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21.10.2007
 

KP-Parteitag in Peking

"Der Aufwand überstieg jede Vorstellungskraft"

Am Sonntag ist der Kongress der Kommunistischen Partei (KP) Chinas in Peking zu Ende gegangen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 34-jährige Informatiker Hu Jia, mit welchen massiven Sicherheitsvorkehrungen sich die Parteispitze vor Demonstranten und Bittstellern schützte.

SPIEGEL-ONLINE: Waren die Sicherheitsvorkehrungen für den 17. KP-Parteitag stärker als für die Kongresse vor fünf und zehn Jahren?

Ein Demonstrant wird von Ordnungskräften abgeführt: Der Mann hatte nahe dem Veranstaltungsort des KP-Kongresses "Nieder mit der Korruption" gerufen
AP

Ein Demonstrant wird von Ordnungskräften abgeführt: Der Mann hatte nahe dem Veranstaltungsort des KP-Kongresses "Nieder mit der Korruption" gerufen

Hu Jia: Ja, der Aufwand in diesem Jahr überstieg jede Vorstellungskraft und jedes logische Verständnis normaler Menschen. Auf jeden Einzelnen der 2213 Delegierten kamen, wie ich ausgerechnet habe, 492 Wachleute jeder Art. Die Armee um Peking wurde in Kampfbereitschaft versetzt. Die Regierung mobilisierte 820 000 zivile Helfer, darunter Nachbarschaftskomitees, Straßenfeger. Man sah sie überall mit ihren roten Armbinden.

SPIEGEL-ONLINE: Wovor hatte die Partei Angst?

Hu Jia: Es gibt in China keinen Terrorismus, Peking ist nicht Bagdad. Die Sicherheitsmaßnahmen konnten also nur gegen normale Bürger gerichtet sein, gegen Beschwerdeführer, Dissidenten, Demonstranten und jene, die anderer Meinung sind als die Partei.

SPIEGEL-ONLINE: Das erklärt noch nicht die große Furcht vor diesen Leuten.

Hu Jia: Es ist schwer zu erklären, warum die Partei so hysterisch ist. Sie fühlt wohl ein Gefühl der Schuld und der Unsicherheit. Sie fürchtet, dass sogar eine kleine Gruppe von Bittstellern auf dem Tiananmen-Platz die Grundlagen des Staates und der Partei gefährdet und das Bild einer "Harmonischen Gesellschaft" zerstört. Es gibt das chinesische Wort:"Sogar Baum und Gras können zu Feinden werden."

SPIEGEL-ONLINE: Wie haben Sie den Parteitag erlebt?

Hu Jia: Viele Bittsteller wurden abgefangen und nach Hause geschickt, andere festgenommen. Ich selbst habe seit dem 18. Mai keine persönliche Freiheit mehr. Ich darf mein Wohnhaus nicht verlassen. Wenn ich meine schwangere Frau ins Krankenhaus zur Untersuchung begleiten will, muss das Ministerium für Öffentliche Sicherheit vorab informiert werden. Dann folgen uns zwölf Polizisten in drei Fahrzeugen. Sogar zwei Beamte der Bewaffneten Polizei sitzen in einem Auto vor unserem Haus. So etwas hat es noch nie gegeben.

SPIEGEL-ONLINE: Aber Sie dürfen telefonieren.

Hu Jia: Ja. Das Telefon wird aber abgehört.

Das Interview führte Andreas Lorenz

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