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Spenden im US-Wahlkampf Big Business for President

2. Teil: Wahlkampffinanzierung - eine Geschichte der Skandale

Längst haben die Wahlkämpfer auch damit begonnen, sich selbst zu globalisieren. Abenteuerlust und das Verlangen nach immer neuem Spendergeld treibt sie nach Übersee. Erst neulich erschien Giuliani zum Mittagessen im Londoner Mandarin Oriental. Tickets kosteten die Gäste nach Angaben des Guardian 1000 Dollar, wer ein Foto von sich und dem Vielleicht-Präsidenten mitnehmen wollte musste 2300 Dollar bezahlen. Im November wollen auch Hillary Clinton und Obama nach London reisen, "to shake the overseas money tree", wie die "Washington Post" spöttisch anmerkte. Obama war der erste, der in einer Videoschaltkonferenz auch US-Manager in Peking um deren Spendeneinsatz bat.

Bis Ende Juni hatten die Kandidaten alle zusammen in Übersee 551.000 Dollar eingesammelt, verglichen mit 31.525 Dollar zum selben Zeitpunkt im Wahlkampf 2003.

Die Hälfte des Übersee-Geldes stammt aus England, danach folgen Frankreich, China, Japan und die Schweiz. "Jede Gelegenheit zum Geldsammeln zählt", sagt Guiliani. Der Preis des Spendensammeln ist oft die Spende selbst. Für die meisten Kandidaten gilt in diesem Wahlkampf: außer Spesen nichts gewesen. Die Burn-rate, also das Tempo des Geldverbrennens ist bei vielen deutlich höher als die Neuakquisition - weshalb viele Kandidaten mittlerweile hochverschuldet sind.

Nur Obama, Clinton und Giuliani haben noch zweistellige Millionenbeträge auf dem Konto. Von sieben republikanischen Kandidaten sind vier tief im Minus, der zweitplazierte Mitt Romney hält sich nur mit Rückgriffen auf eigene Ersparnisse über Wasser.

Die besten Sammler werden nicht unbedingt nominiert

Das einzig beruhigende ist der Blick zurück: Es waren meist nicht die emsigsten Geldsammler der frühen Wahlkampfphase, die am Ende die Nominierung ihrer Partei gewannen. Der Demokrat Howard Dean lag zwischenzeitlich beim Spendensammeln um Längen vor John Kerry - und verlor die Nominierung. Hinter dem begnadeten Spendensammler Dean war der Politiker Dean kaum mehr zu erkennen.

Auch der Wahlkämpfer Ronald Reagan war in beiden Wahlkämpfen chronisch geldknapp. Selbst Sunnyboy Bill Clinton, flossen als noch weithin unbekannter Politiker aus Arkansas bei seiner ersten Nominierung nicht die großen Millionenbeträge zu.

Wer da genau spendet, bleibt trotz umfangreicher gesetzlicher Dokumentationspflichten im Dunkeln. Die großen Spender verstecken sich hinter Gefolgsleuten, Familienangehörigen oder einer der über 500 politischen Vereinigungen wie "America Votes" oder "Progress for America", die scheinbar edle Ziele verfolgen, aber immer auch als Spendensammelstellen funktionieren.

Geschichte unendlicher Skandale

Die Geschichte der Wahlkampffinanzierung in den USA ist eine Geschichte unendlicher Skandale. Firmen wie Bechtel, Lockheed oder Halliburton wurden für ihre Spenden später mit Aufträgen reich belohnt. Die Wall-Street-Geldgeber von heute sagen ebenfalls klar, was sie von den Kandidaten erwarten - und was nicht. Sie wollen keine neue Regulierung und vor allem wollen sie keine Sondersteuer auf ihre Aktiengewinne, die zwar Teil ihres Einkommens sind, aber deutlich niedriger als das reguläre Einkommen besteuert werden.

Warum aber leistet sich ein so reiches Land nicht eine saubere, ausschließlich öffentliche Wahlkampffinanzierung, die nicht vom Geruch der Korruption umweht wird? Senator Edward Kennedy hatte einst die öffentliche anstelle der privaten Wahlkampfinanzierung lautstark gefordert: "Das wäre das klügste Investition, die der amerikanische Steuerzahler in die Zukunft seines Landes machen könnte." Das Vorhaben scheiterte im damals republikanisch dominierten Kongress. Aber warum?

Diese Frage stellte ich am Freitag im Washingtoner Mayflower Hotel Ron Paul, der allen Grund hätte nach öffentlichem Wahlkampfgeld zu rufen. Denn die Privatwirtschaft meint es nicht gut mit ihm. Der Arzt und texanische Kongressabgeordnete tritt als Präsidentschaftskandidat an und ist im Wettlauf um Spendergeld weit abgeschlagen. Man tritt ihm wohl nicht zu nah, wenn man feststellt: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird nicht Ron Paul heißen.

Alle paar Jahre drei Dollar

Aber der Republikaner ist tapfer. Schon das Wort "öffentliche Finanzierung" passe ihm nicht, sagt er. Was heiße schon öffentlich, fragte er zurück. Es ist sein Geld, sagte er und zeigte auf Menschen, die an uns vorbei durch die Hotelhalle eilten. "Es ist ihr Geld, Steuerzahlergeld, und warum sollte der Steuerzahler meinen Wahlkampf finanzieren?" Für ihn hat der Satz von Ronald Reagan nichts an Strahlkraft verloren: Der Staat ist nicht die Lösung, er ist das Problem.

Dabei würde der Staat diese zusätzliche Belastung kaum spüren. Der 2004er Wahlkampf zwischen George W. Bush und John Kerry schlug mit 881 Millionen Dollar zu Buche. Diese Summe entspricht einem Anteil am amerikanischen Sozialprodukt von 0,008 Prozent oder 0,04 Prozent des Regierungsbudgets in Washington. Pro Einwohner der USA würde eine öffentlich Wahlkampfinanzierung demnach alle paar Jahre drei Dollar kosten.

Zum Vergleich: Für Tierfutter gibt im Schnitt jeder Einwohner der USA 47 Dollar aus - und das jährlich.

Anmerkung der Redaktion: In einer ursprünglichen Version wurde der Eindruck erweckt, Giuliani sammle in London Spenden bei britischen Finanzmanagern. Tatsächlich können nur US-Bürger spenden. Giuliani gab ein Mittagessen, das mindestens 1000 Dollar Eintritt kostete. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 8 Beiträge
yato 08.10.2007
Kann man die USA eigentlich schon in die Diktaturen der Welt einreihen, seit dem "Bush-Putsch"? Die Industrie und die oberen 10000 kaufen sich die Politik die sie möchten und wenn die Republikaner wegen zu großen [...]
Zitat von sysopDie US-Präsidentschaftskandidaten haben kaum Zeit für ihr Volk. Sie sind auf der Jagd nach Spendergeld und versuchen, Mitfluggelegenheiten in Firmenjets zu erhaschen. Allein das Einsammeln der Spenden verschlingt Millionen. Die Hälfte der Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus ist bereits pleite. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,509957,00.html
Kann man die USA eigentlich schon in die Diktaturen der Welt einreihen, seit dem "Bush-Putsch"? Die Industrie und die oberen 10000 kaufen sich die Politik die sie möchten und wenn die Republikaner wegen zu großen mentalen Defiziten ihres Königs out sind, dann kauft man eben die Demokraten. Man wechselt den Namen, aber der Inhalt bleibt (fast) gleich. Ich fände es absolut Super, wenn da einmal eine neue Partei Zünglein an der Waage spielen würde und dann für etwas Demokratie im verkauften System sorgen würde. Eine Partei, die z.B. aus der MoveOn.org Bewegung herausgehen könnte, oder die US Grünen, oder vielleicht mal Lafontaine statt Schwarzenegger, oder... Tja ich weiß schon - alles Utopie!?
Bernd Paysan 08.10.2007
Die USA bleiben eben eine Plutokratie, denn wieso sollte das Geld die Macht wieder aus den Händen geben? Wenn man mit vergleichsweise lächerlichen Summen einen Kandidaten aufs Podest heben kann, der dann ein vielfaches an Profit [...]
Die USA bleiben eben eine Plutokratie, denn wieso sollte das Geld die Macht wieder aus den Händen geben? Wenn man mit vergleichsweise lächerlichen Summen einen Kandidaten aufs Podest heben kann, der dann ein vielfaches an Profit zurückbringt - warum soll man das abschaffen? Jeder Politiker wird immer eine Floskel im Ärmel haben, um das "dem Volk" zu erklären - wie Ron Paul im Artikel. Dass in der Vergangenheit die besten Spendensammler nicht ans Ziel gelangt sind, zeigt, dass das Volk auch noch ein bisschen zu sagen hat, aber viel ist es nicht. Schließlich sind auch die weniger guten Spendensammler 100% abhängig von ihren Großspendern. Und die Illusion "weniger Staat" ist sehr populär, auch wenn der typisch konservative "weniger Staat" immer mehr Rüstungsausgaben, mehr Geheimdienste, mehr mehr mehr (nur nicht mehr Sozialabgaben) heißt. Das wird aber immer als "patriotische Pflicht", nicht als Teil des Staates verstanden. Man muss nur wissen, wie man etwas verkauft. Und das wissen die Plutokraten auf jeden Fall.
radde 08.10.2007
Wurden für diesen Artikel eigentlich auch Spenden gesammelt? Vllt. von Clinton, Obama oder Giuliani? Dann hätte man es doch dazuschreiben sollen. ..."Diese Frage stellte ich am Freitag im Washingtoner Mayflower Hotel Ron [...]
Wurden für diesen Artikel eigentlich auch Spenden gesammelt? Vllt. von Clinton, Obama oder Giuliani? Dann hätte man es doch dazuschreiben sollen. ..."Diese Frage stellte ich am Freitag im Washingtoner Mayflower Hotel Ron Paul, der allen Grund hätte nach öffentlichem Wahlkampfgeld zu rufen. Denn die Privatwirtschaft meint es nicht gut mit ihm. Der Arzt und texanische Kongressabgeordnete tritt als Präsidentschaftskandidat an und ist im Wettlauf um Spendergeld weit abgeschlagen. Man tritt ihm wohl nicht zu nah, wenn man feststellt: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird nicht Ron Paul heißen."... Entweder mies recherchiert oder Absicht? siehe http://online.wsj.com/article/SB119146668063148662.html (Wall Street Journal Online) Aber ist ja auch konsequent: Ein FED- und Kriegsgegner verträgt sich natürlich nicht mit der derzeitigen politischen Marschrichtung.
larry1977 08.10.2007
Also wenn ich die US-Medien lese dann habe ich den Eindruck als wäre Ron Paul die Positivüberraschung im 3.Quartal des Vorwahlkampfes. 5 Mio. Euro Spendensammlung, dabei kein Großspender sondern Durschnittsspenden von 40 $ je [...]
Also wenn ich die US-Medien lese dann habe ich den Eindruck als wäre Ron Paul die Positivüberraschung im 3.Quartal des Vorwahlkampfes. 5 Mio. Euro Spendensammlung, dabei kein Großspender sondern Durschnittsspenden von 40 $ je Spender. Die letzte Million hat er in kürzester Zeit bei einer Online-Sammel-Aktion gesammelt. Woher hat der Spiegel seine konträren Infos? Wunschdenken? ronpaul.blog.de
Bettelmönch 09.10.2007
Es ist auch ein Widerspruch zu dem, was vorher steht: "(...)Das einzig beruhigende ist der Blick zurück: Es waren meist nicht die emsigsten Geldsammler der frühen Wahlkampfphase, die am Ende die Nominierung ihrer Partei [...]
Zitat von raddeWurden für diesen Artikel eigentlich auch Spenden gesammelt? Vllt. von Clinton, Obama oder Giuliani? Dann hätte man es doch dazuschreiben sollen. ..."Diese Frage stellte ich am Freitag im Washingtoner Mayflower Hotel Ron Paul, der allen Grund hätte nach öffentlichem Wahlkampfgeld zu rufen. Denn die Privatwirtschaft meint es nicht gut mit ihm. Der Arzt und texanische Kongressabgeordnete tritt als Präsidentschaftskandidat an und ist im Wettlauf um Spendergeld weit abgeschlagen. Man tritt ihm wohl nicht zu nah, wenn man feststellt: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird nicht Ron Paul heißen."... Entweder mies recherchiert oder Absicht? siehe http://online.wsj.com/article/SB119146668063148662.html (Wall Street Journal Online) Aber ist ja auch konsequent: Ein FED- und Kriegsgegner verträgt sich natürlich nicht mit der derzeitigen politischen Marschrichtung.
Es ist auch ein Widerspruch zu dem, was vorher steht: "(...)Das einzig beruhigende ist der Blick zurück: Es waren meist nicht die emsigsten Geldsammler der frühen Wahlkampfphase, die am Ende die Nominierung ihrer Partei gewannen. Der Demokrat Howard Dean lag zwischenzeitlich beim Spendensammeln um Längen vor John Kerry - und verlor die Nominierung. Hinter dem begnadeten Spendensammler Dean war der Politiker Dean kaum mehr zu erkennen. Auch der Wahlkämpfer Ronald Reagan war in beiden Wahlkämpfen chronisch geldknapp. Selbst Sunnyboy Bill Clinton, flossen als noch weithin unbekannter Politiker aus Arkansas bei seiner ersten Nominierung nicht die großen Millionenbeträge zu.(...)" Wie kann man dann ein Urteil fällen, daß einem Kandidaten die Aussicht auf das Präsidentenamt kategorisch abspricht??
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