Budapest - Sie traten auf wie Soldaten: Mit schwarzer Uniform und in Reih' und Glied aufgestellt, ließen sich 56 "Gardisten" auf der Budapester Burg direkt vor dem Amtssitz des Staatspräsidenten Laszlo Solyom "vereidigen". Rund 3000 Sympathisanten schauten zu.
Die "Garde" unter der Führung des 29-jährigen Gabor Vona wird verdächtigt, als paramilitärische Gruppierung politische Unruhe stiften zu wollen. Vona selbst sagte, Ziel sei es, die Regierung von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany zu beseitigen. Er rief die "Gardisten" erneut auf, sich im Schießen ausbilden zu lassen.
Die rechtsnationale Oppositionspartei Fidez unter der Führung des Ex-Ministerpräsidenten Viktor Orban (1998-2002) erklärte, Gyurcsany sei schuld an der Gründung der "Garde". Personell war Fidez bei der Vereidigung auf der Rednertribüne durch die Parlamentsabgeordnete Maria Wittner vertreten. Wittner genießt Ansehen, weil sie als Aufständische 1956 während des antikommunistischen Aufstands zum Tode verurteilt worden war.
Gyurcsany hat bereits die Oberste Anklagebehörde des Landes aufgefordert, die "Garde" besonders im Auge zu behalten. Der Jüdische Weltkongress hatte zuvor seine Besorgnis geäußert, weil die Gruppe Symbole der ungarischen Nazis verwendet.
Bei der Vereidigung der ersten Mitglieder wurde eine rot-weiß-rote Flagge gehisst, die der Fahne der Pfeilkreuzler genannten ungarischen Nazis im Zweiten Weltkrieg ähnelt. Auch die Uniformen waren mit rot-weiß-roten Abzeichen versehen.
Bei der Veranstaltung am Samstag war auch der frühere ungarische Verteidigungsminister Lajos Für aus der ersten Regierung nach der Wende (1990-1994) anwesend. Er überreichte jedem "Gardisten" eine Mitgliedsurkunde. Die Fahne der "Garde" wurde von einem katholischen, einem evangelischen und einen reformierten Pfarrer geweiht. Deren Vorgesetzte erklärten später, die Geistlichen hätten ohne Auftrag gehandelt, vermieden es aber, die ganze Veranstaltung zu verurteilen.
Gleichzeitig zu der "Vereidigung" fand eine Gegendemonstration mit mehreren hundert Teilnehmern statt. Jüdische und Roma-Organisationen forderten die Regierung auf, die paramilitärische Gruppe zu verbieten. Sie befürchten ein Wiedererstarken des Rechtsextremismus in Ungarn.
ler/dpa/AFP
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