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28.09.2007
 

Aufstand in Burma

Dutzende Tote in Rangun befürchtet

Den dritten Tag in Folge geht das Militär in Burma gegen Demonstranten vor. Das Regime schottet sich immer mehr ab, Informationen dringen kaum noch aus dem Land. Eine schwedische Diplomatin spricht von Dutzenden Toten, andere Quellen berichten von Soldaten, die den Schießbefehl verweigern.

Rangun/Stockholm - Wieder gingen die Menschen für mehr Demokratie auf die Straße, wieder fielen Schüsse aus den Waffen der Militärs. Feuern sie über die Köpfe der Demonstranten hinweg, feuern sie direkt in die Menge? Die Lage in Burma bleibt explosiv, so viel ist sicher. Doch verlässliche Informationen aus dem weitgehend abgeschotteten Land dringen immer seltener über die Grenzen, seit die Junta versucht hat, die Internetverbindungen mit dem Ausland zu kappen.

Offiziell gab die staatliche Telekomgesellschaft den Bruch eines unterseeischen Kabels als Grund für die Unterbrechung der Kommunikation an. Tatsächlich dürfte sie aber nachgeholfen haben, um Mails und Blogger-Berichte sowie über das Internet verschickte Videofilme von Privatpersonen zu unterbinden, die in den vergangenen Tagen wichtige Informationsquellen zu den seit 20 Jahren größten Protestaktionen in Burma waren.

Die wenigen Berichte, die heute aus dem Land kommen, sind beunruhigend. Nach Angaben einer schwedischen Diplomatin sollen bei Demonstrationen gegen das Militärregime heute in Rangun bis zu 35 Menschen von Sicherheitskräften getötet worden sein. Die Botschaftsvertreterin Lieselott Agerlid sagte der Internetausgabe der Zeitung "Svenska Dagbladet": "Es gab wesentlich mehr Tote als gestern." Ein von Schwedens Außenministerium als glaubwürdig eingestufter Augenzeuge habe berichtet, dass die Leichen von 35 Menschen eingesammelt worden seien.

Karte von Burma
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SPIEGEL ONLINE

Karte von Burma

Auch Australiens Botschafter hatte die offiziellen Opferzahlen unter Berufung auf Augenzeugen als viel zu niedrig bezeichnet. Auch der britische Premier Grodon Brown schloss sich heute dieser Einschätzung an. Eine in Washington ansässige Dissidentengruppe mit dem Namen US-Kampagne für Burma sprach sogar von insgesamt etwa 200 Toten.

Burmas Staatsmedien hatten gestern über neun Tote berichtet, darunter ein japanischer Fotograf. Der Journalist soll einem Bericht eines japanischen TV-Senders zufolge regelrecht hingerichtet und nicht wie zuvor berichtet, durch einen Querschläger getötet worden sein.

Westliche Diplomaten bestätigten, dass bei den Protesten auch heute Schüsse fielen. Unklar blieb zunächst, ob es sich um Warnschüsse handelte oder ob Militär und Polizei wie an den Vortagen auch in die Menge feuerten.

Die Militärjunta, die das südostasiatische Land eisern im Griff hält, zeigte sich offensichtlich unbeeindruckt vom wachsenden internationalen Druck. Die Sicherheitskräfte erklärten fünf Pagoden und Klöster in der Metropole Rangun zu "Sperrgebieten", um weitere Demonstrationen zu unterbinden. Dazu gehörten auch die Shwedagon- und die Sule-Pagode, von denen die friedlichen Protestmärsche der Mönche ihren Ausgang genommen hatten.

Es gibt aber möglicherweise auch Anlass zur Hoffnung: Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, nach Angaben westlicher Diplomaten hätten sich erstmals burmesische Soldaten mit Demonstranten der Demokratiebewegung solidarisiert. Unter Berufung auf mehrere übereinstimmende Quellen hieß es heute, beim Militär habe es Fälle von Befehlsverweigerungen gegeben, einige Soldaten seien sogar zu den Demonstranten übergelaufen.

Debbie Stothard, die Koordinatorin eines alternativen Netzwerks der südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) zu Burma, sagte unter Berufung auf entsprechende Berichte, viele Soldaten scheuten offenbar davor zurück, auf die an den Protesten beteiligten buddhistischne Mönche zu feuern. Mindestens ein Kommandeur sei abberufen worden, weil er seinen Soldaten befohlen habe, nicht zu schießen.

Der Uno-Sonderbeauftragte Ibrahim Gambari, der sich um eine Entschärfung der Lage bemühen soll, wird morgen in Burma erwartet. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief in New York das burmesische Regime zu einem "konstruktiven Dialog" mit Gambari auf. Die Machthaber sollten den Weg zu einer "friedlichen" und "nationalen Aussöhnung" beschreiten.

Das Weiße Haus verlangte von der Militärjunta, Gambari müsse alle Konfliktparteien treffen können. Dazu zählten auch die religiösen Führer der Buddhisten, Verhaftete und die seit Jahren unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Wie zuvor US-Präsident George W. Bush forderte heute auch der neue japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda China auf, seinen Einfluss auf die Militärjunta Burmas mit dem Ziel einer friedlichen Lösung geltend zu machen. China unterhält zu seinem Nachbarland Burma enge wirtschaftliche und politische Kontakte.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) appellierte an die in New York versammelten Außenminister der asiatischen Staatengruppe Asean, Druck auf Burma im Sinne einer Wahrung der Menschenrechte auszuüben. In einem offenen Brief forderte AI-Generalsekretärin Irene Khan zudem eine "bedingungslose und sofortige Freilassung aller willkürlich festgenommenen Demonstranten". Auf Verlangen der Europäischen Union wurde für kommenden Dienstag eine Sondersitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen nach Genf einberufen.

phw/AFP/AP/Reuters/dpa

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