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14.09.2007
 

Chinas Image-Gau

Höllenjob für Pekings PR-Strategen

Von Andreas Lorenz, Peking

Sklavenhaltung, Plagiatsvorwürfe, giftiges Spielzeug - die jüngsten Skandale haben das Image Chinas als Powerhouse der Weltwirtschaft ein Jahr vor Olympia arg ramponiert. Aber die kommunistische Führung reagiert wie immer: verdrängen, verschweigen - und die Schuld auf andere schieben.

Peking - Mao Zedong nannte die Propaganda-Abteilung der Kommunistischen Partei den "Palast der Hölle", weil sie ein angeblich reaktionäres Theaterstück nicht in Grund und Boden verdammen wollte. Das war kurz vor Beginn der Kulturrevolution 1966.

Heute nennen sich Chinas Propagandafunktionäre "Öffentlichkeitsarbeiter". Einen Höllenjob haben sie immer noch. Würden sie für die PR-Agentur eines Unternehmens arbeiten, hätte man sie wohl schon längst gefeuert.

Der Grund: Chinas Image in der Welt hat stark gelitten. Bei Meinungsumfragen in den USA und in Europa sanken die Sympathiewerte für die Volksrepublik in den vergangenen Wochen deutlich.

Die Serie böser Nachrichten begann, als ausländische Bürgerrechtler unterbezahlte Arbeiter und Kinder entdeckten, die Taschen, Kugelschreiber und Mützen für die Olympischen Spiele herstellten und verpackten.

Sklavenhalter-Staat China?

Kurz darauf brach der Skandal um die Sklavenarbeiter in den Provinzen Shanxi und Henan los. Bilder der ausgelaugten Jungen und Männer, die gerade aus Ziegeleien befreit worden waren, gingen um die Welt. China, so hieß es nun, ist nicht nur ein Olympia-, sondern auch ein Sklavenhalter-Staat.

Inzwischen geraten Zahnpasta, Lebensmittel, Medikamente und Spielwaren aus China immer häufiger ins Visier. Manche sind schmutzig, ungesund oder unwirksam, einige sogar tödlich. Das US-Unternehmen Mattel rief mittlerweile Millionen von Spielzeugautos und Barbie-Puppen aus China zurück, weil sie mit verbleiter Farbe angemalt oder auf andere Weise für Kinder gefährlich waren. Als in Deutschland und Russland chinesische Exportautos geprüft wurden, falteten sie sich beim Aufpralltest zusammen wie eine Ziehharmonika.

Probleme mit chinesischen Importen hatten nicht nur Amerikaner und Europäer, sondern auch die asiatischen Nachbarn. Indonesische Prüfer entdeckten Blei in chinesischem Make-up, giftige Chemie in getrockneten Früchten, krebsauslösende Stoffe in Bonbons. Auf den Philippinen waren es mit Formaldehyd getränkte Süßigkeiten der Marke "Weißes Kaninchen", in Malaysia mit Pilzen verseuchte Nüsse.

Mangelnde Kontrolle

Nicht immer allerdings liegt die Schuld allein bei den Chinesen. Manche Spielzeugfabrikanten, Zahnpasta- und Pillenimporteure, die nun laut auf China schimpfen, haben es versäumt, die Qualität zu kontrollieren oder die beanstandeten Spielzeuge sogar selbst fehlerhaft entworfen.

Ohne Zweifel: Die Welt blickt aufmerksamer als früher auf China und darauf, was aus China herauskommt. Und sie lässt sich nicht mehr alles gefallen. Verflogen ist die Zeit des grenzenlosen Staunens darüber, wie die Kommunistische Partei kapitalistische Hochleistungen vollbringt. Nun gewinnt jedes Ereignis in China besonderes Gewicht.

Ein Grund dafür sind die Olympischen Spiele, die am 8. August 2008 in Peking beginnen werden. "China bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor und die Welt wird in einem Maße auf China schauen, wie es in vielen Jahren nicht der Fall war", teilte Kanzlerin Angela Merkel auf ihrem jüngsten Peking-Besuch im August ihren chinesischen Gastgebern mit.

Pekings Diktatoren hatten ursprünglich gehofft, sich mit den Olympischen Spielen der Welt freundlich und organisationsstark zu präsentieren, sie zu bezaubern mit dem Charme eines exotischen Reiches. Nun wird den KP-Funktionären klar, dass sie auf dem Prüfstand stehen, seitdem sie sich um die olympischen Wettkämpfe bewarben.

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