Hamburg/Jena - Doug Martin, ein Computer-Spezialist aus New Orleans, ist einer von Zehntausenden, die heute nach Jena im US-Bundesstaat Louisiana gereist sind. Er will gegen die Bestrafung von sechs schwarzen Jugendlichen protestieren und gegen das seiner Meinung nach rassistische Justizsystem in den USA.
Aus den ganzen USA waren Menschen in die Kleinstadt gefahren. Afro-Amerikanische Radiosender, Websites und andere Medien hatten für den Marsch geworben.
Die überwiegend schwarzen Demonstranten zogen durch den 3000-Einwohner-Ort, wo es in den vergangenen Monaten verstärkt Spannungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe gegeben hatte. Auslöser war ein Streit zwischen schwarzen und weißen Schülern gewesen: Vor einem Jahr hatte ein schwarzer Schüler versucht, auf seinem Schulhof eine inoffizielle Trennlinie zwischen Schwarzen und Weißen zu überschreiten und sich entgegen der ungeschriebenen Gesetze unter einen für Weiße "reservierten" Baum zu setzen. Am nächsten Tag hingen an dem Baum Schlingen - ein Symbol der einst gegen Schwarze gerichteten Lynchjustiz in den US-Südstaaten.
Daraufhin kam es auf dem Schulhof und an anderen Orten der Stadt zu Kämpfen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. In der Schule wurde ein Brand gelegt, nachdem der Direktor den Vorfall als "Dummejungenstreich" bezeichnet und sich geweigert hatte, die drei für die Schlingen verantwortlichen weißen Schüler der Schule zu verweisen. Sechs schwarze Schüler, die als "Jena Six" bekannt wurden, wurden dagegen nach einer Prügelei wegen versuchten Mordes verurteilt. Die Strafen wurden später reduziert. 85 Prozent der Einwohner Jenas sind Weiße, nur 12 Prozent sind Schwarze.
Das ist die Vorgeschichte der Großdemo, und sie zeigt, wie brisant das Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Hautfarbe mancherorts im Süden der USA noch ist.
Auch Martin Luther King III marschiert mit
Die Demonstranten riefen immer wieder "Lasst die Jena Six frei". Die Protestler, unter ihnen auch der Sohn des 1968 ermordeten schwarzen US-Bürgerrechtlers Martin Luther King, warfen der Staatsanwaltschaft Voreingenommenheit und Rassismus vor. Martin Luther King III sagte, der Marsch erinnere ihn an frühere Bürgerrechts-Demonstrationen. Organisiert wurde der Protest von dem Prediger und Bürgerrechtler Al Sharpton.
"Was wir brauchen, ist ein Eingreifen des Bundes, um die Leute von der Ungerechtigkeit im Süden zu bewahren", sagte Sharpton. "Unsere Väter mussten in den sechziger Jahren die Regierungen von Johnson und Kennedy angehen, wir müssen nun das gleiche tun."
Auch Reverend Jesse Jackson, ein Veteran der Bürgerrechtsbewegung und früherer Präsidentschaftskandidat, sprach bei dem Protestmarsch.
Mehrere Bewerber um die demokratische Nominierung als Präsidentschaftskandidat - darunter die Senatoren Hillary Clinton und Barack Obama sowie John Edwards - haben sich in den Fall eingeschaltet. Besonders die demokratischen Kandidaten schielen auf die Stimmen schwarzer Wähler.
US-Präsident George W. Bush sagte in Washington, die Ereignisse von Louisiana stimmten ihn "traurig". Er fügte hinzu: "Und ich verstehe die Emotionen." Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI überwachten die Lage vor Ort, sagte Bush. Alle Bürger der USA wünschten sich dem Präsidenten zufolge Fairness der Justiz.
flo/Reuters/AFP
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