Washington - "Ich bewundere den Dalai Lama." Die Wertschätzung, die George W. Bush dem geistigen Oberhaupt der Tibeter heute auf einer Pressekonferenz in Washington zu Teil kommen ließ, wird bei der chinesischen Führung nicht gerade beschwichtigend wirken. Massiv hat Peking gegen den - vom Weißen Haus als privat deklarierten - Empfang des Dalai Lama gestern beim US-Präsidenten protestiert, dazu die für heute Abend im US-Kongress vorgesehene Ehrung verurteilt. Doch die Kritik perlt an Bush ab.
Bush hob heute vor Journalisten das Eintreten des Dalai Lamas für Glaubensfreiheit hervor und forderte China zugleich zu einem Kurswechsel in ihrer Politik gegenüber dem 72-jährigen Friedensnobelpreisträger auf. Auch die politische Führung in Peking solle das Gespräch mit dem Dalai Lama suchen.
"Es liegt in ihrem Interesse, sich mit dem Dalai Lama zu treffen", sagte Bush mit Blick auf die chinesische Regierung. "Wenn sie sich mit ihm zusammensetzen würden, dann könnten sie feststellen, dass er ein Mann des Friedens und der Versöhnung ist." Bush fügte hinzu, er glaube nicht, dass seine Begegnung mit dem Dalai Lama die Beziehungen zwischen China und den USA beschädigen werde.
Am Nachmittag Ortszeit wollte Bush an einer Zeremonie zu Ehren des Dalai Lama im US-Kongress teilnehmen. Es sollte der erste gemeinsame öffentliche Auftritt eines amtierenden US-Präsidenten mit dem Dalai Lama sein, der die Goldmedaille des Kongresses, die höchste zivile Auszeichnung des US-Parlaments, verliehen bekommen sollte. Nach Angaben von Bushs Sprecherin sei zu diesem Anlass auch ein gemeinsames Foto geplant.
Das Außenministerium in Peking wertete das Treffen zwischen Bush und dem Dalai Lama im Weißen Haus laut der Nachrichtenagentur Xinhua als "grobe Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten". China nehme den USA ihren Empfang des Dalai Lama sehr übel, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchai, nach Angaben von Xinhua. "Wir haben die USA dringend gebeten, dieses Fehlverhalten zu korrigieren und jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas zu beenden."
China nennt Ehrung eine Farce
Der Chef des Amts für religiöse Angelegenheiten, Ye Xiaowen, bezeichnete die Ehrung des Dalai Lama durch den US-Kongress als Farce. Am Rande des Parteitages der regierenden Kommunistischen Partei warf Ye dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter am Mittwoch vor, seit langem die Spaltung Chinas zu betreiben. Er forderte den Dalai Lama auf, seine Träume über eine Unabhängigkeit Tibets aufzugeben.
Der Besuch des Dalai Lama werde sicherlich einen Schatten auf die Beziehungen zwischen den USA und China werfen, hieß es in einem Leitartikel der staatlichen englischsprachigen Zeitung "China Daily". Ende September hatte ein Treffen des Dalai Lama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das deutsch-chinesische Verhältnis getrübt. Ähnlich erging es Österreich und Australien.
China sagte ein ursprünglich für heute in Berlin geplantes Treffen mit den USA zum iranischen Atomprogramm aus "technischen Gründen" ab. Ein US-Außenamtssprecher vermutete eine "Verstimmung" Pekings als Grund für die Verschiebung. Die Bundesregierung bedauerte die Absage. Der Termin werde hoffentlich bald nachgeholt, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin.
phw/AFP/dpa/AP/Reuters
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