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Friedensnobelpreis für Al Gore Konservative spotten über die Anti-Bush-Trophäe

2. Teil: Nächstes Ziel Uno?

Schon in jenen Jahren war Gore lange ein Umweltaktivist gewesen, stellte das jedoch im Wahlkampf nicht ins Rampenlicht, da es ein noch unpopuläres Thema war. Es waren andere Zeiten: Bush prahlte, Gores erstes Klima-Buch "Wege zum Gleichgewicht" von 1992 nie gelesen zu haben. Er zog "Welt in Angst" des Science-Fiction-Autors Michael Crichton ("Jurassic Park") vor, das die Erderwärmung als Schwindel darstellt. Das gefiel Bush so sehr, dass er Crichton ins Weiße Haus einlud.

Auch heute noch eiert Bush um die Klima-Frage, obwohl er sich neuerdings als Umweltretter geriert, unter anderem kürzlich mit einer eigenen Klimakonferenz als Gegenveranstaltung zu einem Uno-Treffen in der selben Woche. Bei Experten kam diese Show freilich wenig an: "Bis auf viele Worte hat diese Administration eigentlich nichts vorzuweisen", sagte Peter Goldmark, der Klimapolitik-Direktor der Umweltorganisation Environmental Defense, Ende September im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Sogar in den Bereichen, über die sie immer wieder reden - etwa über "neue Technologien", die US-Außenministerin Condoleezza Rice gerade wieder bei den Vereinten Nationen betont hat - sehen wir mehr Rhetorik als Taten."

"Eloquent, leidenschaftlich, unerbitterlich"

Ob Gores Nobelpreis nun "Druck" aufs Weiße Haus ausübe, sich etwa im Streit um zwingende CO2-Emissionsgrenzen anderen Ländern anzunähern, wurde Bushs Sprecher Fratto gefragt. Einsilbige Antwort: "Nein."

Der Chef des Nobelkomitees, Ole Danbolt Mjøs, stritt dezidiert ab, die diesjährige Preisvergabe sei als politisches Zeichen und Rüffel für Bush gedacht. "Das Nobelkomitee hat nie jemandem einen Tritt in die Kniekehle gegeben", sagte Mjøs in Oslo. Eine dumme Wortwahl: Prompt kramten die US-Blogs eine exakt gegenteilige Aussage des damaligen Komiteevorsitzenden Gunnar Berge aus dem Archiv. Der hatte den Friedensnobelpreis an Jimmy Carter 2002 als Kritik an der US-Regierung unter Präsidenten Bush erklärt: "Dies ist ein Tritt in die Kniekehle all derer, die die selbe Linie verfolgen wie die Vereinigten Staaten."

Ungetrübte Freude dagegen herrschte bei den Gore-Jüngern, die den Nobelpreis als letzte Hoffnung sehen, ihren Helden zu einer erneuten Präsidentschaftskandidatur zu bewegen. Die Website der Aktivistenbewegung "Draft Gore", einer von gut einem Dutzend Initiativen, verzeichnete stündlich Tausende neue Unterschriften für eine entsprechende Petition - bis zum Mittag waren es bereits 178.974. "Wir brauchen dich dringend", schrieb einer der Unterzeichner, Don Trislett aus Ohio. "Es ist an der Zeit, das Unrecht eines ordnungswidrig ernannten amerikanischen 'Präsidenten' zu korrigieren", fügte Charles Randall hinzu. Ryan Cacolici aus Florida begnügte sich mit drei Buchstaben: "SOS."

Die Gore-Fans werden von ihrer unbewältigten Wut über das Debakel von 2000 genauso getrieben wie vom Wunsch nach frischem Wind in einem bisher lustlosen Wahlkampf für 2008. Gore sei "das Gewissen der demokratischen Partei", postulierten die Initiatoren von "Draft Gore". "Er ist eloquent, leidenschaftlich, unerbitterlich, unerschrocken."

Uno-Generalsekretär Al Gore?

Doch obwohl die Buchmacher Gores Chancen, der nächste US-Präsident zu werden, von 10:1 auf 8:1 verbesserten, dürfte daraus nichts werden.

Längst ist es zu spät, in den Wahlkampf einzusteigen, und längst schwebt Gore über diesen politischen Niederungen - erst recht jetzt, als Friedensnobelpreisträger.

So ließ denn Gore selbst, der die Nachricht in San Francisco erhielt, wo er für die Senatorin Barbara Boxer Wahlkampf machte, die Rufe nach Wiedergutmachung für 2000 auch heute stoisch unbeantwortet. Er sei "zutiefst geehrt", erklärte er und spendete seine Häfte des Preisgeldes (insgesamt 1,5 Millionen Dollar) an die Alliance for Climate Protection, eine Klimagruppe, deren Board er vorsitzt. "Er hat keine Pläne, 2008 zu kandidieren", hatte Gores Sprecherin noch gestern abend klargestellt.

Jedenfalls nicht fürs Präsidentenamt. Doch ein anderes Amt wurde ins Gespräch gebracht: erster amerikanischer Uno-Generalsekretär.

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