Von Gabor Steingart, Washington
Washington - Wenn man einen amerikanischen Konservativen nach Kräften zwiebeln will, muss man ihm nur die Namen der drei großen republikanischen Präsidenten nennen: Abraham Lincoln, der Präsident, der Amerika trotz Bürgerkriegs zusammenhielt; Dwight D. Eisenhower, der Weltkriegsgeneral, der als Präsident dem Kommunismus trotzte, und Ronald Reagan, der Mann, der das Rote Reich vermeintlich besiegte. Wie politische Zwerge stehen daneben jene Männer, die sich nun um das höchste Staatsamt der westlichen Welt bewerben. Man tritt keinem zu nahe, wenn man sagt: Diese Männer sind nicht mal in der Bush-Klasse anzusiedeln.
Schon ihre Lebensläufe passen nicht zu den Werten, die sie predigen. Die Männer auf den vorderen Plätzen, die sich derzeit um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat ringen, haben mit einer Ausnahme einen enormen Verschleiß an Ehefrauen. Der Erstplazierte, New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani, versucht es gerade zum dritten Mal. Auf Partys trat ausgerechnet der Mann, der sich als Kämpfer wider den Terrorismus vermarktet, des Öfteren schon in Frauenkleidern auf, was im Internet selbstverständlich zu besichtigen ist. Als es ihm opportun erschien, im New Yorker Wahlkampf, warb er für das Recht auf Abtreibung. Heute versucht er diese Position zu korrigieren.
Die Kinder von Rudy Giuliani interessieren sich sehr für Politik, aber nicht für die des Vaters. Die Tochter wirbt für den Demokraten Barack Obama, der die Republikaner täglich mit Spott überzieht. Der Sohn lässt mitteilen, dass er für gemeinsame Wahlkampfauftritte mit seinem Vater nicht zur Verfügung stehe. Diese Abneigung gründet in charakterlichen Defiziten des Vaters. Die Trennung von seiner zweiten Frau teilte Giuliani ihr per Pressekonferenz mit, was ihm die Kinder bis heute verübeln.
Giuliani: "ein ekliger Mann" – und kaum einer widerspricht
Sein ehemaliger politischer Weggefährte, der große New Yorker Bürgermeister Ed Koch, nennt den Nachfolger einen "ekligen Mann” – und kaum einer widerspricht. Die politische Bilanz des einstigen New Yorker Bürgermeisters ist ebenfalls nicht so beeindruckend, wie es sein Wahlkampfteam behauptet. Er habe in seiner New Yorker Zeit finanzielle Überschüsse erwirtschaftet, wird gesagt. Das trifft zu, aber nur für jene Jahre, als etwa der Boom der New Economy ihm das Geld in die Kassen spülte. Danach sackte die Stadt wieder in die roten Zahlen.
Er habe schon früh die Gefahr des islamistischen Terrorismus gesehen und bekämpft, wird gesagt. In Wahrheit hat er die Gefahr eines radikalen Islamismus immer wieder heruntergespielt, wie zahlreiche alte Interview-Äußerungen belegen. Denn als Bürgermeister aller New Yorker wollte er keine Wählergruppe verprellen, und schon gar nicht wollte er Muslime gegen Christen aufhetzen.
Giuliani ist von allen republikanischen Kandidaten derzeit der aussichtsreichste, was viel über die Qualität der Mitbewerber aussagt. Denn wohin man auch schaut, ein Kandidat von wirklichem Präsidentenformat ist auf der Rechten nicht in Sicht. Der zweitplazierte Mitt Romney (Wahlslogan: "Entschlossen. Neu. Führungsstark.") leidet unter chronischem Geldmangel, weshalb er immer größere Summen seines Privatvermögens dazuschießen muss, um im Spiel zu bleiben. Auch dem alten Bush-Rivalen und Vietnam-Veteran John McCain, 71, der einst als große Hoffnung der Republikaner gehandelt wurde, geht langsam die Puste aus, zumindest finanziell.
McCain: Wie der Sprecher einer Seniorenresidenz
"No surrender” steht auf seinem Wahlkampfbus: Nicht Aufgeben! Gemeint ist der Irakkrieg, aber das Motto wirkt, als wolle der alte Haudegen sich selbst ein wenig Mut zusprechen. Wenn er mit seinem ausgedünnten weißen Haar und dem prallen Wohlstandsbauch vor die Wähler tritt, können Zukunftsgefühle nicht aufkeimen. So stellt man sich eher den im Speisesaal gekürten Sprecher einer Seniorenresidenz vor, der sich mit Leidenschaft um den Speiseplan und die Begrünung der Außenanlagen kümmert.
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