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Terror gegen die Türkei In den Höhlen der Turnschuhguerilla

Sie züchten ihren eigenen Kaffee, waschen sich mit selbstgemachtem Shampoo, abends gibt’s am Lagerfeuer Lektionen in Marx und Engels. In den schroffen Bergen im Nordirak haben sich die Rebellen der kurdischen PKK in Höhlen eingegraben. Die Kriegs-Drohungen der Türken stacheln sie an: "Wir sind zu allem bereit."

Rania - Die Macht der irakischen Regierung endet schon 40 Kilometer vor der Türkei. "Ich registriere Sie, dann sind Sie auf eigene Verantwortung unterwegs", sagt der Grenzschützer zu uns. In seiner zerschlissenen Uniform steht er neben seinem provisorischen Checkpoint, keine halbe Stunde entfernt von der nordirakischen Stadt Rania. Seine Station besteht nur aus ein paar Autoreifen und weißen Plastikstühlen. Per Hand notiert er die Namen auf einem Zettel. Dann salutiert er spaßeshalber. "Ab nun seid ihr im Gebiet der PKK", sagt er, "willkommen bei den Turnschuhguerillas".

Die Truppe ist leicht zu finden, dafür, dass sie mit blutigen Anschlägen die Türken terrorisiert, Zehntausende zu wütenden Anti-PKK-Demonstrationen auf die Straßen treibt und die Regierung in Ankara bereits mit einem Einmarsch im Nordirak droht. Keine 20 Autominuten dauert es auf der kurvigen Straße in Richtung türkische Grenze, immer den Fluss entlang, die Berge hinauf. Dann sind wir bei den Kämpfern. Im Gegensatz zu den offiziellen Grenzern sieht ihr Kontrollpunkt recht solide aus. Gelb getüncht ist das einstöckige Beton-Gebäude am Fuß des Bergpasses. Leuchtend flattern zwei PKK-Fahnen an langen Stahlstangen. Auf dem Dach Satellitenschüssel und viele Funkantennen.

Es ist immer das gleiche Ritual - egal auf welcher der rund einem halben Dutzend Straßen wir diese Woche vom Nordirak in Richtung Türkei fahren. Stets verabschieden uns etwa 30 oder 40 Kilometer vor der Grenze Regierungs-Soldaten mit dem Hinweis, dass man nun auf eigenes Risiko unterwegs ist. Dass die militante PKK kurz hinter den Checkpoints das Grenzgebiet kontrolliert, sagen die Soldaten offen. Die Guerilla gehört zum Establishment - auch wenn die kurdischen Politiker offiziell beschwören, die Kampftruppe unterhalte im irakischen Kurdistan "keine Büros" mehr.

Statt Büros hat die PKK Berghöhlen, an Selbstbewusstsein mangelt es den Kämpfern nicht. Die Drohungen der Türken haben Kommandeure und Fußsoldaten angestachelt. Die weltweite Aufmerksamkeit stärkt den Stolz, beim Tee ist fast jeder Satz kraftvolle Propaganda. Seit 1999, als die Türkei den PKK-Führer Öcalan festsetzte, stand die PKK nicht mehr so im internationalen Fokus. Öcalans Bildnis ist heute im PKK-Land dauerpräsent. Mild lächelt er auf einem riesigen Steinmosaik von einem der Gipfel in den Qandil-Bergen, dem zerklüfteten Rückzugsareal der Krieger.

Im Gegensatz zu den Sicherheitskräften in Kurdistan wirken die PKK-Mitglieder streng organisiert. Alle tragen die typischen grünen Uniformen, bestehend aus einer weiten Pluderhose und einem offenen Hemd. Die Kleidung sei "made by guerilla, nichts werde von Kindersklaven unter imperialistischem Druck hergestellt", doziert Kämpfer Shuresh gleich zu Anfang eines Besuchs. Einen Rang hat er nicht. "So etwas gibt es nicht bei uns", belehrt er uns, "wir sind alle gleich." Es ist der Anfang einer Lehrstunde über eine Kampftruppe, die sich gern selbst medial inszeniert.

Shuresh ist wohl ein typisches Beispiel eines PKK-Kämpfers. Männer wie er wirken auf den ersten Blick harmlos. Und doch machen gerade sie die Truppe hochgefährlich. 34 Jahre alt ist der in der Türkei geborene Kurde, das harte Bergleben hat ihn altern lassen. Wie fast alle anderen trägt er zwei Handgranaten am Gürtel, eine Casio-Funktionsuhr, eine AK-47 und natürlich die beige-braunen "Mekap"-Turnschuhe. Seit mehr als 18 Jahren ist er dabei. Angeworben, nachdem die türkische Armee sein Dorf verwüstete. "Ich habe nur das Kämpfen gelernt, das werde ich bis zur Rente machen", sagt er. Alternativlosigkeit war schon immer eine gute Motivation.

Die Truppe von Shuresh ist gut ausgerüstet. Als inoffizieller Subkommandeur trägt er ein Funkgerät und Funktelefone bei sich. Seine Männer sind ein lebendes Waffenarsenal. Einer schleppt ein schweres Maschinengewehr, sein Kamerad hantiert unangenehm leichtfertig mit einer Panzerfaust. Während wir reden, nehmen sie immer neue Positionen ein, loten das Gelände aus. "Wir tun niemandem etwas", lächelt Shuresh, "wir verteidigen uns nur". Von den angeblichen Attacken der Türken will er nichts wissen. "Sie sollen nur feuern", gibt sich der Kommandeur absichtlich gelassen, "wir haben keine Basen, worauf sollen sie denn zielen".

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