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Kampf gegen PKK-Extremisten Türkisches Parlament erlaubt Militärschlag im Nordirak

2. Teil: Ankara droht Washington

Sollte der US-Kongress diese Resolution annehmen, drohte der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit in einem Interview am Wochenende, "werden die Militärbeziehungen zwischen der Türkei und den USA nie mehr wieder so sein wie jetzt". Eine Drohung, die in Washington offenbar Ernst genommen wird. Schon jetzt fordert die ultranationalistische MHP, den US-Stützpunkt im südtürkischen Incirlik zu schließen, und den Grenzübergang in den Irak ebenfalls dicht zu machen.

Beides würde die US-Truppen im Irak empfindlich treffen. Über Incirlik wickelt das Pentagon fast 70 Prozent des gesamten Nachschubs ab und mindestens ein Viertel des Sprits der US-Armee kommt mit Tanklastern aus der Türkei. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" sucht das Pentagon bereits nach Alternativrouten über Jordanien und Kuweit, doch beides ist umständlich und gefährlich.

Es hängt also auch für Bush einiges davon ab, ob es ihm gelingt, seine kurdischen Alliierten im Nordirak davon zu überzeugen, dass sie nun dafür sorgen müssen, dass die kurdisch-türkische PKK ihre Angriffe in der Türkei zu mindestens vorläufig einstellt. Gestern sagte der türkische Regierungssprecher Cemil Cicek: "Wir hoffen, dass wir von der Ermächtigung des Parlaments für eine Militäraktion im Nordirak keinen Gebrauch machen müssen, doch es ist klar, dass im Falle eines neuerlichen spektakulären Angriffs der PKK ein Einmarsch erfolgen würde."

Vormarsch von 20.000 Soldaten?

Obwohl die türkische Armee bestreitet, schon ein fertiges Einsatzszenario zu haben, werden in den Medien drei mögliche Varianten diskutiert. Die weitestgehende ist ein Vormarsch von rund 20.000 Soldaten auf eine ungefähr 40 Kilometer tiefe Linie, um im Nordirak eine Pufferzone zu schaffen, die es PKK-Militanten unmöglich machen soll, weiterhin vom Nordirak aus in die Türkei einzudringen. Die zweite Variante sieht einen vorübergehenden Einmarsch mit dem Ziel vor, die Lager der PKK im Nordirak anzugreifen und so die Logistik der Guerilla zu zerstören um sich danach wieder auf türkisches Territorium zurückzuziehen. Das dritte wäre eine weitere Truppenmassierung auf türkischer Seite begleitet von Luftangriffen im Nordirak.

Noch sind die Kriegstrommeln allerdings hauptsächlich dazu gedacht, den politischen Forderungen der Türkei den notwendigen Nachdruck zu verleihen. Erdogan ist sich der Folgekosten eines Einmarsches im Nordirak durchaus bewusst. Heute Morgen wurden die EU-Botschafter im Außenministerium gebrieft, um innerhalb der EU um Verständnis für die türkische Haltung zu werben.

Das entscheidende politische Treffen aber wird am 5. November stattfinden. Obwohl einige Hardliner in seiner Partei versucht haben, ihn zu einem Rückzieher zu überreden, hat sich Erdogan entschlossen, sein mit Präsident Bush für den 5. November vereinbartes Treffen in Washington wahrzunehmen. Zwar glaubt man in Ankara nicht mehr daran, dass Bush noch dazu in der Lage ist, einen Völkermord-Beschluss in Sachen Armenien im Kongress zu verhindern, umso mehr erwartet Erdogan allerdings verbindlich Zusagen, dass die US-Armee und die irakischen Kurden zukünftig gegen die PKK im Nordirak vorgehen werden. Kommt er aus Washington mit leeren Händen zurück, wird Erdogan die Armee kaum mehr zurückhalten können.

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