Aus Mandalay berichtet Jürgen Kremb
Es war eine Freiheit mit Auflagen. Öffentlich durften sie nicht mehr auftreten. Hunderte Zuschauer hatten sich früher zu ihren Ulkshows versammelt. Jetzt hielten sie sich mit Vorstellungen vor Touristen über Wasser.
Dazu zimmerten sie in ihrem Haus eine Bühne aus Holzpaletten zusammen. Auf Englisch und gegen die "Solidaritätsgebühr von fünf Dollar" machten sie in ihrem Wohnzimmer allabendlich Witze über "Burmas KGB" und die Unzulänglichkeiten des korrupten Überwachungsstaates ("1984 ist jedes Jahr hier"). Sie führten Folkloretänze auf und verkauften T-Shirts. Das garantierte ein karges Überleben.
Ungebrochener Wille zum Widerstand
Ihr Wille zum Widerstand blieb ungebrochen. An der Wand hängen Bilder der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Als sie einmal kurz nicht unter Hausarrest stand, reiste sie unter anderem nach Mandalay und stattete den mutigen Clowns einen Besuch ab. Ein Ereignis, zu dem mehr als 2000 Schaulustige und Sympathisanten vor dem Haus der Schnurrbartmänner ausharrten, um einen Blick auf die Ikone des Freiheitskampfes in ihrer Heimat zu erhaschen.
Spätestens seither sind die drei Schnurrbart-Brüder unter intensiver Beobachtung - sie gelten dem Regime als Risiko, vor allem Par Par Lay. "Im ersten Moment dachte ich, jetzt holen mich die Geheimdienstler ab, weil ich sie immer lächerlich gemacht habe", sagt Lu Maw über die Nacht seiner Entführung. Tatsächlich wollten die Geheimdienstler von ihm wissen, wo Bruder Par Par Lay steckt. Er war in jener Nacht im Gemeinschaftshaus seines Wohnbezirks, kochte Reis und Gemüse - Almosen, die er am kommenden Morgen den protestierenden Mönchen spenden wollte. "Als sie Par Par Lay gefunden hatten, warfen sie mich einfach auf die Straße, zogen ihm eine Kapuze über den Kopf und verschwanden in der Nacht", sagt Lu Maw.
Wo Par Par Lay nun ist - keiner aus seinem Umfeld weiß es. Seine Frau suchte erst Polizeistationen in ihrem Wohnbezirk ab, dann das Zentralgefängnis von Mandalay und schließlich das Hauptquartier der "Special Branch", um ihrem Mann frische Kleidung und Nahrung zu bringen. Aber überall erhielt seine Frau die gleiche Antwort: "Wir kennen ihren Mann nicht."
Par Par Lay braucht dringend Medikamente, denn seit seiner letzten Haftzeit leidet er an schweren Hauterkrankungen. Die Inhaftierten bekommen nicht genug zu essen.
Lu Zaw und Lu Maw, die zurückgebliebenen Schnurrbart-Brüder, sind traurige Clowns dieser Tage. Sie fürchten, ihren Bruder und Vetter, Par Par Lay, Burmas mutigsten Clown nie mehr wieder zu sehen.
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