Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Auf republikanischer Seite führt Mitt Romney das Feld an. Der ehemalige Gouverneur von Massachussets hat rund 15 Millionen Dollar eingesammelt. Romney, der mit der Gründung der Bain Capital-Beteiligungsgesellschaft ein Vermögen gemacht hat, wird zudem einige Millionen Dollar selbst beisteuern - was aber auch zeigt, dass seine Kandidatur weniger Resonanz bei Spendern gefunden hat als erwartet. Die Zahlen von Rudolph Guiliani fielen ebenfalls kaum berauschend aus: Er kam auf etwa zehn Millionen Dollar im vergangenen Quartal. Vor vier Tagen hat Guiliani seinen Chef-Spendensammler gefeuert, und die mittelmäßigen Einnahmen spiegeln Probleme im Guiliani-Wahlkampf wider.
Der ehemalige New Yorker Bürgermeister gerät immer mehr ins Schussfeuer für missglückte Wahlkampfauftritte und für die einseitige Fokussierung auf seine Rolle am 11. September. So erntete er viel Kritik, Tickets für seine Auftritte symbolisch für "9,11 Dollar" zu verkaufen.
Weniger Geld als erwartet - rund acht Millionen Dollar - hat auch der ehemalige Senator und Schauspieler Fred Thompson eingesammelt. Thompson hatte erst Anfang September seine Kandidatur erklärt, die Resonanz auf seine ersten Auftritte war zurückhaltend. Der republikanische Wahlkampfexperte Tony Fabrizio hatte noch vorige Woche gesagt: "Thompson muss Einnahmen deutlich über zehn Millionen Dollar vorlegen, um die Skeptiker zu überzeugen."
Eine halbe Milliarde Dollar - "Wo ist das Problem?"
Mit besonderer Spannung wurden die Ergebnisse von John McCain erwartet. Der Senator aus Arizona, einst als Favorit gehandelt und dann durch seine Unterstützung für den Irak-Krieg zurückgefallen, hatte vor einigen Monaten finanzielle Schwierigkeiten einräumen müssen und sein Wahlkampfteam drastisch verkleinert. McCain hat seine aktuellen Zahlen noch nicht vorgelegt, doch Experten vermuten, dass er weiter im Vergleich zu den anderen republikanischen Kandidaten zurückfallen wird. Zwar versucht McCain, seine Kandidatur nun als die eines Außenseiters darzustellen, für die Geld keine wesentliche Rolle spiele - mit einer ähnlichen Strategie hatte er vor acht Jahren bei seinem ersten Anlauf zumindest kurzfristig Erfolg. Gewinnen kann er so jedoch nicht.
Denn insgesamt wird diese Wahl als die wohl teuerste in die amerikanische Geschichte eingehen. 265 Millionen Dollar haben die Kandidaten nun schon eingesammelt. Rund eine Milliarde Dollar werden bis zum November 2008 voraussichtlich mobilisiert werden. Im vorigen Wahlkampf waren es noch insgesamt knapp 800 Millionen Dollar. Möglich scheint zudem immer noch die Kandidatur eines Kandidaten, für den Geld keine Rolle spielt: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, mehrfacher Milliardär. Ein Vertrauter Bloombergs berichtet SPIEGEL ONLINE von einem Treffen, das Bloomberg neulich mit Beratern hatte. Die erzählten ihm, wenn er als unabhängiger Kandidat antreten wolle, müsse er die Wahnsinnssumme von einer halben Milliarde Dollar aufbringen.
Bloomberg habe sie nur angeschaut, mit den Schultern gezuckt und gesagt: "Wo ist das Problem?"
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