Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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27.09.2007
 

Eskalation in Burma

Japanischer Fotograf bei Protesten in Rangun erschossen

Die Junta hatte mit "extremen Aktionen" gedroht - nun ist ein ausländischer Journalist tot: Der japanische Fotograf soll in Rangun erschossen worden sein, als das Militär Proteste von Regimegegnern gewaltsam auflöste. In den Straßen sind Hunderte Demonstranten auf der Flucht vor den Soldaten.

Rangun/New York - Die Situation in der größten burmesischen Stadt Rangun spitzt sich immer weiter zu. Berichten aus der ehemaligen Hauptstadt zufolge wurde bei den Protesten ein ausländischer Fotograf getötet. Bei dem Toten handele es sich vermutlich um einen Japaner, verlautete aus einem Krankenhaus.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die japanische Botschaft in Burma sei über den Tod eines ihrer Staatsangehörigen informiert worden. Mitarbeiter der Vertretung seien nun auf dem Weg in ein Krankenhaus, um die Information zu bestätigen. Auch die japanische Agentur Kyodo meldete unter Berufung auf Diplomatenkreise den Tod eines Japaners.

In burmesischen Internet-Blogs kursierten bereits am Vormittag Gerüchte, dass ein ausländischer Journalist getötet worden sei. Hier war von einem Mitarbeiter der britischen BBC die Rede. Diese Berichte wurden bislang jedoch nicht bestätigt.

Gestern war die burmesische Führung erstmals mit Gewalt gegen die friedlichen Demonstranten vorgegangen. Dabei waren mindestens vier Menschen getötet und rund hundert weitere verletzt worden. Außerdem gab es mehr als 200 Festnahmen. Die seit mehr als eine Woche stattfindenden Proteste werden von buddhistischen Mönchen angeführt.

Nachdem heute trotz des Versammlungsverbots erneut Tausende Menschen gegen die Militärführung auf die Straße gegangen waren, hatte das Militär den Demonstranten in Rangun ein Ultimatum gestellt. Die Soldaten forderten die Gegner der Junta auf, ihre Protestmärsche "innerhalb von zehn Minuten" aufzulösen, andernfalls werde es eine "extreme Aktion" geben. Zuvor waren Warnschüsse zu hören gewesen.

Wie Augenzeugen berichteten, rannten die Demonstranten von ihrem Kundgebungsort in der Nähe der Sule-Pagode im Stadtzentrum fort. Mindestens hundert Menschen wurden demnach festgenommen und mit Militärlastwagen abtransportiert. In der Nähe des Ranguner Hauptbahnhofs seien Schüsse gefallen, berichten Augenzeugen. Soldaten hätten Demonstranten zuvor aufgefordert, die Straßen zu räumen. Unter Berufung auf Augenzeugen meldete der in Oslo ansässige oppositionelle Rundfunksender "Democratic Voice of Burma", möglicherweise habe es bis zu neun Tote gegeben.

AUGENZEUGEN GESUCHT

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Mehr als 10.000 Menschen - die Nachrichtenagentur AP berichtet sogar von 70.000 Teilnehmern - hatten heute erneut das Versammlungsverbot der burmesischen Militärregierung ignoriert. Sie protestierten in der ehemaligen Haupstadt Rangun für mehr Demokratie.

Wie Augenzeugen berichteten, standen die Demonstranten - größtenteils junge Menschen und Studierende, aber nur einige wenige buddhistische Mönche - in der Nähe der Sule-Pagode einem Trupp bewaffneter Soldaten und Polizisten gegenüber.

Die Demonstranten sangen die Nationalhymne und ließen den burmesischen Unabhängigkeitskämpfer und Freiheitshelden General Aung San hochleben. Dessen Tochter, die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat die Militärregierung seit zwei Jahrzehnten unter Hausarrest gestellt.

Hunderte Soldaten sind laut Augenzeugen an strategisch wichtigen Punkten der Stadt postiert. Auch Wasserwerfer sollen im Einsatz sein. Außer der Sule-Pagode riegelten die Einsatzkräfte auch die Shwedagon-Pagode ab, Burmas bedeutendstes buddhistisches Heiligtum. Militärlastwagen fuhren durch die Stadt. Im Osten von Rangun feuerten die Einsatzkräfte Warnschüsse in die Luft ab, um kleinere Gruppen von Demonstranten auseinanderzutreiben, bevor sie sich zu einem Protestmarsch vereinigen konnten. Die meisten Geschäfte und Büros sind geschlossen.

Wenige Stunden zuvor hatten die Sicherheitskräfte mehrere Klöster durchsucht und Hunderte Mönche verhaftet. Nach einer relativ ruhigen Nacht stürmten die Militärs laut Augenzeugen zwei Klöster in Rangun. Auch im Nordosten des Landes soll es Razzien in Klöstern gegeben haben.

Beobachtern zufolge wurden allein in Rangun bis zu 200 Mönche festgenommen und unter Schlägen abgeführt. Bei den Männern handele es sich um Anführer der Proteste. "Selbst ein erkrankter Mönch wurde mitgenommen", klagte eine Klosterschülerin. Ein Mönch aus dem Kloster Ngwe Kyar Yan verwies auf Blutspuren am Boden, die nach seinen Angaben von Geschlagenen stammten. Die Soldaten hätten bei ihrer Razzia mehrfach in die Luft geschossen.

Auch Politiker der Nationalen Liga für Demokratie, der Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, wurden festgenommen.

"BURMA" STATT "MYANMAR"

SPIEGEL ONLINE benutzt ab sofort den Namen Burma anstelle der offiziellen Bezeichnung Myanmar. Die Staatsbezeichnung "Union Myanmar" hatte die Militärjunta 1989 eingeführt. Die Uno und das Auswärtige Amt sprechen von der Union Myanmar. Für die USA und Regimegegner wie Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hingegen gibt es aus politischen Gründen nur Burma. Trotz des Junta- Dekrets wurde das Land in den deutschsprachigen Medien meist weiterhin Burma bzw. Birma genannt.
Am Mittwoch waren bei den Massenprotesten zahlreiche Mönche geschlagen worden. Über die Zahl der Opfer gibt es widersprüchliche Angaben. Die Militärs sprachen von einem Toten. Andere Quellen nannten die Zahl von fünf Toten.

Die Märsche der Mönche hatten vor knapp zehn Tagen als Reaktion auf drastische Erhöhungen der Benzin- und Gaspreise begonnen und sich zur größten Protestkundgebung seit Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 entwickelt.

Der Uno-Sicherheitsrat konnte sich wegen des Widerstands Chinas nicht auf eine Verurteilung des Blutvergießens in Burma einigen. Bei einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch in New York verständigte sich das höchste Uno-Gremium lediglich auf einen zurückhaltenden Appell an die Machthaber in Burma

ler/dpa/Reuters/AP/AFP

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