Caracas - Es flogen Steine und Flaschen, Bäume wurden in Brand gesetzt, dann ging die Polizei in Venezuela gegen die Demonstranten vor - und setzte Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein: In Caracas ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und demonstrierenden Studenten gekommen - der Protest richtete sich gegen die geplante Verwaltungsreform von Präsident Hugo Chávez.
Die Studenten forderten eine Verschiebung des für Anfang Dezember vorgesehenen Referendums über die Verfassungsreform, die unter anderem die mehrfache Wiederwahl von Chávez ermöglichen soll. Im südamerikanischen Ölland kann ein Präsident bisher nur einmal wiedergewählt werden. Danach würde die Amtszeit von Chávez, der für seine angestrebte sozialistische Demokratie inzwischen unter anderem die Ölindustrie verstaatlicht hat, 2012 endgültig zu Ende gehen.
Innenminister Pedro Carreño rechtfertigte die Aktionen der Polizei und kritisierte die Studenten als "Faschisten", die die venezolanische Demokratie destabilisieren wollten. Sie hätten die Beamte provoziert und mit Steinen beworfen. Die Behörden versicherten zudem, die Studenten hätten das Gebäude der Wahlbehörde CNE stürmen wollen. Studentenführer Yon Goicochea wies die Vorwürfe zurück und meinte, durch die Verfassungsreform würden "viele Freiheiten und Menschenrechte aberkannt".
Der Entwurf der Regierung für die Änderung des Grundgesetzes war erst vergangene Woche vom Parlament gebilligt worden. Der Entwurf wurde von den Abgeordneten der von Chávez kontrollierten Nationalversammlung von 36 auf 69 Artikeländerungen erweitert und sieht unter anderem die Abschaffung der Autonomie der Zentralbank vor.
Laut Chávez soll die Verfassungsreform den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" in Venezuela verankern und zur wirksameren Bekämpfung der Korruption beitragen. Die Opposition bezichtigt den Staatschef unter anderem eines "diktatorischen Regierungsstils".
hen/dpa/AFP
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