machen, die Verbindungen zu den Revolutionsgarden pflegen. Zugleich mahnte Lantos jedoch, nicht die diplomatische Bühne zu verlassen: Die USA seien "weit davon entfernt, alle friedlichen Optionen ausgeschöpft zu haben, um die iranische Führung auf den richtigen Weg zu bringen". Jedes Gerede von einer militärischen Intervention sei daher unklug und werde weder vom Kongress noch dem amerikanischen Volk unterstützt.
Möglicherweise will die US-Regierung mit dem Vorgehen gegen die Pasdaran auch gerade jene Hardliner in der Administration beschwichtigen, die lieber heute als morgen einen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen sehen würden. Denn der diplomatische Stillstand im Streit um das Nuklearprogramm frustriert immer mehr Regierungsvertreter.
Zwar hat der Uno-Sicherheitsrat bereits im vergangenen Jahr Sanktionen gegen eine Reihe von Unternehmen verhängt, die mit dem Atomprogramm zu tun haben, um Iran für seine fortgesetzte Urananreicherung zu bestrafen - einige der Firmen auch mit Verbindungen zu Revolutionsgarden. Diese Maßnahmen verpufften bislang allerdings weitgehend, stattdessen meldet Teheran regelmäßig wenn auch kaum überprüfbare Fortschritte beim Zentrifugenbau.
Daher drängen die USA schon lange auf schärfere Sanktionen. Doch auch bei neuen Verhandlungen im September in New York dürften sich China und Russland wieder querstellen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Washington mit dem neuerlichen Alleingang in Sachen Revolutionsgarden den Druck in der internationalen Iran-Debatte zu erhöhen versucht. Dass die Terrorliste nicht schon jetzt um die Elitekämpfer ergänzt wurde, sondern zunächst der Plan lanciert wurde, könnte darauf hindeuten, dass man die endgültige Entscheidung von den neuen Verhandlungen in der Uno abhängig macht.
Iran spricht von "wertloser Propaganda"
Die Revolutionsgarden selbst zeigten sich von der Drohgebärde aus Washington einstweilen unberührt und warnten die USA vor Militäraktionen. Der Kommandeur der Elitetruppe, Jahja Rahim Safawi, betonte, sein Land sei gegen Angriffe gewappnet. "Wir haben Boden-Luft-Raketensysteme, die die Länge und die Breite des Persischen Golfs sowie des Golfs von Oman abdecken", sagte er dem Sender Dscham-e Dscham. Die Revolutionsgarden verfügten über modernste Ausrüstung, darunter Artillerie, die Panzer der USA und Israels zerstören könnten.
Iran sei jedoch an Frieden in der Region interessiert und setze auf eine defensive Strategie, betonte Safawi. Mit Blick auf die USA sagte er, die Revolutionsgarden hätten ihre Strategie geändert. Sie bestehe nun darin, "Mächten außerhalb der Region" entgegenzutreten.
Im iranischen Außenministerium tat man das Vorhaben der USA als "wertlose Propaganda" ab. Ein solcher Schritt sei gegen alle rechtlichen Vorschriften, sagte ein Beamter der Behörde der iranischen Nachrichtenagentur ISNA.
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