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23.08.2007
 

Irak-Krieg

Bushs Vietnam-Vergleich empört Demokraten und Ex-Militärs

Mit einem Vergleich zwischen Irak und Vietnam wollte George W. Bush zum Durchhalten im Krieg am Persischen Golf ermahnen. Doch die präsidiale Logik weckt den Zorn von Demokraten und Ex-Militärs: Sie werfen Bush Geschichtsklitterung vor.

Washington/Bagdad - Bushs Vergleich zwischen dem Irak- und dem Vietnam-Krieg ist in den USA auf scharfe Kritik gestoßen. Der frühere demokratische Präsidentschaftskandidat und Senator John Kerry warf Bush Geschichtsklitterung und eine "übertriebene Vereinfachung" vor. Senator Edward Kennedy sagte: "Der Präsident zieht falsche Lehren aus der Geschichte."

US-Präsident Bush bei Kriegsveteranen: "Der Charakter des Kampfes ist unverändert"
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REUTERS

US-Präsident Bush bei Kriegsveteranen: "Der Charakter des Kampfes ist unverändert"

Bush hatte mit den Parallelen zwischen dem Irak, dem Zweiten Weltkrieg und Vietnam seine Warnung vor einem verfrühten Abzug der US-Truppen aus dem Irak begründet. "Japans Militaristen und die Kommunisten in Korea und Vietnam waren von einer gnadenlosen Vision getrieben, wie die Menschheit zu funktionieren hat", sagte Bush vor US-Kriegsveteranen in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri. Amerikaner seien getötet worden, weil sie sich gegen diese Ideologien stemmten.

Der US-Rückzug in Vietnam sei mit dem Leben Millionen unschuldiger Vietnamesen, den Flüchtlingsströmen der "boat people", Umerziehungslagern und dem blutigen Regime der Roten Khmer in Kambodscha bezahlt worden. "Heute sind es andere Namen und Orte, aber der fundamentale Charakter des Kampfes ist unverändert", sagte Bush.

Die Verwendung der "Tragödie Vietnams, um die gescheiterte Politik im Irak zu verteidigen, ist unverantwortlich und ignorant gegenüber den Realitäten beider Kriege", empörte sich Senator Kerry. Der Vietnam-Veteran kritisierte vor allem Bushs Vergleich zwischen den US-Erfolgen beim Aufbau einer funktionstüchtigen Demokratie in Japan sowie dem Einsatz im Irak. Bush habe dabei übersehen, dass Japan damals nicht, wie der Irak heute, mit internen Konflikten zu kämpfen hatte. "Wenn der Präsident die Lehren aus Vietnam beherzigen will, dann sollte er den Kurs ändern und zwar jetzt", sagte Kerry.

Senator Edward Kennedy kritisierte Bushs Vergleich zwischen dem Angriff der Japaner auf den US-Stützpunkt in Pearl Harbor 1941 und den Anschlägen von al-Qaida auf das World Trade Center im September 2001.

Auch der ehemalige US-Brigadegeneral John Johns bemängelte im "Wall Street Journal" die historischen Interpretationen Bushs. "Was ich von Vietnam gelernt habe, ist, dass die US-Truppen nicht in der Lage waren, die Operation gegen Aufständische zu führen. Je länger wir blieben, desto schlimmer wurde es."

Bush stützt Maliki, Clinton fordert Absetzung

Bush nahm indes seine Kritik am irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki zurück: Der Ministerpräsident sei "ein guter Kerl, ein guter Mann, er hat einen schwierigen Job, und ich unterstütze ihn." Am Vortag hatte der US-Staatschef sich angesichts mangelnder Fortschritte im Irak enttäuscht gezeigt und angedeutet, Maliki könnte schon bald vom irakischen Volk ausgetauscht werden.

Die demokratische Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton dagegen rief das Parlament in Bagdad auf, Maliki abzusetzen. Er sei nicht Herr der Lage und werde seinem Amt nicht gerecht. Irak brauche einen Regierungschef, der das Land vereine, betonte die Senatorin von New York.

Ähnliches steht in einem Bericht der US-Geheimdienste, der heute veröffentlicht werden sollte: Es gebe "ernsthafte Zweifel", dass die Regierung von Maliki die konfessionellen Differenzen im Irak überwinden könne. Die Regierung des schiitischen Regierungschefs steckt seit Monaten in der Krise, da sie nur von einem Teil der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und den Kurden getragen wird.

Terroristen überfallen irakisches Dorf

Bei einem Angriff von rund 200 al-Qaida-Kämpfern und anschließenden Schießereien mit der Polizei und einer sunnitischen Miliz wurden im Ostirak mindestens 23 Menschen getötet. 17 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt, 15 weitere Zivilisten entführt. Die sunnitischen Extremisten hätten drei Häuser in der Region Kanaan 50 Kilometer nordöstlich von Bagdad angegriffen und eine Moschee in die Luft gesprengt. Die Angreifer hatten es nach Polizeiangaben auf die Wohnsitze von zwei arabisch-sunnitischen Scheichs abgesehen, die al-Qaida im Irak bekämpfen.

Unterdessen stieg die Zahl der getöteten Soldaten im Irak weiter. Bei zwei Selbstmordanschlägen im Norden Bagdads starben nach Angaben der US-Armee vier Angehörige der irakischen Truppen, elf US-Soldaten wurden verletzt.

phw/AFP/Reuters/dpa

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