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West Wing Bushs hoffnungslose Erben

2. Teil: Die Gefahr des sozialen Abstiegs wächst, die Mittelklasse erodiert - die Republikaner haben keine Antwort

Der amtierende Präsident ist den Konservativen bei ihrer Selbstfindung keine große Hilfe. Er hat von allem das Gegenteil bewirkt, was er vorhatte. Das Land ist höher verschuldet als vor seinem Amtsantritt. Amerika ist weit weniger sicher als früher. Die Kluft zwischen arm und reich hat sich geweitet.

Auf die großen Fragen im Zeitalter der Globalisierung geben die Rechten derzeit keine befriedigenden Antworten. Verständnislos stehen die Republikaner vor dem Phänomen einer erodierenden Mittelklasse. Die Globalisierung, das zeigt sich im Stammland des Kapitalismus mit großer Klarheit, teilt die Gesellschaft. Den wenigen Gewinnern steht eine breite Schicht von Menschen gegenüber, die gegen den Abstieg kämpfen. Ihre Löhne schrumpfen, ihre soziale Absicherung wackelt, ihr Job ist weniger sicher als zuvor.

Vom Aussterben bedroht: der Mittelklassearbeiter

Vor allem der Mittelklassearbeiter ist in Amerika regelrecht vom Aussterben bedroht. Er ist unter den gegenwärtigen Bedingungen schlicht zu teuer, um weiterleben zu können. Die Arbeitsstunde eines regulären, gewerkschaftlich organisierten Arbeiters in Detroit kostete bislang 70 Dollar pro Stunde, verglichen mit 40 Dollar, die etwa bei Honda und Toyota in den USA gezahlt werden, die wiederum von Kia und Hyundai aus Südkorea in die Zange genommen werden, wo die Arbeitstunde nochmals die Hälfte oder weniger kostet.

Der Arbeiter in Detroit ist teurer, weil sein Lohn ein in früheren Jahren erkämpftes Sozialpaket enthält, zum Beispiel eine Renten- und eine Krankenversicherung für ihn und seine Familie. Allein die Krankenversicherung verteuert jedes Auto, das bei Chrysler, Ford oder GM vom Band läuft, um 1000 bis 1500 Dollar, so eine Studie. Alle drei Großen in Detroit – General Motors, Ford und Chrysler – haben deshalb schon vor Jahren begonnen, die Arbeitskosten zu senken. Und das hieß vor allem, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter mit Prämien aus der Fabrik zu locken. Wer freiwillig geht, bekommt bis zu 100.000 Dollar als Abschiedsgeschenk. Hauptsache er verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

In der vergangenen Woche wurde wieder ein Milliardenlast aus den Büchern des GM-Konzerns auf die Schultern der Arbeiter verlagert. Die Gewerkschaft unterzeichnete nach tagelangem Streik eine Vereinbarung, die den Konzern auf lange Sicht von den Krankenkosten der Belegschaft befreit.

Mittlerweile ist es in Amerika so: Den Siegeszug der asiatischen Autofirmen kann man an den steigenden Marktanteilen, aber genauso auch an den fallenden Löhnen und der fehlenden sozialen Absicherung der US-Automobilarbeiter ablesen.

Detroit ist heute überall in Amerika zu finden. 16 Prozent der Bevölkerung, also 47 Millionen Menschen, besitzen keine Gesundheitsversicherung. Sieben Millionen Menschen davon sind in den letzten sieben Jahren dazugekommen. Und der Grund für diese Neuzugänge sind nicht grassierende Armut oder ein plötzlicher Ausbruch von Firmengier. Der Grund sind die international tätigen Firmen Amerikas, die heute gezwungen sind, nach veränderten, raueren Regeln zu spielen.

Krankenversicherung als Wahlkampfschlager

Die Demokraten versuchen der neuen Zeit entgegenzugehen. Der Rückzug der Firmen aus der sozialen Sicherung soll durch staatliche Aktivität kompensiert werden. Hillary Clintons Idee einer obligatorischen Krankenversicherung für alle, mit der sie vor 13 Jahren gescheitert ist, erweist sich nun als Wahlkampfschlager. Nur eine kleine Gruppe innerhalb der Gesellschaft sperrt sich noch – das republikanische Establishment.

Sie reden wie zu Zeiten von Reagan von "big government”, einer fetten Regierung, und versuchen Clintons Vorstellungen als "sozialistisch” zu brandmarken. Karl Rove, der kürzlich zurückgetretene Chefstratege der Bush-Wahlkämpfe, empfiehlt seiner Partei die Auseinandersetzung um die Gesundheitspolitik zum Zentralthema zu erheben. Staatsmedizin gegen Marktwirtschaft, Gesundheitsbürokratie gegen freie Wahl von Arzt und Versicherung: "Republikaner können das zu einem Gewinnerthema machen”, sagt er.

Die Umfragen sagen anderes. Eine deutliche Mehrheit, je nach Umfrage bis zu zwei Drittel der Befragten, votieren für einen Systemwechsel, "auch wenn er eine Steuererhöhung bedeutet”, wie fairer Weise mitgefragt wird. Die Amerikaner vertrauen ihrem privaten Gesundheitssystem nicht mehr, seit es immer mehr Familien ins eigene Risiko entlässt. Die Globalisierung verändert eben vieles, nicht nur die Warenströme, auch die Werturteile der Wähler.

Ein den Konservativen nahestehender Kommentator der "Washington Post” gab den Republikanern daher einen gut gemeinten Rat: Das Beste was ein Konservativer in diesen Zeiten tun könne, sei es, sich möglichst nicht wie ein Konservativer zu verhalten.

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insgesamt 22 Beiträge
klaus1201 02.10.2007
und Hayek-Fan Steingast sieht das Problem natürlich wieder nur in den zu hohen Löhnen. ---Zitat--- Der Arbeiter in Detroit ist teurer, weil sein Lohn ein in früheren Jahren erkämpftes Sozialpaket enthält, zum Beispiel eine [...]
Zitat von sysopDas konservative Zeitalter geht in den USA zu Ende: Der Präsident ist angeschlagen, die republikanischen Bewerber wirken zwergenhaft. Im Zeitalter der Globalisierung fühlt sich vor allem die Mittelklasse von den Rechten im Stich gelassen. Haben die Konservativen die neue Zeit nicht verstanden? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,508826,00.html
und Hayek-Fan Steingast sieht das Problem natürlich wieder nur in den zu hohen Löhnen. ---Zitat--- Der Arbeiter in Detroit ist teurer, weil sein Lohn ein in früheren Jahren erkämpftes Sozialpaket enthält, zum Beispiel eine Renten- und eine Krankenversicherung für ihn und seine Familie. ... Mittlerweile ist es in Amerika so: Den Siegeszug der asiatischen Autofirmen kann man an den steigenden Marktanteilen, aber genauso auch an den fallenden Löhnen und der fehlenden sozialen Absicherung der US-Automobilarbeiter ablesen. ---Zitatende--- Sind die Löhne bei Daimler, bei VW und bei Toyota wirklich so extrem niedriger? Macht etwa der Dollarkurs die amerikanischen Fahrzeuge so viel teuerer? Oder liegt es nicht doch daran, daß die US-Giganten sich mehr um den Geldmarkt kümmern, als um die Entwicklung von Fahrzeugen.
Ganz klar: Die Clintons müssen die USA retten. Nur das Dreamteam Hillary mit ihrem "First Laddy" Bill im Tandem mit Vizepräsident Obama und Außenminister Al Gore können das ramponierte Ansehen der Weltmacht nach den [...]
Ganz klar: Die Clintons müssen die USA retten. Nur das Dreamteam Hillary mit ihrem "First Laddy" Bill im Tandem mit Vizepräsident Obama und Außenminister Al Gore können das ramponierte Ansehen der Weltmacht nach den katastrophalen acht Jahren Cheney/Bush wiederherstellen. Nur gut dass die konservativen Rechten Christen selber vom Rudy angeekelt sind und keinen passenden Kandidaten im republikanischen Bewerberfeld ausmachen können um Dubyas "Politik" fortzusetzen. Das lässt hoffen.
Albedo4k8 02.10.2007
Werden die USA vor dem Zerfall retten. Eine Keynesische Politik verschlimmert nur noch die bereits schon desolate Lage und ein Hayeksche wird sie nur um ein paar Jahre hinaus zoegern.
Zitat von klaus1201und Hayek-Fan Steingast sieht das Problem natürlich wieder nur in den zu hohen Löhnen. Sind die Löhne bei Daimler, bei VW und bei Toyota wirklich so extrem niedriger? Macht etwa der Dollarkurs die amerikanischen Fahrzeuge so viel teuerer? Oder liegt es nicht doch daran, daß die US-Giganten sich mehr um den Geldmarkt kümmern, als um die Entwicklung von Fahrzeugen.
Werden die USA vor dem Zerfall retten. Eine Keynesische Politik verschlimmert nur noch die bereits schon desolate Lage und ein Hayeksche wird sie nur um ein paar Jahre hinaus zoegern.
detrius 02.10.2007
Herr Steingart sitzt in Washington und weiß von nicht mehr zu berichten als Rudy Giuliani, Mitt Romney und John McCain? Dabei ist die Gruppe der republikanischen Präsidentschaftskandidaten soo eine illustre Gesellschaft: Da [...]
Herr Steingart sitzt in Washington und weiß von nicht mehr zu berichten als Rudy Giuliani, Mitt Romney und John McCain? Dabei ist die Gruppe der republikanischen Präsidentschaftskandidaten soo eine illustre Gesellschaft: Da wären z.B. Mike Huckabee, Sam Brownback und Ted Tancredo, die mutig die Hand erhoben als ihnen während der ersten republikanischen Fernsehdebatte die Frage gestellt wurde, ob sie die Evolutionstheorie für falsch hielten. Tancredo war es übrigens auch, der während eines Essens in einem Restaurant vorschlug, Mekka zu atomisieren sollte es zu einem erneuten Anschlag islamistischer Extremisten in den USA kommen. Oder Ron Paul, der einzige Kandidat der Republikaner, der von Anfang an gegen den Irakkrieg war - allerdings den Staat am liebsten soweit zurechtstutzen möchte, dass die einzelnen US-Bundensstaaten wohl genausogut gleich getrennte Wege gehen könnten. Und nicht zu vergessen: die große Hoffnung vieler rechter Blogger, Fred Thompson. Der Schauspieler (und ehemalige Senator und Lobbyist) der mal eine Rolle als amerikanischer Prasident hatte und der sich lange Zeit nicht dazu durchringen konnte, sich als Kandidat aufstellen zu lassen. So weiß man bis heute eigentlich nicht genau wofür er eigentlich steht, außer dass er wie seinerzeit Reagan in der Entertainment-Branche tätig war. Die Fernsehdebatten hat er allerdings nur dazu genutzt, seine Kandidatur bekanntzugeben. Aber vielleicht sagt er ja noch was.
bulgarin 02.10.2007
Die Demokraten liegen politisch, wie Steingart ausführt, deutlich besser, aber es gibt in den USA eine breite Stimmung gegen die Clintons. Dies hat vielfältige Gründe. Auch hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass [...]
Die Demokraten liegen politisch, wie Steingart ausführt, deutlich besser, aber es gibt in den USA eine breite Stimmung gegen die Clintons. Dies hat vielfältige Gründe. Auch hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass eine Weltmacht nicht samtpfötig auftreten darf ( sonst ist sie nämlich weg!). Dies mag in Deutschland einigen durchaus zusagen, weil hier Bush nicht eben everybody`s Liebling ist, aber wer soll dann die Schurken in Schach halten? Und Schurken gibt es viele. Auch Israel wäre schon längst weg vom Fenster, wenn es sich nicht wehren würde ( manches wird hier viel zu hart empfunden, aber wer Einblick hat, weiss, dass es leider nicht anders geht). Selbst unter den 10 % Christen unter den Palästinensern gibt es sehr, sehr böse Kräfte. Der "lateinische" Kirchenführer dort ist auch nicht ohne... Und die USA sind die einzigen, die Israel wirklich helfen. Dabei müssten wir Christen wissen, dass das Fundament unserer Religion auf dem AT der Juden fusst. Auch Jesus war Rabbiner. Fast 2.000 Jahre scheinen das die ach so klugen Kirchenväter, Bischöfe, Päpste usw nicht gewußt zu haben. Und der "sonst so helle" Luther hat dies wohl auch nicht "gerafft". Die Amerikaner wollen ein außenpolitisch und militärisch starkes Land. Da haben die Demokraten Defizite. Zuviele linke Schwätzer von der Ostküste. Diese Dummköpfe haben in den letzten Jahrzehnten alles getan, um den amerikanischen Süden an die Republikaner zu übergeben. Noch in den 50er und 60er Jahren die Hochburgen der Demokraten. Für eine Mehrheit braucht man sicher die Neuenglandstaaten, aber eben auch solche des Südens, des mittleren Westens und des Westens. Im bible belt wünscht man sich gestandene Leute und keine Jetset-Figuren. Für viele Amerikaner sind auch die Familienwerte sehr wichtig. In Sachen Außenpolitik, Landesverteidigung, Terrorbekämpfung, innere Sicherheit, Familienwerte sind die Republikaner gut aufgestellt. In Wirtschafts-, Finanz-, Frauen-, Umwelt-, Forschungs-,Sozial- und Bildungsfragen sicher die Demokraten. Der wind of change wird die Demokraten nach vorn tragen, aber es ist noch lange nicht entschieden. Denn: die Republikaner sind immer geschlossener als die Demokraten. Die Rep werden immer mehr Geld lukrieren können als die Demokraten, auch wenn es im Moment anders aussieht. Gewählt wird im Nov. 08. Bis dahin fliesst noch viel Wasser durch den Lorenzstrom. Ein starkes, und nicht wegen jeder Stimmungsschwankung zittriges Amerika sollte auch in unserem Interesse liegen. Viele demokratische Präsidenten wurden durch fragwürdige Gestalten ( meist demokratische Senatoren dubioser Herkunft und Interessenslage ) politisch gemeuchelt. So gesehen sind die Republikaner zuverlässiger als die wankelmütigen und von vielen negativen Kräften durchsetzten Demokraten.
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