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24.09.2007
 

Myanmar

Protest gegen Militärjunta entwickelt sich zum Volksaufstand

Nie zuvor in der fast 20-jährigen Zeit der Militärdiktatur waren die Proteste in Myanmar so massiv: 130.000 Demonstranten gingen allein in Rangun, der größten Stadt des Landes auf die Straße. Immer mehr einfache Bürger schließen sich den rebellierenden Mönchen an.

Rangun - Es werden immer mehr, die gegen die Miltärs in Myanmar auf die Straße gehen. Allein in Rangun, der größten Stadt des Landes, sind Augenzeugen zufolge 130.000 Menschen auf der Straße. Aber auch in Städten wie Mandalay, Pakokku und Sittwe sind Augenzeugen zufolge Tausende auf der Straße.

Protest in Rangun: "Wir marschieren für das Volk"
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AFP

Protest in Rangun: "Wir marschieren für das Volk"

Die Mönche, die an der Spitze der größten Protestbewegung seit fast zwei Jahrzehnten stehen, riefen die Demonstranten auf, sich friedlich zu verhalten und keine politischen Stellungnahmen abzugeben. Allein mit ihrer Zahl und ihrer Marschroute in Rangun geben die Massen jedoch ein politisches Signal.

In zwei Demonstrationszügen mit 100.000 beziehungsweise 30.000 Teilnehmern zogen sie durch die Stadt. Ausgangspunkt war wie schon an den Vortagen die berühmte Shwedagon-Pagode, wo die Mönche Gebete rezitierten. "Wir marschieren für das Volk", rief ein Mönch über ein Megaphon. Auf einem Spruchband war zu lesen: "Dies ist eine friedliche Massenbewegung."

Die Protestierenden zogen am Sitz der Oppositionspartei NDL von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vorbei, die die Wahlen 1990 deutlich gewonnen hatte, was die Generäle jedoch nicht anerkannten. Parteimitglieder begrüßten die Mönche ehrfürchtig und schlossen sich der Kundgebung an. Einen erneuten Besuch am Haus der unter Arrest stehenden Oppositionsführerin verhinderten die Sicherheitskräfte. Am Samstag waren rund 2000 Mönche und Unterstützer zu Aung San Suu Kyi vorgelassen worden. Das Treffen mit der seit 18 Jahren fast ununterbrochen eingesperrten Politikerin ermutigte die Protestbewegung.

Der staatliche Religionsrat versuchte heute vergeblich, den Aufstand der Mönche zu stoppen. Er rief die Leitungen der Klöster in Rangun auf, alle Mönche aus umliegenden Klöstern nach Hause zu schicken. Zum Ende der Regenzeit im Oktober sind traditionell viele Mönche zu religiösen Studien in der Stadt.

Am zum Verteidigungsministerium gehörenden "Kriegsbüro", einem weiteren Ziel des Demonstrationszuges, beobachteten Soldaten die Mönche und Bürger vom Gelände aus, griffen aber nicht ein. Normalerweise duldet die Junta keinen öffentlichen Protest: Die Demokratiebewegung von 1988 schlug sie gewaltsam nieder. Die Demonstranten zogen heute auch am Campus der an diesem Tag geschlossenen Universität vorbei, an der die Proteste damals ihren Ausgang genommen hatten. Der Zug war zu dem Zeitpunkt Schätzungen zufolge einen Kilometer lang und blockierte den Verkehr auf einer der Hauptdurchgangsstraßen Ranguns.

Die Bundesregierung bekundete ihre Sympathie für die "friedlich agierenden Demonstranten". Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, sagte heute in Berlin, wenn die birmanische Regierung es mit den angekündigten Reformschritten ernst meine, dürfe sie diese "Meinungsäußerungen" nicht unterbinden. Deutschland fordere die Machthaber - im Einklang mit der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft - zur Freilassung der bei den Protesten Inhaftierten auf.

Die birmanische Menschenrechtsbewegung "Hilfsverein für politische Gefangene" teilte in der thailändischen Hauptstadt Bangkok mit, seit Beginn der Proteste Mitte August seien 218 Menschen von den Militärs inhaftiert worden. Oppositionelle würden "geschlagen und extremer körperlicher und seelischer Folter ausgesetzt", sagte der Chef der in Thailand ansässigen Gruppe, Bo Kyi.

Der britische Botschafter in Rangun, Mark Canning, hielt eine "scharfe Reaktion" der Machthaber in dem südostasiatischen Land für wahrscheinlich. "Sie könnten sich zurückziehen, aber das erscheint immer unwahrscheinlicher", sagte Canning. Der Birma-Berater der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, David Mathieson, sagte, die zunehmende Teilnahme von Bürgern an den Protesten stelle eine "bedeutende Eskalation" dar. Auch wenn die Behörden die Bewegung bislang nicht gewaltsam niedergeschlagen hätten, sei die Spannung "unglaublich hoch".

hen/AFP/dpa

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