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Folter-Verhöre "Jeder hat eine dunkle Seite"

2. Teil: "Jeder hat eine dunkle Seite"

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie bei den Demokraten jemanden, der das Thema anpacken könnte?

Gibney: Leider ist das bis jetzt ein Thema, das die Demokraten nicht anfassen wollen. In Fragen der nationalen Sicherheit gelten sie traditionell als soft. Aber die Demokraten spüren, dass die Leute immer noch Angst haben - und Führungspersönlichkeiten wollen, die tun, was immer in Kriegszeiten notwendig ist.

SPIEGEL ONLINE: Wer kann das Eis brechen?

Gibney: Ironischerweise ist der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain (der als Kriegsgefangener während des Vietnamkriegs gefoltert wurde, Anm. d. Red.) der Beste in dieser Frage. Er hat es geschafft, dass viele Senatoren 2006 für sein Detainee Treatment Amendment stimmten. (Das Amendment verbietet Folter, doch Bush hat es mit einem "Signing Statement" belegt, was heißt, dass er es anders interpretieren oder ganz ignorieren kann, Anm. d. Red.)

SPIEGEL ONLINE: Ihr Film spricht die "dark side" an, die dunkle Seite in uns allen.

Gibney: Ich glaube, dass jeder eine dunkle Seite hat. Deshalb widerspreche ich der These von den schwarzen Schafen auch so energisch. Denn bis zu einem gewissen Grade sind wir alle schwarze Schafe.

SPIEGEL ONLINE: Dabei bestätigen doch auch Ihre Interviews mit den Soldaten, dass Informationen wertlos sind, die durch Folter erzwungen wurden.

Gibney: Ja. Was erreichst du mit Folter? Du erreichst, dass dir das Opfer genau das sagt, was du hören willst.

SPIEGEL ONLINE: Warum wird Folter dann überhaupt noch angewendet?

Gibney: Ich glaube nicht, dass irgendjemand in der US-Regierung sich die Geschichte dieser Methoden angeschaut hat. Wer die Fachliteratur liest, sieht, dass erfahrene Verhörführer die Methoden ablehnen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Verantwortung tragen die US-Medien?

Gibney: Das Fernsehen hat in dieser Frage weitgehend versagt. Allerdings gab es außerordentlich viele, sehr gute investigative Presseberichte dazu - in der "New York Times", der "Washington Post", dem "New Yorker". Man kann also nicht behaupten, dass es keine Informationen gab.

SPIEGEL ONLINE: Was muss geschehen, damit sich etwas ändert?

Gibney: Es obliegt dem Volk, sich zu empören und die Politiker zum Handeln aufzufordern. Wir müssen diejenigen zur Verantwortung ziehen, die uns auf die dunkle Seite gebracht haben. Es geht um so viel mehr als Abu Ghureib. Folterverhöre korrumpieren den Geist, die Rechtsstaatlichkeit und schaden unseren Soldaten. Letztendlich sind unsere Werte, unsere Gesellschaft in Gefahr.

Das Interview führte Marc Pitzke

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