Von Marc Pitzke, New York
Von seinem Hauptquartier im US-Bundesstaat North Carolina aus verfolgt Blackwater nach eigenen Angaben die ehrenvolle Mission, mit seinen Leuten "Sicherheit, Frieden, Freiheit und Demokratie überall zu unterstützen". Das war anfangs nicht gerade von Erfolg gekrönt.
Dann kam der 11. September 2001. "Ich war langsam etwas zynisch geworden, wie ernst die Leute Sicherheit nehmen", sagte Prince dem konservativen Nachrichtensender Fox News kurz nach den Qaida-Anschlägen. "Doch jetzt hört das Telefon gar nicht mehr auf zu klingeln."
Unter den Anrufern: die CIA, das US-Außenministerium, das Pentagon. Bald hatte sich Blackwater - oft ohne jeden Wettbewerb - Regierungsaufträge über fast eine Milliarde Dollar gesichert. Sein Stützpunkt in den Marschen North Carolinas wucherte bald zur größten privaten Militärbasis der Welt, mit Schießbahnen, Geisterstädten, einem künstlichen See und einer Flugzeug-Startbahn.
Blackwaters größter Auftraggeber ist das US-Außenministerium: Seit 2003 schützt Blackwater die US-Diplomaten im Irak. Es übernimmt auch den Personenschutz für Kongressdelegationen.
Mehrere hundert "ernsthafte Zwischenfälle"
Bis heute agieren Blackwater und die anderen privaten Sicherheitsfirmen im Irak unter dem "Memorandum 17", das die US-Verwaltung der irakischen Übergangsregierung 2004 schnell noch aufgedrückt hatte. Das unterstellt die Söldner dem Gesetz ihrer Heimatstaaten - und gewährt ihnen Immunität vor irakischem Gesetz. Zwar haben sich die Umstände im Irak dramatisch gewandelt. Doch Andy Bearpark, der Chef der British Association of Private Security Companies, bestand noch diese Woche darauf, zumindest "gewisse Elemente der Immunität beizubehalten", da das irakische Justizwesen "einfach nicht robust genug ist".
"Es ist ein sehr schwammiger Bereich", klagt die demokratische Abgeordnete Jan Schakowsky, die im US-Kongress seit langem vergeblich für eine Regulierung der Sicherheitsfirmen kämpft. "Unter welchem Recht operieren diese Individuen? Haben die Iraker die Autorität, Leute für Straftaten zu verfolgen, die ihnen vorgeworfen werden?"
Nach US-Zeitungsinformationen ereigneten sich seit 2003 mehrere hundert "ernsthafte Zwischenfälle" unter Beteiligung privater Unternehmen. Blackwater wurde erstmals im März 2004 weltbekannt, als irakische Milizen einen Firmenkonvoi in Falludscha angriffen.
"Bis zum Ende im Irak"
Vier Blackwater-Wachen wurden getötet, ihre Leichen zerstückelt und verbrannt, zwei an einer Brücke aufgeknüpft. Hinterbliebene beschuldigten das Unternehmen später, durch Inkompetenz und Profitgier Mitschuld zu tragen. Beim folgenden Versuch von US-Marineinfanteristen, Falludscha einzunehmen, starben 27 Soldaten und Hunderte Zivilisten.
2005 kamen fünf Blackwater-Männer beim Abschuss eines Helikopters um, fünf weitere bei einem ähnlichen Vorfall Anfang dieses Jahres. Zu Weihnachten 2006 erschoss ein Blackwater-Mitarbeiter einen irakischen Sicherheitsbeamten. Der Mann wurde gefeuert.
Im jüngsten Fall herrscht nun ein Patt. Gestern verbot das Außenministerium seinen Diplomaten in Bagdad, die auf den Schutz von Blackwater angewiesen sind, die Green Zone zu verlassen, bis die Vorwürfe geklärt sind. Sicherheitsexperten bezweifeln aber, dass die Affäre langfristige Auswirkungen auf das Blackwater-Geschäft haben wird. "Gesunder Menschenverstand", schrieb die Autorin R.J. Hillhouse auf ihrem Blog, "besagt, dass Blackwater bis zum Ende im Irak sein wird."
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