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Pakistan-Krise Bushs Alptraum

2. Teil: Bhutto wird sich mit dem Militär arrangieren müssen

Das Geld wird wohl weiter fließen. Selbst nach der Verhängung des Ausnahmezustandes hat Washington bislang nur ein Treffen von Militärberatern offiziell abgesagt. Die Überprüfung der Finanzhilfen steht nicht ernsthaft zur Debatte, glaubt Hassan Abbas. Bush erwähnte diese Möglichkeit gestern in Washington bei einer kurzen Pressekonferenz nach einem Treffen mit dem türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan mit keinem Wort. Zwar äußerte der Präsident sein Bedauern über den Ausnahmezustand in Pakistan und wiederholte, in Pakistan sollten Wahlen so bald als möglich stattfinden und Musharraf müsse seine Uniform ablegen. Doch er wiederholte auch sein Lob für dessen Rolle im Kampf gegen Extremisten - immerhin hätten diese drei- bis viermal versucht, ihn umzubringen. Teresita Schaffer vom "Center for Strategic and International Studies" glaubt, dass alles beim Alten bleiben wird. "Ich sehe keine Alternative zur Zusammenarbeit mit ihm", sagt Schaffer. "Sie können ja nicht einfach entscheiden, das Land links liegen zu lassen. Es stehen 26.000 Soldaten aus den USA und der Nato gleich nebenan in Afghanistan."

Bin Laden ist beliebter als Musharraf

Derzeit scheint die Bush-Administration darauf zu hoffen, dass Musharraf bald einlenkt. Aber selbst dann bliebe dessen Glaubwürdigkeit wohl dauerhaft beschädigt. "Und ohne Glaubwürdigkeit kann man auch nichts gegen Terrorismus ausrichten", sagt Hassan Abbas. Schon jetzt ist in Umfragen Osama Bin Laden in Pakistan sehr viel beliebter als Musharraf. Auch die Absprache mit der ehemaligen Regierungschefin Benazir Bhutto, welche auf Vermittlung der Amerikaner in Zukunft die Macht mit Musharraf teilen soll, wird durch die aktuellen Entwicklungen immer komplizierter. Zwar scheint Bhutto nach wie vor darauf zu hoffen, dass sie nach einiger Zeit das "demokratische Gesicht" Pakistans werden kann, wie mit Musharraf lose vereinbart. Die Amerikaner werden sie auch weiter unterstützen. Doch die Ereignisse der vergangenen Tage machen deutlicher denn je, dass Bhutto sich in jedem Fall mit dem Militär wird arrangieren müssen.

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Angesichts von Washingtons "Augen zu und durch"-Strategie wird die Frage, ob die enge Partnerschaft mit Pakistan für die USA überhaupt Erfolge zeitigt, weiter keine große Rolle spielen. "Die vielen Milliarden haben im Kampf gegen den Terrorismus wenig geholfen", glaub Hassan Abbas. "Profitiert hat davon in erster Linie die pakistanische Armee. Die haben rund 65 Prozent des Geldes erhalten und vor allem für schwere Waffen und Fluggeräte ausgegeben. Dabei bräuchte man zur Terrorabwehr eher Investitionen in Geheimdienst und Entwicklungshilfe." Selbst die Übergabe von 500-700 Verdächtigen an die Amerikaner in den ersten Jahren nach dem 11. September sei kaum als uneingeschränkter Erfolg zu werten, sagt Abbas. "Man weiß bis heute nicht, wie viele davon wirklich wichtige Informationen hatten". Und in den vorigen Monaten hatten sich Regierungsbeamte in Washington zunehmend frustriert geäußert über das Zögern Musharrafs, entschlossener gegen Qaida-Kämpfer in den Bergen des Landes und gegen die Taliban vorzugehen. Stephen Cohen von der "Brookings Institution" glaubt, dass dahinter zumindest teilweise System steckt. "Die pakistanische Armee sieht immer noch Indien als Hauptbedrohung an", schreibt Cohen. "Sie möchten die Taliban als Gegengewicht gegen zu viel Gewicht von Indien in Afghanistan bewahren."

Demokratische Präsidentschaftskandidaten wie Hillary Clinton verurteilen die Pakistan-Politik des Weißen Hauses scharf. Freilich haben sie sich bislang nicht mit Alternativvorschlägen hervorgetan. Der demokratisch beherrschte Kongress hat entgegen früherer Ankündigungen noch keine Beratung über das Einfrieren der Finanzhilfen angekündigt. Joseph Biden ist als Vorsitzender des Außenausschusses im Senat am Samstag vom Weißen Haus vertraulich über die Lage in Pakistan unterrichtet worden. Biden steckt mitten im Wahlkampf, man kann nicht erwarten, dass er freundliche Dinge über Bush sagt. Doch bei Auftritten am Sonntag wirkte der erfahrene Außenpolitiker ehrlich erschrocken. "Das Weiße Haus hat eine Musharraf-Politik, nicht eine Pakistan-Politik", resümierte Biden. "Und im Moment scheint dort keiner eine Ahnung zu haben, was man jetzt machen soll."

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