Von Cordula Meyer und Gregor Peter Schmitz, Washington
Die Europäer und die US-Regierung diskutieren, wie man Iran durch eine harte Sanktionspolitik zum Nachgeben bringen kann - auch ohne Militärangriff.
Viele Experten halten es inzwischen für unerlässlich, dass die USA ihre Iran-Politik strategisch neu ausrichten. Anknüpfungspunkte gäbe es genug - denn Iran und die USA haben eigentlich viele gemeinsame Interessen. "In einer idealen Welt würden Teheran und Washington ihre Fehde einfach vergessen - und sich darüber verständigen, dass sie so viel verbindet", sagt Karim Sadjadpour, Iran-Experte bei der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden. "Sie haben beide ein starkes Interesse an einem stabilen Irak, an einem stabilen Afghanistan, am Kampf gegen Terrorgruppen wie al-Qaida." Die Bevölkerung in Iran gilt außerdem noch immer als die am wenigsten antiamerikanische in der Region.
Zu Beginn des Afghanistan-Kriegs der USA 2001 hat es auch Kooperation zwischen den USA und Iran gegeben. Doch auf beiden Seiten blieb das Misstrauen - verschlimmert durch den Umstand, dass die beiden Länder seit dem Sturz des Schah-Regimes noch nicht mal diplomatische Beziehungen unterhalten. Iran hat 2003 der Regierung Bush ein Angebot zu einem engeren strategischen Dialog unterbreitet. Doch das schlug sie im Rausch der anfänglichen Irak-Euphorie leichtfertig aus.
Mittlerweile sieht sich das iranische Regime in einer so starken Position, dass es nicht mehr verhandeln möchte. Viele Experten in Washington mahnen, dass die USA nur durch eine genaue Analyse iranischer Interessen noch Chancen auf eine Einigung im Nuklear-Streit haben.
Das wichtigste Interesse der aktuellen iranischen Führung ist neben internationalem Prestigegewinn wohl die Sicherheit vor einem Regimewechsel. Der aber ist immer noch erklärtes politisches Ziel der USA.
Flynt Leverett von der New America Foundation fordert daher "einen Tabubruch zu versuchen - wie einst Nixon und Kissinger bei ihren Verhandlungen mit dem kommunistischen China".
Für eine klarere Fokussierung der Strategie spricht sich auch Jessica Tuchman Mathews aus, die Präsidentin der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden: "Noch will Washington beides: Regimewechsel in Iran und den Stopp des Atom-Programms. So lange das so bleibt, werden andere Nationen zögern, unsere Politik stärker zu unterstützen."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH