Von Barbara Hans
Hamburg - Die Informationen überschlagen sich: von neun getöteten Zivilisten und 31 verletzten Soldaten spricht das Staatsfernsehen, in den Foren berichten die Menschen aus Burma von Dutzenden zivilen Opfern der Auseinandersetzungen.
Ein japanischer Fotograf ist auf offener Straße erschossen worden, als das Militär mit Waffen gegen die Demonstranten vorgegangen ist. In einigen Blogs kursieren Gerüchte, ein weiterer Journalist sei verletzt oder sogar getötet worden. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll ein Fotograf in Rangun in der Nähe des Hauptbahnhofs von Sicherheitskräften angeschossen worden sein. Der Mann konnte sich jedoch in ein abfahrendes Taxi retten.
Die Führung im Land geht den Berichten zufolge auch gegen Ausländer immer härter vor. In Blogs berichten Burmesen von einer Durchsuchung des Traders Hotels im Zentrum von Rangun. In dem Luxushotel wohnen viele Touristen, Diplomaten und auch ausländische Journalisten. Angeblich wollte das Militärregime die Berichterstattung der Journalisten unterbinden. In einem Forum wird außerdem berichtet, dass die nächtliche Ausgangssperre nun auch für Ausländer gelte. Touristen sei außerdem der Zugang zu Pagoden und Tempeln verboten.
Die Mönche mischen sich ein - im Schutz ihrer Roben
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird die Kommunikation mit den Menschen im Land immer schwieriger: Die Telefonleitungen seien gekappt, Gespräche über Handys würden abgehört. Wie die Seite "Mizzima News" berichtet, die von im Exil lebenden burmesischen Journalisten betrieben wird, hat die Regierung nun auch den Zugang zu den stark frequentierten Blogs gesperrt. "Zugang verweigert" lautet die knappe Meldung, die erscheint, wenn man versucht, die Seiten aufzurufen.
Unter anderem wurde in Burma auch der Blog des in London lebenden Ko Htike blockiert. Der Burmese hat seinen Literatur-Blog in ein politisches Forum verwandelt, auf der Seite wurden in den vergangenen Tagen immer wieder Informationen und auch Bilder veröffentlicht.
Im Land soll ebenfalls die Internet-Plattform "Youtube" gesperrt sein. Die dort gezeigten Videos geben einen Einblick in das Geschehen im Land: Demonstrierende Mönche ziehen durch die Straßen, junge Demonstranten entrollen ein Plakat der studentischen Opposition, Sprechchöre schwellen an. Dann nähern sich Lastwagen des Militärs, auf ihnen sitzen Soldaten. Dann flackert das Bild, Menschen rennen auseinander, Schüsse fallen.
In der Nacht hatten Sicherheitskräfte mit großer Brutalität mindestens drei Klöster in Rangun gestürmt und Hunderte Mönche verhaftet. Dabei gilt die Kutte in der burmesischen Gesellschaft als Schutz, die Mönche als unantastbar. Der Buddhismus sieht es als ihre Pflicht an, nicht den Bezug zur Normalität zu verlieren.
Der Tiger steht mit dem Rücken zur Wand
Die Situation im Land ist bis zum Zerreißen gespannt: Die Übergriffe auf die Mönche stacheln die Demonstranten an. Je mehr sich die Führung jedoch durch die Proteste im Land und die Interventionen aus dem Ausland unter Druck gesetzt fühlt, desto härter schlägt sie zurück.
"Sie können sich die Situation der Militärregierung vorstellen wie die eines Tigers, der sich in die Ecke gedrängt fühlt - er wird immer aggressiver, weil er keinen Ausweg sieht", sagt Uta Gärtner, Diplom-Burmanistin und Wissenschaftlerin an der Berliner Humboldt-Universität SPIEGEL ONLINE. "Wenn die Eskalation andauert, hat dies katastrophale Folgen für das Land", sagt sie.
Eine Absetzung der Militärregierung allein sei noch nicht die Lösung der Probleme Burmas. "Die Opposition im Land ist stark zersplittert. Wenn man die Führung ablöst, könnte an der Spitze des Landes ein Vakuum entstehen, das weiteren Konflikten - zum Beispiel zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen - Vorschub leistet. Dann steht Burma unter Umständen vor einem Bürgerkrieg."
Die Schwierigkeit einer klugen Politik
Gärtner hält den Weg des Westens, Burma mit Sanktionen zu drohen, daher für falsch und nicht effektiv. Die USA hatten heute ihre Strafmaßnahmen gegen die Militärregierung Burmas verschärft und die Vermögen von 14 hochrangigen Regierungsvertretern eingefroren.
"Entscheidend ist, dass man der Demokratie im Land die Chance gibt, langsam zu wachsen", sagt Burma-Expertin Gärtner. Eine Chance sieht sie in nicht-öffentlichen Verhandlungen, die von asiatischen Staaten geführt werden müssten. "Eine kluge Politik muss der Militärregierung einen Ausweg lassen", so die Wissenschaftlerin, die sich seit vielen Jahren mit den Strukturen Burmas befasst.
Die Rolle der im Exil lebenden Burmesen für einen demokratischen Neustart schätzt Gärtner kritisch ein: "Viele von ihnen möchten nicht wieder ins Land zurück. Sie möchten, dass sich im Land etwas verändert, fordern den Umbruch - aber es ist kaum zu erwarten, dass sie sich am Wiederaufbau beteiligen."
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