Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Daher kann die ehemalige "First Lady" sogar entspannt zuhören, als ihre Rivalen über Immigration streiten - in Nevada, wo Latinos fast 25 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ein wichtiges Thema. Zu der Frage hatte sich Clinton vor zwei Wochen böse verheddert. Sie konnte sich nicht recht entscheiden, ob sie nun Führerscheine für illegale Einwanderer befürwortet oder nicht. Diesmal stolpert erstaunlicherweise Obama bei genau dieser Frage, auf die er eigentlich hätte vorbereitet sein müssen. Das scheint ihn so einzuschüchtern, dass er Clinton noch nicht einmal bei der Debatte zu Iran angreift.
Die Debatte schleppt sich mühsam über zwei Stunden
Kein Wort darüber, dass Clinton als einzige der Bewerber auf der Bühne für eine Senatsresolution gegen Iran gestimmt hat, die manche Beobachter in Washington als Aufgalopp zu einem neuen Krieg verstehen. Kurz darauf wacht Obama bei einer Frage zur Sozialversicherung wieder auf und vergleicht Clinton prompt mit den Republikanern, weil sie wie der politische Gegner Zahlen manipuliere. Derart überzogen wirkt die Kritik, dass selbst der sonst so beliebte Obama vereinzelte Buhs erntet.
So schleppt sich die Debatte mühsam über zwei Stunden. Die CNN-Moderatoren erinnern daran, warum sich so leicht verzweifeln lässt an dieser Art von Dauer-Wahlkampf-Hysterie. Im Stakkato-Ton brechen sie fast jede Frage auf eine "Ja" oder "Nein"-Abfrage herunter. Ganz egal, ob es um die Abwägung von Menschenrechten und Nationaler Sicherheit geht - oder die epochale Frage, ob Hillary Clinton lieber Diamanten oder Perlen trägt. Während die Debatte noch läuft, beginnen die ersten Spin-Doktoren schon ihr Fazit: Hillary kann also zurückschlagen.
Nur: Daran hat ja eigentlich niemand gezweifelt. Vor der Debatte schrieb Wahlkampf-Haudegen Howard Fineman in "Newsweek", die Amerikaner fürchteten nicht eine Frau im Weißen Haus, sondern einen kalten "Kontroll-Freak" dort - Clinton müsse sich auch mal von ihrer menschlichen Seite zeigen.
Sie hätte dazu gestern Gelegenheit gehabt. Etwa bei der Frage, die ein junger Soldat und seine Mutter aus dem Publikum stellen. Drei Einsätze im Irak hat der junge Mann hinter sich, und jetzt haben Mutter und Sohn nur noch Angst vor einem neuen Krieg. Mit Iran. Die Zuschauer stehen geschlossen auf, um dem Jungen für seinen Einsatz zu danken. Es ist ein ehrlich bewegender Moment. Und was macht Hillary? Sie erklärt detailliert ihre Pläne zur Iran-Diplomatie, sie leitet ihre Empfehlungen mit "Erstens…", "Zweitens..." ein. Aber kein einziges Mal wendet sie sich wirklich an Sohn und Mutter. Den Dank für dessen Militärdienst versteckt sie in einem verschachtelten Nebensatz. Sie klingt furchtbar vernünftig. Aber auch furchtbar distanziert.
Es ist wohl Hillarys Schicksal, dass man in diesen Momenten an Bill Clinton denken muss. Wie hätte der das als Wahlkämpfer gemacht? "Ich fühle deinen Schmerz", hätte er zu Mutter und Sohn gesagt, seine Augen hätten feucht geschimmert. Niemals hätte er sich diese beiden Stimmen entgehen lassen.
Aber gegen Bill muss Hillary ja nicht antreten.
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