Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Dabei hat Thompson ja eine Menge vorzuweisen. Mit gerade 30 Jahren fungierte er als juristischer Chefberater der Republikaner im Watergate-Untersuchungsausschuss. Er diente als erfolgreicher Staatsanwalt, Anwalt und Lobbyist. Den neuen Chef des Obersten Gerichtshofes, John Roberts, lotste er voriges Jahr durch dessen Senatsanhörungen. Acht Jahre saß Thompson für Tennessee im Senat - wo er sehr beliebt war, obwohl er keinen Hehl daraus machte, sich für die mühsamen Details der Gesetzgebungsarbeit wenig zu interessieren. Zudem hat Thompson in seiner späten Fernseh- und TV-Karriere schon jede Menge "Leaders" gespielt. Präsidenten, Generäle - oder im TV-Dauerbrenner "Law and Order" einen imposanten Staatsanwalt.
Doch auch dabei ließ es Thompson gerne ruhig angehen. "Es ist, als ob man Geld auf der Straße findet", hat er das entspannte TV-Geschäft zufrieden zusammengefasst. Es heißt, Thompson habe das lukrative Angebot, Chef der Hollywoodlobby in Washington zu werden, ausgeschlagen - weil er dann an fünf Tagen in der Woche arbeiten müsste statt wie als Schauspieler an zwei. Kurze Zeit später begann er zur Überraschung vieler Freunde, über eine Präsidentschaftskandidatur nachzudenken.
Die ist allem Spott zum Trotz noch nicht zum Scheitern verurteilt. Denn Thompson füllt auch inhaltlich eine echte Lücke. So verschwommen seine Reden und Auftritte bislang sind: Er steht zumindest auf dem Papier eindeutig für eine harte Linie in der Einwanderungspolitik, für niedrige Steuern und einen Umbau der Sozialsysteme, gegen Abtreibung und Schwulen-Ehe. Ein derart stramm rechtes Konzept bietet keiner der anderen führenden Kandidaten - und so denkt in Umfragen fast die Hälfte der republikanischen Wähler, er sei der einzige echte Konservative im Kandidatenfeld.
Seine Frau macht ihm Dampf
Außerdem hat Thompson schon einmal bewiesen, dass man ihn nicht zu früh abschreiben sollte. Als er 1994 für den Senatssitz von Al Gore in Tennessee antrat, war er lange ein lausiger Kandidat. Thompson litt - an den vielen Terminen, dem Stress, den steifen Anzügen und Auftritten. Er lag in den Umfragen hoffnungslos zurück, sein Gegner verspottete ihn als einen verwöhnten Washington-Insider. Thompson beriet sich mit seinen engsten Freunden, und die fragten ihn: Wie würdest du es den gerne machen? Der Kandidat antwortete, er wolle am liebsten in Jeans schlüpfen und mit seinem Truck quer durch den Staat fahren. So machte er es dann auch, und gewann schließlich die Wahl mit riesigem Vorsprung. Den roten Truck fuhr er bis nach Washington vor das Capitol.
Und dann ist da ja noch seine Frau, die ihm Dampf macht. Jeri Kehn Thompson. 24 Jahre jünger, blond, meistens aufreizend gekleidet. So aufreizend, dass Fernsehkommentaren schon mal laut darüber nachdenken, ob zu ihrem Fitnessprogramm auch eine Table-Dance-Stange gehört. Jeri, raunt man in Washington, hat sich einst mit spitzen Ellenbogen an die gute Partie Thompson herangekämpft - nun arbeitet sie hinter den Kulissen kräftig daran, ihn bis ins Weiße Haus zu boxen. Das wird täglich schwerer, weil schon mehrere Top-Berater Thompsons aus Frust über dessen lahme Auftritte und über Jeris aggressives Mikromanagement gekündigt haben.
Allmählich scheint Thompson aber zu dämmern, dass etwas mehr Dampf nicht schaden könnte. Seit einigen Tagen gibt Thompson im Stakkato-Tempo Interviews: zu Irak, zur Sozialversicherung, zur Steuerpolitik.
Vielleicht waren seine bisherigen Auftritte ja sogar nur eine Strategie, um die Erwartungen zu senken. Als Thompson zum ersten Mal mit seinen Konkurrenten im Fernsehen debattierte, sorgte schon für positive Schlagzeilen, dass er den Namen des kanadischen Premiers kannte. Das könnte bei der nächsten Debatte ähnlich ablaufen. Viele Wahlkampfstrategen witzeln: "Es ist einfach für ihn, zu punkten. Er reicht schon, wenn er nicht mittendrin einschläft."
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