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Merkel auf Bushs Ranch Partner: Ja. Kumpel: Nein!

2. Teil: Bush umfängt die Kanzlerin mit Charme - und will Zugeständnisse in der Iran-Politik

So wenig sich die Kanzlerin mit Sarkozy vergleichen lassen will: Sein Besuch, bei dem er beinahe in Bush-Rhetorik iranische Nuklearwaffen "inakzeptabel" nannte, hat auch diese Debatte weiter verschärft. Merkel hat zwar im Vorfeld der Ranch-Visite ihre Entschlossenheit zu einer diplomatischen Lösung des Nuklearkonflikts unterstrichen - bei gleichzeitiger Bereitschaft zu härteren Sanktionen. Führende Sozialdemokraten und auch Teile der Union haben ihr aber mit auf den Weg nach Texas gegeben, sich glasklar gegen einen Angriff auf Iran auszusprechen. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat der Kanzlerin nachdrücklich empfohlen, der Linie von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zu folgen. Der hat als Parole ausgegeben: "Wir müssen alles, aber auch wirklich alles tun, um diesen Konflikt mit friedlichen Mitteln zu lösen."

Druck auf Merkel im Iran-Konflikt

Aber: Lässt sich versprechen, dass das möglich sein wird? Eigentlich bewegen sich die Europäer in puncto Iran im Gleichschritt mit den demokratischen Präsidentschaftskandidaten in den USA. Die hoffen zwar ebenfalls inständig, der Kelch einer Militäraktion möge an ihnen und dem Land vorbeigehen - aber ausschließen wollen sie diese Option partout auch nicht. Denn was würde passieren, wenn Iran Fortschritte bei der Nuklearentwicklung präsentierte und Israel ernsthaft bedrohte? Die Amerikaner wissen um dieses Dilemma der Deutschen natürlich. Deshalb heißt es von Vertrauten der US-Regierungsstrategie auch, Bush werde durchaus versuchen, gerade nach dem erfolgreichen Sarkozy-Besuch den Druck auf Merkel in der Iran-Frage zu erhöhen. Dafür werde er ihr etwa bei der Diskussion um stärkeres militärisches Engagement in Afghanistan und zumindest rhetorisch beim Klimaschutz entgegenkommen.

Nur knapp 20 Stunden wird die Kanzlerin insgesamt auf der "Prairie Chapel Ranch" verbringen. Eingeplant ist auch eine kurze Tour durch die Anlage - an deren Beispiel man eine Art Entwicklungsgeschichte von Bushs Präsidentschaft zeichnen kann. Zu Beginn stand die Ranch für viele Eigenschaften, die den Kandidaten Bush im Wahlkampf 2000 durchaus liebenswert erscheinen ließen. Ihr Hauptgebäude ist nur rund 400 Quadratmeter groß, in dieser Gegend sehr bescheiden. Acht Räume, alle auf Bodenebene, damit Bushs alte Eltern keine Treppen steigen müssen. Und sogar mit einem ökofreundlichen Heizungs- und Lüftungssystem ausgestattet, das den Energieverbrauch um 75 Prozent reduziert. Die gesamte Anlage wirkt unprätentios, familienfreundlich, naturverbunden - passend zu einem Kandidaten, der wie ein Nachbar wirkte, den man gerne zum Barbecue einladen würde.

Längst aber wird die Obsession des Präsidenten mit einer Ranch mitten in einer der eintönigsten Gegenden Texas von den Amerikanern anders gesehen. Dass Bush statt von neuen Politikvorschlägen lautstark von einem Ruhestand träumt, in dem er den ganzen Tag in brütender Hitze Büsche schneiden kann, gilt nicht mehr als charmante Bodenständigkeit - sondern als Desinteresse an Politikentwürfen. Dass er in Interviews als schönsten Moment seiner Amtszeit das Fangen eines siebeneinhalb Pfund schweren Barsches in einem der Teiche auf der Ranch angegeben hat, wird nicht mehr als liebenswerter Scherz gedeutet - sondern als typischer Beleg für seine fehlende intellektuelle Neugier.

Doch darüber haben die beiden Ehepaare beim Abendessen wohl kaum reflektiert (zu essen gab es laut Weißem Haus auch keinen Barsch, sondern Rind mit Spargel). Zumindest schien die Stimmung dabei so gut zu sein, dass der Zeitplan gleich durcheinander geriet. Eigentlich war für den späteren Abend ein Pressegespräch mit einem engen Mitarbeiter der Kanzlerin angekündigt - aber das kam nicht zustande, wohl weil das Essen weit länger dauerte als vorgesehen.

Die Nacht verbrachten die Bushs und das Ehepaar Merkel/Sauer übrigens nicht unter einem Dach. Die deutschen Besucher schliefen nur einen Steinwurf vom Haupthaus der Ranch entfernt, im Gästegebäude. Dennoch wird die Kanzlerin heute, wenn die Arbeitsgespräche beginnen, dem klassischen Dilemma jedes Übernachtungsbesuchs begegnen. Wer hat schon Lust, im Haus des Gastgebers nach einem netten Abend am nächsten Morgen Klartext zu reden? Etwa einen sehr deutlichen Satz zur Iran-Politik zu sagen? Doch wenn Angela Merkel den morgen nicht äußert - dann könnte sie nächste Woche daheim in Berlin ein böses Erwachen erleben.

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