Wien - Kurz vor der Veröffentlichung eines Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu Irans Atomprogramm hat Teheran dem Organ einen Bauplan zur Herstellung von Atomwaffen-Bauteilen übergeben. Damit sei die iranische Regierung einer lange gestellten Forderung der IAEA nachgekommen, teilten Diplomaten heute in Wien mit.
Bei der Blaupause handelt es sich demnach um eine veraltete Anleitung zur Ladung von Gefechtsköpfen mit radioaktivem Uran. Die IAEA hatte die Übergabe des Dokuments seit etwa zwei Jahren gefordert, durfte aber bislang lediglich Einsicht nehmen.
Während einige Diplomaten den Schritt Irans als Zeichen werteten, dass das Land endlich mit der IAEA zusammenarbeiten und reinen Tisch machen wolle, beurteilten andere die Übergabe des Dokuments skeptisch. Es handele sich um den Versuch, in letzter Minute neue Uno-Sanktionen gegen Iran abzuwenden, hieß es.
Der US-Botschafter bei der IAEA, Gregory Schulte, betonte, dass die IAEA-Forderung nach einer Übergabe des Bauplans fast zwei Jahre und die nach einer vollständigen Zusammenarbeit Irans vier Jahre alt sei. "Selektive Zusammenarbeit ist nicht genug." Die IAEA erwarte eine "vollständige Offenlegung" des iranischen Atomprogramms, betonte Schulte.
IAEA-Chef Mohammed ElBaradei sollte seinen Iran-Bericht voraussichtlich noch heute Abend oder morgen vorstellen, wie aus diplomatischen Kreisen verlautete. Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sollte noch in diesem Monat einen Bericht zu Irans Atomprogramm vorlegen. Auf der Grundlage dieser Berichte will der Uno-Sicherheitsrat über weitere Sanktionen gegen Teheran entscheiden.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich weiter unnachgiebig. Allen Resolutionen des Sicherheitsrates zum Trotz bekräftigte Ahmadinedschad heute, sein Land werde die Urananreicherung in der Atomanlage von Natans "im industriellen Maßstab fortsetzen".
Iran hat Vorwürfe, unter dem Deckmantel einer friedlichen Nutzung von Kernkraft an Atomwaffen zu bauen, stets zurückgewiesen.
hen/AFP/dpa
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