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Anmache auf Airport-Klo Sex-Vorwurf gegen US-Senator setzt Republikaner unter Druck

2. Teil: Immer wieder wurden in den USA scheinheilige Politiker entlarvt

Wieso aber hat er sich dann des Toilettenflirts schuldig bekannt, schriftlich, unter Anleitung eines Richters, der ihm seine Rechte klar gemacht hatte? "Ich habe überreagiert", sagte Craig. Am Ende gab er der Lokalzeitung "Idaho Statesman" die Schuld, denn die betreibe seit Monaten eine "Hexenjagd" auf ihn. Der Stress deswegen habe ihn zum Geständnis getrieben.

Denn der Homo-Vorwurf ist nichts Neues für den Senator, und der des anonymen Sex auch nicht. Beides verfolgt ihn seit den achtziger Jahren, als er im US-Repräsentantenhaus saß.

Der "Idaho Statesman" hatte sich dann in diesem Frühjahr noch einmal ans mutmaßliche Doppellleben Craigs gemacht, mit einer investigativen Serie. Darin behauptete unter anderem ein 40-jähriger Mann "mit engen Beziehungen zu den Republikanern", er habe in der Union Station, dem Hauptbahnhof Washingtons, Oralverkehr mit Craig gehabt.

Anonymer Sex in öffentlichen Toiletten: Dazu greifen nach Angaben des schwulen Autors Michelangelo Signorile in der Regel Männer, die ihre Homosexualität verbergen, sich ihrer schämen und eine heterosexuelle Fassade leben. "Wer offen zu seinem Schwulsein steht", sagt er, "braucht das nicht heimlich zu tun."

20 Dollar für Sex auf der Parktoilette

Wen stört's, fragt sich der Europäer. Dazu muss man wissen, dass die US-Konservativen - und oft auch die Betroffenen - Homosexualität bis heute als biblische Todsünde verdammen. Die Heuchelei dahinter aber scheint selten jemanden zu stören: Schwul sein, aber schwulenfeindlich tun, weil's politisch opportun ist.

Zum Beispiel der letzte prominente Fall: Ted Haggard. Der TV-Prediger - ein Lieblingspastor der Republikaner, der Gays verteufelte - gestand im November 2006, mehrfach Sex mit einem Callboy gehabt und die Partydroge Crystal Meth genommen zu haben. Er wurde von seiner Kirche verstoßen, unterzog sich einer Verhaltenstherapie und ließ hernach mitteilen, er sei jetzt "komplett heterosexuell".

Oder der Abgeordnete Mark Foley. Foley, der sich für schärfere Gesetze gegen Pornografie und Kinderschänder stark gemacht hatte, ließ sich im Oktober 2006 beim Internet-Sex mit minderjährigen Kongressboten erwischen. Er gab dem Alkohol die Schuld - und einem Priester, der ihn dereinst missbraucht habe.

Der republikanische Landesabgeordnete Bob Allen aus Florida - verheiratet, eine Tochter - bot einem schwarzen Undercover-Cop im Juli in einer Parktoilette 20 Dollar für Sex. Als er in den Streifenwagen gepackt wurde, fragte er Presseberichten zufolge, ob es helfe, dass er Abgeordneter sei. Die Antwort: "Nein."

"Bizarres Spektakel"

Wobei die Republikaner kein Monopol auf Scheinheiligkeit haben. Der demokratische Gouverneur von New Jersey, Jim McGreevey, gab sein Amt (und seine zweite Ehe) 2004 auf, nachdem sein schwuler Ex-Lover an die Presse gegangen war - ein Israeli, der gleichzeitig als McGreeveys Heimatschutzberater fungierte. Immerhin outete sich McGreevey: "Ich bin ein schwuler Amerikaner", deklamierte er, die Noch-Gattin daneben. Und dann veröffentlichte er seine Memoiren, betitelt "Confessions".

Der groteske Auftritt Craigs - der Bill Clinton während des Lewinsky-Skandals als "garstigen, bösen, ungezogenen Jungen" bezeichnet hatte - machte die Sache dagegen gestern nur schlimmer. "Kaum zu glauben", seufzte der Ex-Staatsanwalt Jeffrey Toobin auf CNN. Zu einem ähnlichen Fazit kamen offenbar viele Republikaner, die das "bizarre Spektakel" ("New York Times") am Fernsehen verfolgten. So konnte sich Mitt Romney nicht schnell genug von seinem bisherigen Wahlkampfchef für Idaho distanzieren: "Sehr enttäuschend."

Mit einem zumindest hat Craig Recht. "Ich bin mir sicher", sagte er gestern, bevor er floh, ohne die Fragen der Reporter zu beantworten, "dass diese Sache noch nicht vorbei ist."

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