Islamabad - Die Zustimmung für Pervez Musharraf erreichte fast 100 Prozent - kein Wunder, wenn die Gegner fehlen. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens beteiligten sich am Samstag mehr als 690 Abgeordnete des Parlaments in Islamabad und in vier Provinzen an der Präsidentenwahl. Aber nur wenige Oppositionspolitiker gaben ihr Votum ab.
Das offizielle Ergebnis wird erst nach einer Gerichtsentscheidung über Klagen der Opposition gegen Musharrafs Kandidatur bekanntgegeben. Der Staatschef könnte dann von den Richtern noch disqualifiziert werden. Die Richter hatten am Freitag einen Antrag der Opposition auf Wahlverschiebung abgelehnt, wollen jedoch noch Beschwerden gegen die Kandidatur Musharrafs prüfen. Nach Ansicht der Opposition durfte sich der Staatschef nicht für weitere fünf Amtsjahre bewerben, solange er noch den Posten des Militärchefs innehat.
Zuvor hatte es zum Teil heftige Proteste gegen den Wahlgang gegeben. Demonstranten in Peschawar setzten einem Korrespondentenbericht zufolge eine Puppe mit Musharrafs Konterfei in Brand und skandierten "Go, Musharraf, go!" Augenzeugen berichteten, einige hätten versucht, ein gepanzertes Polizeifahrzeug in Brand zu stecken. Sicherheitskräfte sollen die Demonstranten mit Schlagstöcken auseinandergetrieben haben.
Zur Dimension der Proteste gibt es widersprüchliche Angaben. Die Nachrichtenagentur AFP spricht von rund 300 protestierenden Anwälten, nach Angaben der Agentur Reuters handelt es sich um 20 protestierende Menschenrechtler.
Unter stärksten Sicherheitsmaßnahmen hatten zuvor die Abgeordneten in Pakistan mit der umstrittenen Präsidentenwahl begonnen. Aus Sorge vor Terroranschlägen oder gewaltsamen Protestkundgebungen riegelten die Sicherheitskräfte die Parlamente in der Hauptstadt Islamabad und den vier Provinzen ab, nachdem die Abgeordneten zur Stimmabgabe eingetroffen waren.
Nach seiner Machtübernahme hatte sich Musharraf im Juni 2000 selbst zum Präsidenten ernannt. Im April 2002 ließ er sich in einer Volksabstimmung bestätigen. Neben Musharraf treten vier weitere Kandidaten an.
Musharrafs hatte bereits angekündigt, für den Fall eines Sieges seinen Posten als Armeechef spätestens am 15. November abzugeben. Experten erwarten, dass Musharraf durch die Aufgabe der Befehlsgewalt über die Armee an Macht verlieren wird.
ssu/rüd/AFP/AP/Reuters
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