• Drucken
  • Senden
  • Feedback
22.10.2007
 

Kurden-Konflikt

USA bittet Türkei um Zurückhaltung - für ein paar Tage

Blutige Eskalation des Kurden-Konflikts: Dutzende Menschen starben bei Gefechten im Grenzgebiet zum Irak. Präsident Gül beharrt auf einem entschlossenen Vorgehen gegen die PKK, die US-Außenministerin Rice bat die Türkei indes um einen Aufschub der geplanten Militäraktion.

Ankara - Es waren die seit Jahren blutigsten Kämpfe zwischen kurdischen Rebellen und türkischen Soldaten: Bei Gefechten im irakischen Grenzgebiet sind mindestens 44 Menschen getötet worden, darunter 17 türkische Soldaten.

Türkischer Armee-Hubschrauber im Grenzgebiet zum Irak: Zwölf Soldaten starben bei Kämpfen mit kurdischen Rebellen
REUTERS

Türkischer Armee-Hubschrauber im Grenzgebiet zum Irak: Zwölf Soldaten starben bei Kämpfen mit kurdischen Rebellen

Nach einer Krisensitzung in Ankara bekräftigte Präsident Abdullah Gül die Entschlossenheit der Türkei, die PKK zu zerschlagen. Die Türkei respektiere zwar die territoriale Integrität des Irak, hieß es in der Erklärung des Staatschefs. Sie werde aber "nicht davor zurückschrecken, jeden nötigen Preis zum Schutz ihrer Rechte, ihrer Gesetze, ihrer unteilbaren Einheit und ihrer Bürger zu zahlen". Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte, US-Außenministerin Condoleezza Rice habe um den Aufschub einer Militäraktion gegen die kurdische Separatistenorganisation PKK um einige Tage gebeten.

Am Mittwoch hatte das türkische Parlament grundsätzlich grünes Licht für einen Militärschlag gegeben - seitdem verhärteten sich die Fronten zwischen der türkischen Armee und der PKK. Die Rebellen drohten unter anderem damit, im Falle eines tatsächlichen Angriffs der türkischen Armee Öl-Pipelines in die Luft zu sprengen.

US-Präsident George W. Bush stellte sich in einer Erklärung hinter die türkische Regierung und verurteilte die Angriffe vom Sonntag. Derartige Attacken müssten aufhören, ließ er in Washington erklären. Die USA würden weiterhin geschlossen an der Seite der Türkei und des Irak im Kampf gegen die Aufständischen stehen. Bush übermittelte den Familien der Opfer sein Beileid.

Der irakische Präsident Dschalal Talabani, ein Kurde, forderte die PKK-Rebellen auf, ihre Waffen niederzulegen oder den Irak zu verlassen "und hier keine Probleme zu schaffen". Allerdings sehe sich seine Regierung nicht in der Lage, die PKK zu bekämpfen, sagte er nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Kurdenregion, Massud Barsani.

Das Blutbad an der türkisch-irakischen Grenze war am Sonntagmorgen von Kämpfern der Kurdischen Arbeiterpartei PKK gestartet worden. Sie überfielen am frühen Morgen einen Konvoi der türkischen Streitkräfte. 17 türkische Soldaten kamen dabei nach jüngsten Angaben ums Leben. Die türkischen Streitkräfte starteten daraufhin eine Offensive gegen die Rebellen und töteten nach Militärangaben mindestens 32 von ihnen. Bei dem von Kampfflugzeugen unterstützten Einsatz seien 63 mutmaßliche Ziele mit Granaten beschossen worden, gab das Militär bekannt.

Es gibt bisher keine offiziellen Angaben dazu, ob die Ziele innerhalb der Türkei oder jenseits der Grenze im Nordirak lagen. Der private Fernsehsender NTV meldete jedoch, es seien Ziele im Irak angegriffen worden.

Nach Angaben des örtlichen Gouverneurs explodierte in der Region wenig später eine Bombe und traf einen Kleinbus, 17 Menschen erlitten Verletzungen. Ein irakischer Offizier berichtete, türkische Truppen hätten außerdem kurdische Dörfer im Grenzgebiet beschossen. Opfer habe es nicht gegeben.

Die PKK hat nach eigenen Angaben türkische Armeeangehörige in ihrer Gewalt: "Türkische Truppen haben in der vergangenen Nacht versucht, im Gebiet Hakkari nach Kurdistan einzudringen", sagte PKK-Vertreter Abd al-Rahman al-Schadirschi heute im nordirakischen Erbil. "Wir haben eine Gruppe gefangen genommen und werden ihre Zahl später mitteilen." Der Nachrichtensender CNN-Türk berichtet, zehn türkische Soldaten würden vermisst. Ob die türkischen Soldaten auf türkischem oder irakischem Gebiet gefangen genommen wurden, sagte der PKK-Vertreter nicht. Hakkari liegt in der Türkei, unweit der Grenze zum Irak.

Die PKK kämpft seit fast 30 Jahren für mehr Autonomie in den Kurdengebieten. Die Gruppe wird von den USA und der EU als terroristische Vereinigung eingestuft.

reh/Reuters/dpa/AFP/AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP