Paris - 200 Kilometer Stau allein rund um Paris, überfüllte Bahnsteige, kein Strom in mehreren öffentlichen Gebäuden: Das sind die bisherigen Auswirkungen des Streiks in Frankreich.
Schon seit gestern Abend stehen die Züge im Fernverkehr. Laut der Bahngesellschaft SNCF fahren nur noch rund 20 Prozent der Züge. Allein von den üblicherweise rund 700 TGV-Hochgeschwindigkeitszügen fallen mehr als 600 aus. Der Streik ist unbefristet, möglicherweise dauert er bis zum Wochenende. Heute früh schlossen sich die Mitarbeiter der Pariser Metro dem Arbeitskampf an. Mit der Ausnahme auf einer Linie sollen alle Züge ausfallen. Auch die Energieversorger GDF und EDF werden seit heute bestreikt. Die Beschäftigten kündigten an, dass sie den Büros der konservativen Regierungspartei UMP den Strom abschalten wollten. Außerdem sind "Robin-Hood-Aktionen" geplant wie die Aufnahme der Stromversorgung für Haushalte, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen konnten.
Bei der Comedie Francaise und der Pariser Nationaloper wurden die Vorstellungen für heute abgesagt. Wegen der geplanten Kürzungen öffentlicher Mittel für die Universitäten sprachen sich gestern auch die Studenten an 26 der 85 Hochschulen in Frankreich für Streiks aus. Damit könnte der Ausstand der größte in Frankreich seit mehr als einem Jahrzehnt werden.
Unmittelbar vor dem Beginn hatte sich Präsident Nicolas Sarkozy mit den Chefs der betroffenen Unternehmen zu einem Krisengipfel getroffen. Ein Nachgeben schloss er aber kategorisch aus. "Nichts wird mich davon abbringen", sagte Sarkozy. Arbeitsminister Xavier Bertrand vereinbarte jedoch Gespräche mit den Gewerkschaften.
Ein Kernpunkt seiner Politik ist eine Rentenreform im staatlichen Sektor, bei der die Beschäftigten deutlich früher in den Ruhestand gehen können als in anderen Bereichen der Wirtschaft. Dieses Privileg will Sarkozy abschaffen, weil seiner Darstellung zufolge sonst die Pensionen bald nicht mehr zu bezahlen sind. Die Eisenbahner hingegen argumentieren, dass das niedrige Rentenalter eine Entschädigung für die ihrer Meinung nach geringe Bezahlung und die belastenden Arbeitszeiten sei.
ler/Reuters/AP
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