Rangun – "Die Straßen sind dicht" - mit diesen Worten beschrieb ein Augenzeuge, was sich seit dem Morgen in Rangun abspielt: Durch die größte Stadt Myanmars rollt eine neue, immer größer werdende Protestwelle. Die Demonstrationen gegen die Militärregierung haben sich längst zu einer Massenbewegung ausgeweitet, die rebellierenden Mönche setzten sich heute auch über einen Rückzugsappell der staatlichen Religionsführer hinweg.
Den rund 10.000 Mönchen, die in verschiedenen Zügen barfuß zur Shwedagon-Pagode, dem größten nationalen Heiligtum in der Stadt, zogen, schlossen sich laut Augenzeugen zehntausende weitere Menschen an. Beobachter sprachen von mindestens 30.000 Demonstranten, andere zählten bis zu 100.000 Menschen. Es war die größte Kundgebung gegen die Führung seit Beginn der friedlichen Proteste durch buddhistische Mönche vor mehr als einer Woche.
Die Bürger forderten Demokratie, nationale Aussöhnung und die Freilassung politischer Gefangener. Zu den Demonstranten gehörten den Berichten zufolge erstmals auch Politiker der Nationalliga für Demokratie der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Die Mönche zogen demonstrativ am Büro der Oppositionspartei vorbei. Aktivisten traten vor die Tür und klatschten Beifall.
Auch prominente birmanische Schauspieler und Musiker beteiligten sich an den Demonstrationen. Ein Unterstützungskomitee, dem unter anderem der Filmstar Tun Eindra Bo angehört, sagte den Mönchen jede Hilfe zu.
Ordnungsruf der Junta
In einem ersten Warnschuss an die Adresse der Demonstranten hatte der vom Staat kontrollierte Religionsrat die Klöster heute aufgefordert, alle Mönche aus dem Umland nach Hause zu schicken. Augenzeugen berichteten nun von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Zivilisten, die die Mönche mit Plakaten begleiteten, wurden abgedrängt. Die Plakate wurden ihnen entrissen. 1988 waren Proteste in dem abgeschotteten Staat gewaltsam niedergeschlagen worden.
Dass sich die Militärs bislang weitgehend zurückgehalten haben, führen Analysten und Diplomaten auf den Druck Chinas zurück, des wichtigsten Verbündeten Myanmars. Nach Darstellung eines südostasiatischen Diplomaten übt Peking als wichtigster Wirtschaftspartner des Landes starken Druck auf Myanmar aus, vor den Olympischen Spielen im kommenden Jahr Konfrontationen zu vermeiden.
"Jeder weiß, dass China der größte Unterstützer der Junta ist", sagte der Diplomat der Agentur AP. "Wenn die Militärregierung nun irgendwas unternimmt, wird das auch das Image von China beschädigen." China zählt auf die großen Öl- und Gasvorkommen Myanmars zur Versorgung seiner boomenden Wirtschaft. In diesem Jahr blockierte Peking eine Sicherheitsratsresolution, in der die Menschenrechtslage in Birma kritisiert werden sollte. Zugleich übte Peking in stiller Diplomatie Druck auf die Junta aus, einen Dialog für demokratische Reformen aufzunehmen.
Auslöser für die seit fast 20 Jahren größten Demonstrationen in dem südostasiatischen Land mit seinen etwas mehr als 50 Millionen Menschen war eine drastische Erhöhung der Benzin- und Gaspreise im August. Seit acht Tagen wird die Bewegung von buddhistischen Mönchen angeführt, die betend und singend durch die Straßen ziehen.
Die Proteste rufen mittlerweile auch die USA auf den Plan. "Das birmanische Volk verdient Besseres. Es verdient das Recht, in Freiheit leben zu können, so wie jeder das tut", sagte Außenministerin Condoleezza Rice in New York. Das Regime von Birma sei für seine Brutalität bekannt. Auch US-Präsident George W. Bush werde sich mit dem Thema befassen.
phw/AFP/AP/Reuters/dpa
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