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Osteuropa Rechtsradikale Gespenster der Vergangenheit

2. Teil: Auch in anderen osteuropäischen Ländern machen sich die Rechtsextremisten breit

Auch in anderen Ländern im östlichen Europa sind rechte Gesinnungstäter auf dem Vormarsch: In der Slowakei haben sie es gar in die Regierung geschafft, die "Slowakische Nationalpartei" von Jan Slota ist bekannt für ihre Hetze gegen Roma, Juden und Andersdenkende. Das grölende Fußvolk namens "Slovakia Hammer Skins" und "Slovakia Rebel Klan" gibt derweil auf den Straßen kleinerer Provinzstädte wie Trnava und Nove Mesto den Ton an. Die Bewegung, konstatiert der Verfassungsschutz in Bratislawa besorgt, werde "zunehmend radikaler".

Im Nachbarland Tschechien johlen rechte Fußballrowdies in den Stadien antisemitische Parolen und rassistische Hass-Songs. Pavel Horvath, Mittelfeldspieler beim Fußballrekordmeister Sparta Prag, grüßte jüngst vom satten Grün mit seiner rechten Hand – provozierend erhoben zum Hitlergruß.

Am ungehemmtesten gehen Neonazis wohl aber im Reich von Wladimir Putin vor. Die Jagd auf Homosexuelle steht nahezu auf der Tagesordnung. Und auch andere müssen um ihr Leben bangen: Ende Juli überfiel eine Horde rasender Skinheads im sibirischen Angarsk in einem Zeltlager nachts eine Gruppe von Atomkraftgegnern, einen 26-jährigen Umweltaktivisten prügelten sie mit Schlagstöcken zu Tode.

Die Springerstiefelfraktion im Osten, warnt das Ungarische Amt für Nationale Sicherheit, ist untereinander bestens verdrahtet. Kontakte laufen dabei nicht nur über die länderübergreifend agierende "Blood & Honour" oder deren Tarnorganisationen, man trifft sich auch bei Konzerten, wo dann Skinheadbands wie "Gesunde Kopfhaut" oder "Karpatia" ihre rassefeindlichen Ideologien lautstark zum Besten geben.

Viele hat der Wohlstandszug in Osteuropa zurückgelassen

Woher aber kommt dieser Zulauf, dieser verbreitete Hass gegen alles, was fremd, was anders ist? Auf den ersten Blick regiert in vielen Ländern zwar der Wohlstand, zwischen Budapest und Moskau demonstrieren Wendegewinnler mit dicken Geländewagen PS-stark ihren frisch erworbenen Reichtum. Hinter der Fassade indes regiert die Armut, die Massen sind bei den politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen auf der Strecke geblieben. Nur wenige Kilometer weiter von Budapests Prachtmeile etwa, der Andrássy út, auf der westliche Designlabels ihre Produkte feilbieten, stehen hagere Rentner in Suppenküchen an, um überhaupt über die Runden zu kommen.

"Die Umwälzungen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs sind brutaler als zur Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren", konstatiert der Budapester Historiker Krisztián Ungváry. "Das ist fruchtbarer Nährboden für Demagogen." Und die finden sich selbst bei den etablierten Parteien.

Als sich in Budapests mächtigem neugotischen Parlament alle Fraktionen von der neugegründeten "Ungarische Garde" distanzierten, hielt sich eine Partei auffallend zurück: die Jungdemokraten (Fidesz) von Oppositionspolitiker Viktor Orbán. Der erklärte Sozialistenhasser geht schon seit langem mit aggressiver Rhetorik am äußersten rechten Rand auf Stimmenfang. Nun kommt ihm die Unterstützung der gewaltbereiten Rechten ganz gelegen. In etlichen Städten und Gemeinden ist der für seine Brandreden bekannte Jurist mit den Ultranationalisten von Jobbik bereits Koalitionen eingegangen, auch in der Hauptstadt geht Orbán mit den Rechten auf Tuchfühlung, etwa im ärmlichen Plattenbauviertel von Neu-Pest. Sowohl Orbán als auch Vona verfolgen nur ein Ziel: den Sturz der "Mafiaregierung".

Im Rasenmähersaal in Kecskemét hören die Versammelten derweil, dass der Jüdische Weltkongress sich über die Gründung der „Nationalen Garde“ besorgt geäußert hat. Doch Vona, der junge Volkstribun, lässt sich durch derartige Einwände nicht beirren. Am Sonntag sollen seiner Rechtstruppe bei einer pompösen Zeremonie auf dem Budapester Heldenplatz weitere Freiwillige beitreten. Diesmal werden es es gleich Hunderte sein, verspricht Vona.

Es klingt wie eine Drohung.

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