Sonntag, 22. November 2009

Politik



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15.10.2007
 

Rikscha-Report

Burmas Schergen jagen die Schnurrbart-Brüder

Aus Mandalay berichtet Jürgen Kremb

Die Welt protestiert - doch Burmas Militärjunta unterdrückt die Opposition brutal wie eh und je. Jetzt wurde sogar der Chef einer Komödiantentruppe verschleppt. Die "Schnurrbart-Brüder" und die Opposition fürchten um Par Par Lays Leben.

Mandalay – Den Ernst der Lage begriff Lu Maw, 56, erst richtig, als er schon in einem Militärjeep mit verdunkelten Scheiben eingesperrt war. Neben ihm saß ein völlig verängstigter Mann, offenbar ein Mitgefangener, dem man eine schwarze Kapuze über den Kopf gezogen hatte. Einer der Kidnapper nahm Lu Maw in den Polizeigriff. Dann begann das nächtliche Verhör.

Als Mitglied der regimekritischen Komödianten-Gruppe "Schnurrbart-Brüder" ist Lu Maw wahrlich Schikanen und Übergriffe durch die Geheimdienstler von Burmas Militärjunta und ihren Milizen gewohnt. Aber der nächtliche Entführungsversuch durch drei raubeinige Männer in Zivil vor gut zwei Wochen jagte dem zierlichen Mann mit dem weißen Schnauzbart Todesangst ein. "Ich dachte zuerst, die wollen mich umbringen", sagt er im Interview mit SPIEGEL ONLINE in seinem Haus an der 39. Straße in der nordburmesischen Millionenstadt Mandalay.

Darüber, dass er den Vorfall unbeschadet überstanden hat, kann er sich allerdings nicht freuen. Der Künstler kam zwar schnell wieder frei, doch verschleppten die Schergen des gefürchteten Geheimdienstes "Special Branch" noch in derselben Nacht seinen älteren Bruder Par Par Lay, 60. Von dem Komödianten fehlt seitdem jede Spur.

Die Junta scheint es kaum zu stören, dass der Weltsicherheitsrat die Menschenrechtsprobleme in Burma scharf verurteilt hat. Genauso wenig wie die Ermahnungen der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean), die Militärs sollten endlich einen Dialog mit der geknechteten Opposition aufnehmen. "Jede Nacht werden weitere Menschen verschleppt", sagt Lu Maw.

Überfall in der Nacht

Weil die Schnurrbart-Brüder zu den prominentesten Dissidenten der ehemaligen Königsstadt gehören, standen sie ganz oben auf der Fahndungsliste des Regimes. Am einfachen Holzhaus der Komödianten schnappten die Häscher am 25. September zu, kurz vor Mitternacht. "Ich saß noch im Eingang unseres Hauses, als drei Männer aus der Dunkelheit der Straße hereinstürmten und mich in ihr Auto zerrten", sagt Lu Maw. Es waren die Tage, in denen die Proteste der Mönche in zahlreichen burmesischen Städten auf den Höhepunkt zutrieben. In Mandalay schlossen sich die Schurrbart-Brüder den Demonstrationen an.

Die professionellen Possenreißer hatten aus ihrer Unterstützung für die Oppositionspartei, die "Nationale Liga für Demokratie" (NLD), nie einen Hehl gemacht - und dafür schon einmal schwer büßen müssen. Es war am 4. Januar 1996, dem Unabhängigkeitstag des südostasiatischen Landes. Par Par Lay, der eigentliche Kopf der Gruppe, und sein Vetter Lu Zaw waren in das Haus der NLD-Führerin Aung San Suu Kyi nach Rangun eingeladen. Künstler und Musiker aus dem ganzen Land waren zu Gast. Par und Zaw taten das, was sie besonders gut können: Sie rissen urkomische Witze über die desolate Lage der Wirtschaft, spotteten und ätzten über die regierenden Generäle, witzelten über die Korruption im Land. Das ist nicht ungefährlich. Burmas Generäle haben keinen Humor. Als die beiden Clowns zuhause ankamen, wartete schon der Geheimdienst auf sie.

Für die kommenden sieben Jahre verschwanden die beiden Künstler in dem gefürchteten Gulag-Systems des südostasiatischen Landes. Die Zustände dort sind grausam. Ständig mit Fußeisen gefesselt, mussten sie Steine klopfen, Äcker pflügen und Straßen planieren. Erst nachdem sich weltweit prominente Künstler wie der italienische Schriftsteller und Dramaturg Dario Fo für die beiden Kollegen aus Burma einsetzten, kamen sie wieder frei.

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