Oslo - Der frisch gekürte Friedensnobelpreisträger Al Gore schloss eine Kandidatur bei der US-Präsidentenwahl heute erneut aus. "Ich habe keine Pläne, wieder als Kandidat anzutreten", sagte der ehemalige US-Vizepräsident dem norwegischen Fernsehsender NRK auf die Frage, inwieweit der Preis seine politische Zukunft beeinflussen werde. Er sehe die Auszeichnung nicht im Zusammenhang mit einer erneuten Kandidatur.
Gore war am Freitag gemeinsam mit dem Uno-Klimarat mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. Auf der anschließenden Pressekonferenz hatte er sich nicht über eine Kandidatur für die US-Präsidentschaft geäußert. Dies gab den ohnehin kursierenden Spekulationen neue Nahrung, er werde sich möglicherweise doch um die Kandidatur der Demokratischen Partei für die Wahl im kommenden Jahr bewerben. Der frühere Vizepräsident unter Bill Clinton hatte die Wahl im Jahr 2000 nur knapp gegen den derzeitigen Amtsinhaber George W. Bush verloren.
Gore betonte nun, er führe eine andere Art von Kampagne, nämlich eine weltweite Kampagne für einen Bewusstseinswandel angesichts der drohenden Klimakatastrophe.
In Folge des Nobelpreises hatten sich Tausende Menschen einer Petition angeschlossen, die Gore zu einer Kandidatur auffordert. Die Zahl der Unterschriften stieg innerhalb von vier Tagen nach der Verkündung des Nobel-Komitees um rund 70.000 auf mehr als 200.000 an, wie die Initiatoren der Petition gestern mitteilten. Die Website der Initiative mit dem Namen Draft Gore wurde nach Angaben des Internetbeobachters Alexa.com allein am Freitag 100.000-mal angeklickt.
Dabei hat der Nobelpreis Gore Meinungsforschern zufolge keinen großen Popularitätsschub beim Wählervolk gebracht. So erklärten bei einer gestern veröffentlichten Umfrage 54 Prozent der Amerikaner, sie seien gegen eine Kandidatur Gores, 41 Prozent befürworteten sie dagegen. Im März lagen diese Werte bei 57 zu 38 Prozent. Selbst in seiner eigenen Demokratischen Partei hätte eine Kandidatur Gores nur eine Zustimmung von aktuell 48 Prozent, im März waren es 54 Prozent.
phw/AP/AFP/Reuters
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH